Die Entwicklung von Währungen und die globale Währungspolitik haben seit jeher spürbaren Einfluss auf den Kryptomarkt. Historisch gilt: Steigende Liquidität wirkt in der Regel bullisch auf Risk-on-Assets. Dazu zählen längst auch Bitcoin und andere Kryptowährungen. Genau vor diesem Hintergrund rückt nun das Verhältnis zwischen den USA und Japan in den Fokus. Eine mögliche geldpolitische Dynamik zwischen beiden Ländern könnte mittelfristig neue Liquidität freisetzen. Darauf verweist der bekannte Krypto-Unternehmer Arthur Hayes.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der japanische Yen bleibt stabil, während Spekulationen über mögliche US-Interventionen zunehmen.
  • Rate-Checks der New Yorker Fed gelten als frühes Signal möglicher Marktinterventionen.
  • US-Finanzminister verneint Yen-Manipulation und betont langfristige Strong-Dollar-Strategie der USA.
  • Arthur Hayes warnt vor versteckten Risiken im japanischen Yen- und Anleihemarkt.
  • Steigende JGB-Renditen und schwacher Yen erhöhen politischen Druck auf Notenbanken.
  • Hayes erwartet indirekte Fed-Interventionen, die faktisch neue Dollar-Liquidität schaffen würden.
  • Mehr Liquidität könnte laut Hayes Bitcoin als knappes Asset deutlich antreiben.

Yen stabil gegen Dollar: Fantasie um US-Intervention?

In den vergangenen Tagen ist der japanische Yen auffallend stabil gegenüber dem US-Dollar geblieben. Das erfolgt ausgerechnet in einer Phase, in der an den Märkten erneut über mögliche Währungsmanipulationen spekuliert wird. Auslöser der Debatte waren Berichte über sogenannte „Rate-Checks“ im USD/JPY-Markt durch die New York Federal Reserve Bank. Solche Abfragen gelten häufig als Frühindikator für mögliche Interventionen, da Zentralbanken damit die Marktliquidität und Preisstellung testen, ohne direkt einzugreifen.

Schnell kam daher der Verdacht auf, die Federal Reserve könnte gemeinsam mit Japan versuchen, gezielt Einfluss auf den Yen zu nehmen. Diese Spekulationen wurden jedoch politisch klar relativiert.

US-Finanzminister Scott Bessent wies zuletzt explizit zurück, dass es eine koordinierte Intervention oder gezielte Dollar-Verkäufe gegeben habe. Vielmehr betonte er die langfristige „Strong-Dollar-Policy“ der USA, die auf einen strukturell starken US-Dollar ausgerichtet sei.

Dollar schwach, Yen schwächer

Aktuell zeigt sich eine auffällige Divergenz in den großen Währungsbewegungen, die die strukturelle Schwäche des japanischen Yen besonders deutlich macht. Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen zwölf Monate, hat der US-Dollar gegenüber dem Yen klar aufgewertet. Das ist bemerkenswert, denn der Dollar selbst befindet sich selbst in einer Schwächephase. Gegenüber dem Euro hat der US-Dollar zuletzt spürbar nachgegeben, der Euro wertete klar auf.

Diese Kombination legt einen wichtigen Schluss nahe: Die Yen-Schwäche ist nicht primär das Resultat eines außergewöhnlich starken US-Dollars, sondern Ausdruck eigener, tiefer liegender Probleme in Japan. Während andere große Währungen von der Dollar-Schwäche profitieren, setzt der Yen seinen Abwertungstrend fort. Genau das verschärft die Spannungen am japanischen Finanzmarkt, da ein schwacher Yen Inflation importiert und das Vertrauen in den Anleihemarkt zusätzlich belastet.

yen usd

Zuletzt hat sich die Lage am japanischen Anleihemarkt deutlich zugespitzt. Dies ist ein zentraler Auslöser für die aktuellen makroökonomischen Spannungen. Nach Daten von The Kobeissi Letter baut die Bank of Japan ihre Bilanz spürbar ab. Der Anteil der von ihr gehaltenen japanischen Staatsanleihen (JGBs) ist auf rund 48 Prozent gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren. Seit dem Hoch im Jahr 2022 entspricht das einem Rückgang um etwa sieben Prozentpunkte.

