Es ist spät, die Märkte haben längst geschlossen, und doch sorgt eine Nachricht aus den USA noch einmal für Bewegung. Strategy hat wieder zugeschlagen. Während viele Konzerne aktuell auf Sparkurs sind, Investitionen verschieben oder schlicht abwarten, meldete Unternehmensgründer Michael Saylor in der vergangenen Nacht einen weiteren groß angelegten Bitcoin-Kauf. Kein symbolischer Zukauf, sondern ein Deal in Milliardenhöhe.

Milliarden fließen – ohne Rücksicht auf den Kalender

Nach Angaben des Unternehmens wurden innerhalb weniger Tage mehr als zwei Milliarden USD in Bitcoin investiert. Allein diese Zahl reicht aus, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Auffällig ist jedoch weniger der Betrag selbst, sondern das Muster dahinter. Strategy kauft nicht gelegentlich, nicht opportunistisch, sondern regelmäßig, fast schon mechanisch.

Zwischen dem 12. und 18. Januar erwarb das Unternehmen insgesamt 22.305 Bitcoin. Keine lange Vorankündigung, kein Abwarten auf günstigere Kurse, kein Versuch, den Markt zu timen. Der Kauf wurde umgesetzt, obwohl die Stimmung im Kryptomarkt zuletzt eher verhalten war.

709.715 Bitcoin – eine Zahl mit Gewicht auf den Märkten

Mit dem jüngsten Zukauf wächst der gesamte Bitcoin-Bestand von Strategy auf 709.715 BTC. Für den Aufbau dieser Position wurden bislang rund 53,9 Milliarden USD eingesetzt. Der durchschnittliche Einstandspreis über alle Käufe hinweg liegt bei 75.979 USD pro Bitcoin.

Unterm Strich steht das Unternehmen damit trotz aller Schwankungen weiterhin im Plus. Doch selbst diese Zahl ist fast nebensächlich. Entscheidend ist die Dimension. Strategy bewegt sich längst außerhalb dessen, was noch mit anderen börsennotierten Unternehmen verglichen werden kann.

Zwar gibt es weitere Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz, doch der Abstand ist enorm. Weder MARA Holdings noch Twenty One Capital kommen auch nur annähernd an diese Größenordnung heran. Strategy kontrolliert inzwischen mehr als drei Prozent des maximal verfügbaren Bitcoin-Angebots.

Was einst als Absicherung gegen Inflation begann, hat sich zu einem festen Kern der Unternehmensstrategie entwickelt. Bitcoin ist nicht mehr Beimischung, Bitcoin ist das Zentrum.

Vom Softwareanbieter zur Bitcoin-Wette

Ursprünglich war Strategy ein klassischer Softwarekonzern. Dieses Geschäft existiert weiterhin, doch in der öffentlichen Wahrnehmung tritt es klar in den Hintergrund. Für viele Anleger ist die Aktie heute vor allem eines, ein indirekter Zugang zum Bitcoin-Markt.

Gerade institutionelle Investoren nutzen diesen Weg gern. Keine Wallets, keine Verwahrung, keine regulatorischen Grauzonen, stattdessen eine börsennotierte Aktie mit maximaler Bitcoin-Exponierung.

Kaufen, obwohl der Markt schwächelt

Der Zeitpunkt des Kaufs ist nicht unumstritten. Bitcoin rutschte zuletzt von Kursen über 95.000 USD zeitweise unter 91.000 USD. Rein rechnerisch liegt der jüngste Zukauf damit aktuell rund fünf Prozent im Minus.

Michael Saylor misst dem wenig Bedeutung bei. Seit Jahren wiederholt er dieselbe Botschaft: Bitcoin sei kein kurzfristiges Handelsinstrument, sondern ein langfristiger Wertspeicher. Sein oft zitierter Satz, man kaufe Bitcoin „für hundert Jahre“, ist längst mehr als ein PR-Spruch. Er beschreibt die Logik hinter jeder einzelnen Transaktion.

