Bitcoin bleibt kurzfristig ein Spielball von Liquidität, Leverage und Sentiment. Der langfristige Blick fällt jedoch deutlich nüchterner und zugleich ambitionierter aus. In einer aktuellen Analyse zu langfristigen Capital Market Assumptions legt VanEck dar, wie Bitcoin in institutionellen Portfolios eingeordnet werden könnte. Der Zeithorizont reicht bis 2050. Die zentrale Annahme: Bitcoin entwickelt sich von einem spekulativen Asset zu einem festen Baustein im globalen Finanzsystem. In Bitcoin investieren scheint ein elementarer Baustein der Finanzwelt zu werden.

M2 vs. Bitcoin

Bitcoin stieg fast immer mit der Geldmenge, Quelle: VanEck Resaearch auf https://www.vaneck.com/us/en/blogs/digital-assets/matthew-sigel-vaneck-bitcoin-long-term-capital-market-assumptions/

Im Basisszenario kalkuliert VanEck mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 15 Prozent. Daraus ergibt sich ein theoretischer Preis von rund 2,9 Millionen US-Dollar je Bitcoin bis 2050. Grundlage dafür sind zwei strukturelle Entwicklungen.

Zum einen soll Bitcoin künftig einen Teil des globalen Zahlungsverkehrs abwickeln. Zum anderen wird eine Rolle als Reserve-Asset jenseits staatlicher Währungen modelliert. Klassische Bewertungsmodelle wie KGV oder Cashflow greifen hier zu kurz, da Bitcoin keine Erträge generiert, sondern als monetäre Infrastruktur betrachtet wird.

Bewertung von Bitcoin

Im Zentrum der Bewertung stehen daher zwei Märkte. Erstens der Einsatz als Settlement-Ebene für internationalen Handel. VanEck geht davon aus, dass Bitcoin langfristig 5 bis 10 Prozent des globalen Handelsvolumens abwickeln könnte.

Zweitens werden Notenbankreserven betrachtet. In einem Umfeld steigender Staatsschulden und fiskalischer Spannungen hält VanEck eine Bitcoin-Quote von rund 2,5 Prozent in Zentralbankbilanzen für denkbar. Diese Kombination trägt den Großteil der langfristigen Wertannahmen.
Neben dem Basisszenario werden auch alternative Pfade skizziert. Im defensiven Fall liegt die angenommene Rendite bei nur 2 Prozent pro Jahr. Selbst dann würde der Bitcoin-Preis leicht über dem heutigen Niveau liegen.

Korrelation mit DXY Index, Quelle: VanEck Resaearch und Bloomberg auf https://www.vaneck.com/us/en/blogs/digital-assets/matthew-sigel-vaneck-bitcoin-long-term-capital-market-assumptions/

Im bullischen Extremfall, einer weitreichenden Monetarisierung mit hoher globaler Akzeptanz, ergibt sich ein rechnerischer Zielwert von über 50 Millionen US-Dollar pro Bitcoin. Dieses Szenario setzt voraus, dass Bitcoin mit Gold als globaler Wertspeicher gleichzieht oder diesen sogar überholt.

Für institutionelle Investoren ist jedoch weniger der Endpreis entscheidend als die Rolle im Portfolio. VanEck stuft Bitcoin als Asset mit stark asymmetrischem Renditeprofil ein. Hohe Volatilität trifft auf niedrige Korrelation zu klassischen Anlageklassen. Historisch zeigte sich eine geringe Abhängigkeit von Aktien, Anleihen und Gold. Besonders auffällig bleibt die inverse Beziehung zum US-Dollar-Index, auch wenn diese in den letzten Jahren schwächer geworden ist. Bitcoin reagiert zunehmend auf globale Liquidität statt auf einzelne Währungsbewegungen.

Schwankungen bei Bitcoin bleiben enorm

In den Modellannahmen wird mit einer jährlichen Volatilität von 40 bis 70 Prozent gerechnet. Das liegt auf dem Niveau von Frontier-Märkten oder frühen Technologieunternehmen. Trotz zuletzt rückläufiger Schwankungen bleibt dieser konservative Ansatz für langfristige Simulationen bestehen. Ein wesentlicher Treiber kurzfristiger Ausschläge ist weiterhin der Derivatemarkt. Ein Großteil der Kursbewegungen lässt sich durch Veränderungen im Open Interest von Futures erklären. Viele Volatilitätsspitzen entstehen durch mechanische Liquidationen und nicht durch fundamentale Neubewertungen.

Annualisierte durchschnittliche stündliche Renditen nach Handelszeiten, Quelle: VanEck Resaearch und Bloomberg auf https://www.vaneck.com/us/en/blogs/digital-assets/matthew-sigel-vaneck-bitcoin-long-term-capital-market-assumptions/

Für die strategische Asset-Zusammenstellung leitet VanEck daraus klare Größenordnungen ab. In breit diversifizierten Portfolios wird eine Bitcoin-Quote von 1 bis 3 Prozent als sinnvoll erachtet. In diesem Bereich habe sich historisch das beste Verhältnis von Rendite zu Risiko gezeigt. Investoren mit hoher Risikobereitschaft könnten auch höhere Gewichtungen nutzen. In Simulationen verbesserten selbst Anteile bis 20 Prozent zeitweise die risikoadjustierte Performance, allerdings bei deutlich stärkeren Schwankungen.

Klassische Portfolios könnten besonders profitieren

Besonders interessant ist der Blick auf klassische 60/40-Portfolios. Schon kleine Bitcoin-Beimischungen erhöhten langfristig die Gesamtrendite und verbesserten die Sharpe Ratio. Die hohe Eigenvolatilität des Assets schlug sich auf Portfolioebene deutlich schwächer nieder als oft vermutet. Entscheidend bleibt eine disziplinierte Positionsgröße.

Bitcoin Auswirkung auf klassische Portfolios

Umso Höher die Bitcoin Position, desto besser die Rentitemöglichkeiten, Quelle: VanEck Resaearch bzw. Morningstar auf https://www.vaneck.com/us/en/blogs/digital-assets/matthew-sigel-vaneck-bitcoin-long-term-capital-market-assumptions/

VanEck versteht Bitcoin in diesem Rahmen nicht als kurzfristigen Trade, sondern als Absicherung gegen strukturelle Risiken im globalen Finanzsystem. Steigende Schulden, expansive Geldpolitik und wachsende Zweifel an staatlichen Währungen bilden den Hintergrund dieser Annahmen. In diesem Kontext erscheint das Risiko einer vollständigen Nicht-Allokation für große Investoren zunehmend als eigener Kostenfaktor.

Inwieweit diese langfristigen Bitcoin Prognosen eintreten, bleibt offen. Klar wird jedoch, dass Bitcoin in institutionellen Modellen längst nicht mehr als Randerscheinung behandelt wird, sondern als eigenständige Anlageklasse mit klar definierten Parametern.

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Stefan Haas
Stefan Haas

Nach dem Maschinenbaustudium war Stefan mehrere Jahre als leitender Angestellter tätig, bevor er 2020 in die Selbstständigkeit wechselte. Erste Berührungspunkte mit Bitcoin hatte er bereits 2016 – damals noch im kurzfristigen Trading. Später baute und betrieb er ein eigenes Mining... Mehr lesen

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