Tether untermauert seine Dominanz im Stablecoin-Sektor mit einem weiteren strategischen Vorstoß, der traditionelle Wertspeicher und digitale Assets eng verknüpft. Das Unternehmen plant künftig, Dividenden optional in Tether Gold (XAU₮) auszuschütten – ein Schritt, der über die reine Emittierung von Dollar-Derivaten hinausgeht und die systemische Relevanz von tokenisierten Rohstoffen betont.
Das Wichtigste im Überblick:
- Verknüpfung von Assets: Tether ermöglicht die Ausschüttung von Dividenden in XAU₮, wodurch Aktionäre direkten Zugang zu digital verbrieftem Gold erhalten, ohne physische Barren lagern zu müssen.
- Aggressive Akkumulation: Daten deuten darauf hin, dass Tether seine Goldreserven massiv ausgebaut hat – allein im vierten Quartal 2025 wurden Berichten zufolge rund 27 Tonnen erworben.
- Strategische Diversifizierung: Der Schritt folgt Investitionen in Mining und Infrastruktur und zielt darauf ab, das Geschäftsmodell gegen die Inflationierung von Fiat-Währungen abzusichern.
- Liquidität für Rohstoffe: Durch die Tokenisierung wird Gold rund um die Uhr global transferierbar, was die Illiquidität des physischen Marktes technisch umgeht.
Hintergrund der Entwicklung
Der Stablecoin-Markt wird seit Jahren von Tether (USDT) dominiert, doch wir beobachten eine klare Verschiebung in der Unternehmensstrategie: weg vom reinen „Dollar-Proxy“ hin zu einem diversifizierten Finanzakteur. Da die Stablecoin-Marktkapitalisierung insgesamt neue Höchststände erreicht, wächst der Druck, diese Liquidität produktiv zu nutzen. Tethers Vorstoß in den Goldmarkt kommt nicht überraschend. Bereits zuvor signalisierte das Unternehmen mit einer 150 Millionen Dollar Investition in Gold.com, dass physische Rohstoffe eine zentrale Säule der zukünftigen Reservestruktur bilden sollen.
Nach unserer Einschätzung reagiert Tether damit auf makroökonomische Unsicherheiten. Während USDT primär der Liquidität dient, positioniert sich das Gold-Produkt als defensiver Anker im Portfolio – eine klassische Absicherung, nun jedoch auf der Blockchain abgebildet.
Was die neuen Ertragsmodelle bedeuten
Technisch betrachtet repräsentiert jeder XAU₮-Token eine Feinunze Gold, die in Schweizer Tresoren lagert. Die Neuerung liegt in der Distributionsmethode: Anstatt dass Investoren aktiv Gold kaufen müssen, fließt es über Dividenden automatisch in die Portfolios. Dies könnte die Zirkulation von XAU₮ signifikant erhöhen.
Laut Marktdaten hält Tether bereits Reserven von über 116 Tonnen Gold, um verschiedene Initiativen wie die Rechnungseinheit „Scudo“ und XAU₮ zu decken. Damit ist Tether bereits im vergangenen Jahr zum größten unabhängigen Halter von Gold aufgestiegen. CEO Paolo Ardoino prognostizierte zuletzt eine Ausweitung der Marktkapitalisierung von XAU₮ auf bis zu 10 Milliarden US-Dollar bis Ende 2026.
Parallel dazu stärkt Tether seine Position im DeFi-Sektor, etwa durch Investitionen, die Liquidität über verschiedene Protokolle hinweg sichern. Ein Beispiel hierfür ist, dass Tether in Infrastrukturen wie Hyperliquid investiert, um die Nutzbarkeit von USDT und potenziell auch Gold-Token in dezentralen Handelsumgebungen zu gewährleisten. Kritiker warnen jedoch, dass diese Gold-Tokenisierung, so effizient sie auch sein mag, die historische Volatilität des Goldpreises nicht eliminiert. Historische Vergleiche zeigen, dass auch Goldphasen der Stagnation erleben können, was die Attraktivität solcher Dividenden in Bärenmärkten schmälern könnte.
Was das für Anleger bedeutet
Für Sie als Investor ist dieser Schritt zweischneidig. Einerseits bietet die Tokenisierung von Gold eine effiziente Möglichkeit, das Portfolio gegen Währungsabwertung abzusichern, ohne die hohen Spreads und Lagerkosten physischer Edelmetallhändler tragen zu müssen. In Deutschland ist zudem die steuerliche Komponente spannend: Während Gewinne aus physischem Gold (und oft auch goldgedeckten ETCs mit Auslieferungsanspruch) nach einem Jahr steuerfrei sind, gilt dies meist auch für Krypto-Assets. Dividenden selbst unterliegen jedoch in der Regel der Kapitalertragsteuer – die genaue steuerliche Behandlung von „Sachdividenden in Token-Form“ ist komplex und sollte individuell geprüft werden.
Andererseits bleibt ein zentrales Gegenparteirisiko bestehen. Sie vertrauen darauf, dass Tether die physischen Bestände korrekt auditiert und verwahrt. Zudem rufen solche Modelle Regulierer auf den Plan. Wie wir im Kontext eingefrorener Gelder gesehen haben, können Ertragsmodelle von Stablecoin-Emittenten schnell ins Visier der Behörden geraten. Diversifikation bleibt daher auch hier oberstes Gebot.
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