Strategy hat für das zweite Quartal einen operativen Verlust von rund 8,33 Milliarden Dollar gemeldet – und dennoch seinen Bitcoin-Bestand weiter ausgebaut, der inzwischen auf 843.775 BTC angewachsen ist. Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, sobald man versteht, wie das Unternehmen seine Krypto-Bestände heute bilanziert.
Das Wichtigste im Überblick:
- Strategy weist einen operativen Verlust von ca. 8,33 Mrd. USD aus – fast ausschließlich aus nicht realisierten Buchverlusten auf Bitcoin-Bestände.
- Der Verlust ist kein operativer Einbruch, sondern Folge der neuen Fair-Value-Bewertung digitaler Assets nach US-GAAP ab Januar 2025.
- Der BTC-Bestand ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund 11 % gewachsen – Strategy bleibt größter institutioneller Bitcoin-Halter weltweit.
- Die mNAV – das Verhältnis von Börsenwert zu Bitcoin-Reserven – liegt bei etwa 1,7 und ist ein entscheidender Stressindikator für das Geschäftsmodell.
Buchverlust, kein Betriebseinbruch
Der Verlust von 8,33 Milliarden Dollar resultiert nahezu vollständig aus einem nicht realisierten Bewertungsverlust auf digitale Assets – also aus der buchhalterischen Neubewertung der Bitcoin-Reserven nach dem gefallenen Kurs im Quartal, nicht aus dem operativen Geschäft. Seit dem 1. Januar 2025 bilanziert Strategy seine BTC-Bestände nach dem sogenannten Fair-Value-Prinzip: Steigt der Bitcoin-Kurs, erscheinen Bewertungsgewinne direkt in der Gewinn- und Verlustrechnung – fällt er, entsprechend Verluste. Im Vorjahresquartal hatte genau dieser Mechanismus noch einen operativen Gewinn von rund 14 Milliarden Dollar ausgewiesen.

Das klassische Software-Geschäft, das Strategy parallel betreibt, steuerte zuletzt rund 114,5 Millionen Dollar Umsatz bei – solide, aber im Vergleich zu den milliardenschweren BTC-Bilanzeffekten eine Randgröße. Die eigentliche Steuerungsgröße des Unternehmens ist längst nicht mehr der operative Gewinn, sondern die Bitcoin-Yield: das prozentuale Wachstum des BTC-Bestands je Aktie im Quartal.
Wie Strategy seinen BTC-Bestand finanziert
Das Geschäftsmodell ruht auf drei Säulen: Wandelanleihen mit niedrigen Zinsen, At-the-Market-Aktienplatzierungen bei hoher Börsenbewertung und der Reinvestition operativer Cashflows in Bitcoin. Solange Investoren bereit sind, eine Prämie auf den reinen BTC-Wert zu zahlen, kann das Unternehmen günstig Kapital aufnehmen und weiter akkumulieren. Diese Prämie wird durch die mNAV (Multiple Net Asset Value) gemessen – das Verhältnis von Börsenwert zu den Bitcoin-Reserven. Aktuell liegt die mNAV bei rund 1,7, der historische Schnitt bei etwa 2,0.
Fällt die mNAV auf 1 oder darunter, verliert das Unternehmen seinen zentralen Finanzierungsvorteil. Investoren würden Strategy dann nur noch als reines Bitcoin-Depot wahrnehmen – ohne Wachstumsprämie. Wie eng Finanzierungsstrategie und BTC-Exposure verknüpft sind, zeigt auch die aktuelle Liquiditätsposition: Laut verfügbaren Unternehmensangaben hält Strategy lediglich rund 50 Millionen Dollar an liquiden Mitteln, ist also fast vollständig auf den Kapitalmarkt angewiesen. Mehr zur Frage, wie das Unternehmen seine Cash-Reserve zuletzt angepasst hat, erklärt dieser Hintergrundartikel zur Strategy-Liquiditätsstrategie.
Was Anleger jetzt beobachten sollten
Im zweiten Quartal 2025 kauften börsennotierte Unternehmen laut Bitwise-Daten insgesamt 159.107 BTC – ein Rekord, der die Gesamtbestände aller erfassten Firmen auf 847.000 BTC hob, rund vier Prozent des weltweiten Angebots. Strategy dominiert dieses Feld mit großem Abstand, aber 46 neue börsennotierte Unternehmen sind allein im zweiten Quartal 2025 als BTC-Halter hinzugekommen. Darunter auch GameStop mit 4.710 BTC und Metaplanet aus Tokio mit 13.350 BTC.

Für DACH-Anleger, die Strategy-Aktien halten, sind zwei Kennzahlen entscheidend: die Entwicklung der mNAV und ob das Unternehmen seinen BTC-Bestand je Aktie weiter steigern kann. Solange beides funktioniert, bleibt das Modell stabil – bricht die Vertrauensprämie weg, droht eine Abwärtsspirale aus sinkender Bewertung, erschwerter Finanzierung und möglichen Zwangsverkäufen. Wie realistisch dieses Szenario ist und welche Rolle mögliche Aktienrückkäufe dabei spielen, analysiert diese Einschätzung zu Strategys Rückkaufprogramm. Die übergeordnete Bitcoin-Strategie von Michael Saylor erklärt dieser Hintergrundtext zu seiner Argumentation für institutionelle BTC-Adoption.
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