Ethereum hat sich in den vergangenen sieben Tagen um rund 2 Prozent erholt und notiert damit weiterhin knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 2.000 US-Dollar. Von einer dynamischen Gegenbewegung kann bislang jedoch keine Rede sein. Der Kurs liegt noch immer mehr als 60 Prozent unter seinem Allzeithoch, sodass der übergeordnete Bärenmarkt intakt bleibt. Dennoch liefert eine On-Chain-Kennzahl nun Hoffnung: Beim sogenannten MVRV Momentum nähert sich Ethereum einem „Golden Cross“. In der Vergangenheit ging dieses Signal mehrfach größeren Kurserholungen voraus. Wiederholt sich nun die Geschichte?

Das Wichtigste im Überblick:

  • Ethereum notiert weiterhin mehr als 60 Prozent unter seinem Allzeithoch.
  • Das MVRV-Momentum nähert sich einem potenziell bullischen Golden Cross.
  • Frühere Kreuzungen gingen häufig größeren Erholungsbewegungen beim Ethereum-Kurs voraus.
  • Ethereums gebundener Gesamtwert übersteigt erstmals die vollständig verwässerte Marktkapitalisierung.

Ethereum vor Golden Cross: Beginnt eine neue Akkumulationsphase?

Das mögliche Golden Cross entsteht beim Verhältnis zwischen der MVRV Ratio von Ethereum und ihrem gleitenden Durchschnitt über 160 Tage. Die MVRV Ratio setzt die aktuelle Marktkapitalisierung ins Verhältnis zur sogenannten realisierten Marktkapitalisierung. Vereinfacht ausgedrückt zeigt die Kennzahl, ob die Gesamtheit der Ethereum-Anleger im Durchschnitt auf hohen Buchgewinnen sitzt oder ob große Teile des Marktes Verluste tragen.

Der 160-Tage-Durchschnitt dient dabei als mittelfristige Trendlinie. Steigt die tägliche MVRV Ratio von unten über diesen Durchschnitt, wird dies als bullisches Momentum-Signal interpretiert. Ein solcher Ausbruch kann darauf hindeuten, dass die Phase ausgeprägter Kapitulation endet. Die durchschnittliche Profitabilität der Anleger verbessert sich wieder, während Ethereum zunehmend von stärkeren Händen akkumuliert wird. In diesem Zusammenhang sprechen Analysten von einem Übergang aus einer Distributions- oder Kapitulationsphase in ein neues Akkumulationsregime.

Aktuell liegt die blaue MVRV-Linie noch knapp unter der roten 160-Tage-Linie. Der Abstand hat sich zuletzt jedoch deutlich verringert, sodass ein bullisches Crossover unmittelbar bevorstehen könnte. In den vergangenen drei Jahren gingen nachhaltige Überschreitungen dieses Durchschnitts mehrfach größeren Erholungsbewegungen beim Ethereum-Kurs voraus. Das Signal markierte dabei häufig nicht sofort den Beginn eines neuen Bullenmarktes, wohl aber eine Verbesserung der Marktstruktur.

Eine Garantie für steigende Kurse ist das Golden Cross dennoch nicht. Entscheidend wäre, dass die MVRV Ratio nicht nur kurzfristig über den Durchschnitt springt, sondern sich dort nachhaltig etabliert. Gelingt dies, könnte sich der Verkaufsdruck weiter abschwächen. Ethereum würde damit ein erstes strukturelles Signal liefern, dass sich die Bodenbildung fortsetzt und eine stärkere Erholungsphase vorbereitet wird.

Ethereum wirkt fundamental deutlich unterbewertet

Neben dem möglichen Golden Cross spricht auch die fundamentale Bewertung für eine zunehmende Unterbewertung von Ethereum. Nach Daten von Token Terminal liegt der vollständig verwässerte Marktwert von ETH derzeit bei rund 210 Milliarden US-Dollar. Demgegenüber beläuft sich der gesamte auf Ethereum gebundene Wert auf ungefähr 260 Milliarden US-Dollar. Damit übersteigt der wirtschaftliche Wert der Anwendungen und Vermögenswerte auf der Blockchain erstmals die Bewertung des nativen Assets selbst.

Das Total Value Locked umfasst unter anderem Kapital in DeFi-Protokollen, Stablecoins, tokenisierten Vermögenswerten und weiteren Smart-Contract-Anwendungen. Die Kennzahl zeigt somit, wie viel wirtschaftliche Aktivität auf Ethereum abgesichert wird. Dass dieser Wert nun oberhalb der vollständig verwässerten Marktkapitalisierung liegt, ist historisch außergewöhnlich. Selbst während des ausgeprägten Bärenmarktes im Jahr 2022 kam es laut der Analyse nicht zu einer vergleichbaren Konstellation.

Grundsätzlich sind zwei Interpretationen möglich: Entweder ist die Ethereum-Ökonomie gemessen an ihrer tatsächlichen Nachfrage zu groß geworden, oder ETH selbst wird vom Markt derzeit zu niedrig bewertet. Die zweite Variante erscheint zumindest plausibel, da Ethereum weiterhin als zentrale Abwicklungs- und Sicherheitsinfrastruktur für zahlreiche Anwendungen dient. ETH wird für Transaktionsgebühren, Staking und als Sicherheiten-Asset benötigt.

Allerdings ist das Verhältnis kein eindeutiger Bewertungsmaßstab. TVL kann durch Kreditmechanismen, mehrfach verwendete Sicherheiten und stark schwankende Tokenpreise verzerrt werden. Dennoch zeigt die Entwicklung eine auffällige Divergenz: Während der ETH-Kurs schwach bleibt, ist die auf Ethereum laufende Wirtschaft vergleichsweise groß. Sollte sich die Marktstimmung verbessern, könnte genau diese Diskrepanz erhebliches Aufholpotenzial eröffnen.


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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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