Das US Court of Appeals for the Second Circuit hat am 31. August eine einstweilige Verfügung aufgehoben, die Genius Group bei Aktienausgaben, Kapitalbeschaffung und Bitcoin-Käufen eingeschränkt hatte. Das in Singapur ansässige Bildungsunternehmen will nun bei null Bitcoin-Beständen neu starten und plant eine Treasury im Zielvolumen von 827 Millionen Dollar – finanziert über ein Preferred-Share-Modell nach dem Vorbild von Strategy.
Das Wichtigste im Überblick:
- US-Berufungsgericht hebt einstweilige Verfügung gegen Genius Group auf, Fall geht zurück an den Southern District of New York.
- Genius plant Fünfjahres-Kapitalplan: 827 Mio. Dollar Bitcoin-Treasury, 800 Mio. Dollar AI-Portfolio, insgesamt 2 Mrd. Dollar Vermögenswerte bis Geschäftsjahr 2031.
- Unternehmen will 1,2 Mrd. Dollar an bevorzugten Wertpapieren nach dem Vorbild von Strategys STRC-Modell ausgeben.
- Erste Kapitalaufnahme von 12,5 Mio. Dollar entspricht erst rund 1,5 Prozent des Bitcoin-Ziels.
- Genius verkaufte im April seine gesamten 440 BTC und startet nun bei null Bitcoin.
Genius Group erhält wieder Spielraum für Bitcoin- und AI-Plan
Die Anordnung vom 31. August entfernt die Verfügung, soweit sie Genius betrifft, und schickt den zugrundeliegenden Streit zurück an das Bezirksgericht in New York. Nach Angaben des Unternehmens hatte die Verfügung zuvor die Ausgabe von Aktien, die Kapitalbeschaffung und Bitcoin-Käufe blockiert.
Nur wenige Tage vor dem Urteil hatte Genius einen Fünfjahres-Kapitalplan vorgestellt: 827 Millionen Dollar für eine Bitcoin-Treasury, 800 Millionen Dollar für ein AI-Portfolio, insgesamt sollen die Vermögenswerte bis zum Geschäftsjahr 2031 auf 2 Milliarden Dollar wachsen. Als Finanzierungsvehikel dient ein Modell, das an Strategys bevorzugte Wertpapiere wie STRC angelehnt ist – deren Marktwert laut Primärquelle inzwischen mehr als 13 Milliarden Dollar übersteigt.
Genius will insgesamt 1,2 Milliarden Dollar dieser bevorzugten Wertpapiere ausgeben. Die Erlöse sollen auf Bitcoin-Käufe, AI-Investitionen und eine Liquiditätsreserve für rund 18 Monate bevorzugter Dividenden verteilt werden. Die erste Kapitalaufnahme liegt bislang jedoch nur bei 12,5 Millionen Dollar – etwa 1,5 Prozent des 827-Millionen-Dollar-Ziels, bevor überhaupt Mittel für AI oder die Dividendenreserve abgezogen werden. Genius meldete zum 30. Juni 106,6 Millionen Dollar Nettovermögen und keine Verbindlichkeiten gegenüber Dritten; Umfang, Preis und Zeitpunkt der endgültigen Finanzierung hängen von Marktbedingungen und der Zustimmung des Boards ab.
Hamiltons Begründung für das Treasury-Modell
CEO Roger James Hamilton begründete den Vorstoß damit, dass Bitcoin und künstliche Intelligenz aus seiner Sicht in neue Wachstumszyklen eintreten und das Unternehmen mit dauerhaftem Kapital beide Engagements ausbauen wolle. Bevorzugte Wertpapiere sollen dabei eine zentrale Rolle spielen.
Laut Hamilton ist die Struktur so angelegt, dass beide Treasuries wachsen können, ohne zusätzliche Stammaktien auszugeben. Renditen oberhalb der bevorzugten Dividendenrate sollen dem Nettovermögenswert der Stammaktionäre zufließen.
Bitcoin muss neu aufgebaut werden, AI-Portfolio ist bereits gestartet
Die beiden Säulen des Plans starten von sehr unterschiedlichen Punkten aus. Genius führte seine Bitcoin-Treasury-Strategie 2024 ein und baute die Bestände zeitweise auf ein Hoch von 440 BTC aus – ein Volumen, das sich durchaus mit anderen börsennotierten Bitcoin-Treasuries vergleichen lässt.
Rechtliche und kapitalbezogene Einschränkungen zwangen das Unternehmen jedoch, seine Position schrittweise abzubauen; im April verkaufte Genius die verbleibenden Bitcoin vollständig und nutzte den Erlös zur Rückzahlung von 8,5 Millionen Dollar Schulden. Käufe sollen im vierten Quartal wieder aufgenommen werden, eine konkrete Akquisition wurde bislang aber nicht offengelegt – ein Muster, das sich auch bei anderen Unternehmen zeigt, die ihre Treasury-Strategie neu ausrichten.
Das AI-Portfolio ist dagegen bereits aktiv: Genius startete im Mai das AGI Infinity Portfolio und tätigte im Juni die erste Investition, die indirektes Pre-IPO-Exposure zu OpenAI, Anthropic, SpaceX, Anduril und Databricks liefert. Ergänzend hat das Unternehmen einen ersten AI-Einsatz von 100 Millionen Dollar über Pre-IPO-Fonds, börsennotierte Infrastrukturunternehmen und indirekte Profiteure der AI-Adoption skizziert.

Was Anleger als Nächstes beobachten sollten
Entscheidend wird sein, ob Genius die geplante Preferred-Share-Finanzierung tatsächlich in einer Größenordnung abschließt, die dem 827-Millionen-Dollar-Ziel nahekommt – die erste Tranche von 12,5 Millionen Dollar liegt davon noch weit entfernt. Ebenso relevant ist, ob im vierten Quartal wie angekündigt neue Bitcoin-Käufe offengelegt werden.
Größe, Preisgestaltung und Zeitpunkt der endgültigen Finanzierung bleiben laut Unternehmen von Marktbedingungen und der Zustimmung des Boards abhängig. Ob die Kombination aus Bitcoin-Käufen, AI-Investitionen und Dividendenreserve am Ende ausreicht, um die angekündigte Treasury tatsächlich aufzubauen, lässt sich laut CryptoSlate derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
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