Parallel dazu hat die BoJ ihre monatlichen Anleihekäufe im Rahmen des Quantitative-Tightening-Programms stark reduziert. Dies erfolgt von rund 5,7 Billionen Yen Mitte 2024 auf aktuell etwa 2,9 Billionen Yen. Bis Anfang 2027 sollen die Käufe weiter auf rund 2,1 Billionen Yen sinken. Brisant ist zudem, dass auch ausländische Investoren ihr Engagement zurückfahren: Ihr Anteil an JGBs liegt nur noch bei rund zwölf Prozent, nahe dem Tief seit 2019. Damit ziehen sich gleichzeitig Notenbank und internationale Anleger zurück. Dies ist ein klares Zeichen anhaltenden Drucks auf Japans Bondmarkt.

Arthur Hayes: Yen-Schock als Bitcoin-Katalysator

In seinem jüngsten Beitrag auf Substack zeichnet der Kryptounternehmer Arthur Hayes ein bewusst drastisches Bild, um auf eine unterschätzte Gefahr im globalen Finanzsystem hinzuweisen. Oberflächlich wirkt alles stabil, doch unter der Oberfläche baut sich massiver Druck auf. Hayes überträgt diese Metapher auf Japan, wo zuletzt der Yen schwächer wurde, während gleichzeitig die Renditen langfristiger japanischer Staatsanleihen (JGBs) anzogen. Dies sei eine Kombination, die er als hochgradig ungesund beschreibt.

Aus makroökonomischer Sicht ist das brisant. Ein schwacher Yen importiert Inflation in ein rohstoffarmes Land wie Japan, während steigende JGB-Renditen die Staatsfinanzierung verteuern und hohe Buchverluste bei der Bank of Japan verursachen, die selbst der größte Halter dieser Anleihen ist. Laut Hayes kann diese Dynamik politisch nicht toleriert werden. Seine Kernthese: Wenn Yen und JGBs gleichzeitig unter Druck geraten, steigt der Zwang zu geldpolitischen Gegenmaßnahmen, notfalls auch über die USA.

Hayes skizziert ein Szenario, in dem die Federal Reserve indirekt eingreift, etwa über Devisenmarktoperationen und den Kauf japanischer Staatsanleihen. Formal ließe sich das als technische Stabilisierung verkaufen, faktisch würde es jedoch eine Ausweitung der Fed-Bilanz bedeuten, also neues Dollar-Geld im System. Genau hier sieht Hayes den entscheidenden Hebel für Bitcoin.

Seiner Einschätzung nach steckt Bitcoin aktuell in einer Seitwärtsphase, weil frische Liquidität fehlt. Kommt es jedoch zu einem solchen Eingriff, würde zusätzliche Dollar-Liquidität entstehen, die sich historisch immer auch in steigenden Preisen knapper Assets niedergeschlagen hat. Bitcoin profitiert in diesem Umfeld als nicht beliebig vermehrbares Gegengewicht zu Fiatgeld besonders stark. Die Geldpolitik würde dann bullische Krypto Prognosen untermauern.

Krypto-Portfolio: Abwarten vor dem Signal

Abschließend legt Arthur Hayes auch offen, wie er sich in diesem Umfeld konkret positioniert und warum er derzeit bewusst auf Zurückhaltung setzt. Ein sich schnell aufwertender Yen ist für ihn zunächst ein klassisches Risk-off-Signal, da viele Marktteilnehmer Yen-finanzierte Trades abbauen müssen. Entsprechend reagierte auch Bitcoin zuletzt schwächer, als der Yen gegenüber dem US-Dollar anzog.

Für Hayes ist das jedoch kein Grund, aggressiv nachzukaufen. Im Gegenteil: Er erhöht sein Risiko erst dann wieder, wenn er einen klaren Beleg dafür sieht, dass die US-Notenbank tatsächlich Liquidität schafft, um in den Yen- und JGB-Markt einzugreifen.

Sein entscheidender Indikator ist dabei ein sehr konkreter: Steigt der Bilanzposten „Foreign Currency Denominated Assets“ in der wöchentlichen Fed-Bilanz, wäre das für ihn das Startsignal. Bis dahin hat Hayes gehebelte Bitcoin-Stellvertreterpositionen bewusst geschlossen. Parallel bleibt er selektiv investiert, baut defensive Krypto-Positionen weiter aus und hält DeFi-Engagements stabil.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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