Bitcoin notiert nach dem stärksten Monat seit August 2017 wieder bei rund 80.000 US-Dollar, während der Vermögensverwalter 21Shares an seinem Basisszenario von 100.000 US-Dollar bis Ende 2026 festhält. Getragen wird die Erholung von starken ETF-Zuflüssen und einem wachsenden Debasement-Narrativ – gebremst wird sie vom Terminmarkt, der eine Zinserhöhung im September mit 35 Prozent Wahrscheinlichkeit einpreist, obwohl sinkende Zinsen Grundvoraussetzung für das Kursziel wären.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Bitcoin stieg im August um rund 23 Prozent auf über 81.000 US-Dollar – der stärkste Monat seit 2017
  • Die 200-Tage-Linie wurde erstmals seit neun Monaten zurückerobert, ein Golden Cross zeichnet sich ab
  • US-Bitcoin-ETFs sammelten an acht Handelstagen in Folge 2,8 Milliarden US-Dollar ein
  • 21Shares hält 100.000 US-Dollar bis Ende 2026 für erreichbar, knüpft dies aber an sinkende Zinsen
  • Der Terminmarkt preist derzeit eher eine Zinserhöhung als eine Senkung ein

Bitcoin bei 80.000 Dollar: Nächste Hürde liegt bei 82.814 Dollar

Vom 14. August bei knapp 63.000 US-Dollar ging es für Bitcoin zunächst über 79.000 und dann über die psychologisch wichtige 80.000er-Marke. Am 28. August erreichte der Kurs gut 81.000 US-Dollar – für den Gesamtmonat steht damit ein Plus von rund 23 Prozent zu Buche, der stärkste Wert seit August 2017.

Die Ausgangslage erklärt einen Teil der Wucht: Vom Januar-Hoch bei rund 95.000 US-Dollar war der Kurs bis Ende Juni unter 60.000 US-Dollar gefallen und hatte sich danach wochenlang in einer engen Spanne zwischen 62.000 und 67.000 US-Dollar bewegt. Die nächste technische Hürde liegt beim Mai-Hoch von 82.814 US-Dollar, rund 3,5 Prozent über dem aktuellen Niveau; nach unten dient die 200-Tage-Linie bei 69.275 US-Dollar als erste Auffanglinie, darunter das Verlaufstief vom 1. Juli bei 57.740 US-Dollar. Parallel dazu zeigt sich auch bei der institutionellen Nachfrage über ETFs ein deutlicher Rückenwind: acht Handelstage in Folge mit zusammen 2,8 Milliarden US-Dollar Zuflüssen, im gesamten August über drei Milliarden US-Dollar.

Golden Cross in Sicht: Was das Chart-Signal aussagt

Charttechnisch hat der Kurs sowohl die 50-Tage-Linie bei 64.518 US-Dollar als auch die 200-Tage-Linie bei 68.962 US-Dollar hinter sich gelassen. Letztere gilt vielen Marktteilnehmern als Trennlinie zwischen Bullen- und Bärenmarkt – überwunden wurde sie zum ersten Mal seit neun Monaten.

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Interessant ist die Stellung der beiden gleitenden Durchschnitte zueinander: Die 50-Tage-Linie liegt noch unter der 200-Tage-Linie, beginnt aber zu drehen. Kreuzt sie die längere Linie von unten, entsteht ein sogenanntes Golden Cross – ein Signal, das viele Anleger als Bestätigung eines neuen Aufwärtstrends lesen. Die aggregierte Kostenbasis aller Anleger liegt bei 54.000 US-Dollar; unter diese Schwelle ist der Kurs im gesamten Abschwung nicht gefallen.

Analysten sehen Erholung, aber der Anstieg braucht neues Kapital

Joel Kruger von der LMAX Group hält Rücksetzer inzwischen für begrenzt und nennt das Mai-Hoch knapp unter 83.000 US-Dollar als nächste Station – der Markt habe die Angebotsüberhänge auf dem Weg nach oben bereits abgearbeitet. Vorsichtiger klingt das Analystenteam von Bitfinex, das die Bewegung als Squeeze beschreibt: Zwischen 77.100 und 80.000 US-Dollar habe die Spot-Nachfrage das dort liegende Angebot aufgesogen.