Finanzierung nicht aus dem Tagesgeschäft

Auch dieser Kauf wurde nicht aus laufenden Einnahmen bezahlt. Strategy griff erneut auf den Kapitalmarkt zurück. Neue Stammaktien wurden ausgegeben, zusätzlich platzierte das Unternehmen sogenannte ewige Vorzugsaktien, darunter die Serie STRC.

Rund 2,1 Milliarden USD frisches Kapital kamen so zusammen und flossen nahezu vollständig in Bitcoin.

Kritiker warnen, Befürworter kontern

Das Vorgehen bleibt umstritten. Kritische Stimmen sehen eine wachsende Abhängigkeit von externem Kapital und warnen vor Risiken, falls der Bitcoin-Preis über längere Zeit deutlich nachgeben sollte. Der finanzielle Hebel steige, während die Abhängigkeit vom Markt zunehme.

Befürworter halten dagegen. Sie sehen in Strategy eine bewusst aufgebaute Struktur, in der Bitcoin die Rolle einer harten Reserve übernimmt, vergleichbar mit Gold in früheren Jahrzehnten. Kurzfristige Verluste seien einkalkuliert, langfristige Knappheit das eigentliche Ziel.

An der Börse fiel die Reaktion zuletzt verhalten aus. Zwar liegt die Strategy-Aktie im Jahresvergleich weiterhin rund 55 Prozent im Minus, doch auf Monatssicht konnte sie etwa fünf Prozent zulegen. Zuletzt bewegte sich der Kurs um 173 USD. Technisch orientierte Analysten sprechen von einer möglichen Stabilisierung. Unterstützungsbereiche werden vor allem zwischen 150 und 165 USD gesehen. Bitcoin reagierte prompt mit einem Rücksetzer. Strategy hingegen nutzte genau diese Phase für den nächsten Zukauf.

Einer der größten Deals der Unternehmensgeschichte

Historisch gesehen zählt der aktuelle Kauf zu den größten Transaktionen von Strategy. Größer waren lediglich der Kauf im Sommer 2025 im Volumen von rund 2,46 Milliarden USD sowie der Rekorddeal aus dem November 2024 über etwa 5,4 Milliarden USD, bei dem mehr als 55.000 Bitcoin erworben wurden.

Allein im Jahr 2025 kamen rund 188.000 Bitcoin hinzu. Dennoch bleibt 2024 das Jahr mit dem stärksten Netto-Zuwachs. Trotz aller Kritik bleibt das Interesse großer Investoren hoch. Fondsanbieter wie Vanguard oder VanEck haben ihre Engagements in Strategy zuletzt offengelegt oder weiter ausgebaut. Für viele institutionelle Anleger ist die Aktie ein pragmatischer Kompromiss zwischen Regulierung und Bitcoin-Exposure.

Hinzu kommt die langfristige Struktur der Verbindlichkeiten. Es gibt keine kurzfristigen Margin-Calls, keinen automatischen Verkaufsdruck bei fallenden Kursen. Zeit ist ein entscheidender Faktor – und den hat Strategy.

Eine Wette mit langem Horizont

Unterm Strich bleibt Strategy ein Sonderfall an den Finanzmärkten. Kaum ein anderes börsennotiertes Unternehmen setzt so kompromisslos auf ein einziges Narrativ: digitale Knappheit als Schutz vor Inflation, Schuldenbergen und schleichender Geldentwertung. Ob diese Wette aufgeht, wird sich nicht kurzfristig entscheiden. Klar ist jedoch, mit jedem weiteren Milliardenkauf macht Michael Saylor deutlich, dass Strategy an diesem Kurs festhält, ohne Wenn und Aber.

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Thomas Pentzek

Thomas Pentzek gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zu den deutschsprachigen Autoren, die sich tiefgehend mit Kryptowährungen, Blockchain-Technologien und digitalen Finanzsystemen auseinandersetzen. Dank seiner umfangreichen Erfahrung gelingt es ihm, selbst anspruchsvolle Inhalte so aufzubereiten, dass sie für Leser nachvollziehbar und... Mehr lesen

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