Wie viel davon echte Nachfrage war, bleibt umstritten. Laut Daten des Derivate-Anbieters CoinGlass mussten bis Freitag mehr als vier Milliarden US-Dollar an bärischen Positionen liquidiert werden. Alex Kuptsikevich, Chefmarktanalyst bei FxPro, führt die Rally maßgeblich auf diese Welle von Short-Eindeckungen nach wochenlang extrem engem Handel zurück.

Bull Case: Was Bitcoin bis 100.000 Dollar treiben könnte

21Shares begründet sein Basisszenario zyklisch: Der Bereich um 60.000 US-Dollar liegt in jenem Fenster, in dem alle drei bisherigen Bitcoin-Zyklen ihren Tiefpunkt erreichten – rund ein Jahr nach dem jeweiligen Höchststand. Käufe in diesem Zeitfenster brachten historisch im Schnitt eine Wertsteigerung von rund 130 Prozent bis zum nächsten Halving, wie auch die Prognose von VanEck mit einem längerfristigen Zeithorizont argumentiert.

Macro shot of a gold Bitcoin coin standing on a gold-colored circuit board

Auch der Vergleich mit früheren Abschwüngen fällt milde aus: Rund 54 Prozent Rückgang stehen gegen Bärenmärkte vergangener Zyklen mit teils mehr als 80 Prozent Verlust. Hinzu kommt makroökonomischer Rückenwind: Das US-Finanzministerium erhöhte die maximale Rückkaufgröße für langlaufende Staatsanleihen von zwei auf mindestens vier Milliarden US-Dollar je Operation, worauf Bitcoin sieben Prozent zulegte. Vom aktuellen Niveau aus wären rund 25 Prozent bis zur 100.000er-Marke nötig – ambitioniert, aber laut langfristigen Kurszielszenarien nur eine Zwischenstation.

Bear Case: Zinsen und geopolitische Risiken bleiben die Bremsen

Chefanlagestratege Adrian Fritz von 21Shares knüpft seine Prognose an zwei Bedingungen: sinkende Zinsen und ein Ende des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Bei der zweiten Bedingung hat sich zuletzt etwas bewegt – die Einigung über die Straße von Hormus drückte den Ölpreis. Die erste Bedingung entfernt sich dagegen: Der Terminmarkt preist derzeit eher eine Zinserhöhung im September ein.

Auch die Charttechnik liefert Warnsignale, sollte der Anstieg ins Stocken geraten. Scheitert der Ausbruch über 82.814 US-Dollar, rücken die 200-Tage-Linie bei 69.275 US-Dollar und darunter das Juli-Tief bei 57.740 US-Dollar wieder in den Fokus. Fabian Dori von Sygnum ordnet den Anleihe-Rückkauf zudem nicht als Geldpolitik im engeren Sinn ein – das Signal zähle, aber der Mechanismus liege bei der Finanzbehörde, nicht bei der Notenbank.

Ausblick: 100.000 Dollar bleiben möglich, aber 82.814 Dollar entscheidet zuerst

Die Erholung hat sich als tragfähiger erwiesen als von vielen erwartet: Die 80.000er-Marke ist gefallen, die 200-Tage-Linie zurückerobert, die ETF-Zuflüsse laufen seit acht Handelstagen. Kurzfristig entscheidet sich an der 82.814er-Marke, ob aus der Gegenbewegung ein Trend wird.

Das 100.000-Dollar-Basisszenario von 21Shares bleibt bis Ende 2026 erreichbar, ist aber ohne sinkende Zinsen und eine Entspannung des USA-Iran-Konflikts nicht bestätigt. Solange der Terminmarkt eher eine Erhöhung als eine Senkung einpreist, bleibt die Wette auf höhere Kurse eine Wette gegen die aktuelle Zinserwartung.

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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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