Strategy-Gründer Michael Saylor hat am 27. Juli öffentlich bestätigt, dass das Unternehmen künftig auch Bitcoin-Verkäufe zur Finanzierung von Rückkäufen seiner Vorzugsaktien einsetzen kann – ein weiteres Signal, dass das frühere „Never Sell“-Credo dem nüchternen Kapitalmanagement gewichen ist.
Das Wichtigste im Überblick:
- Saylor bestätigte am 27. Juli per X-Post, dass STRC-Rückkäufe künftig über Bitcoin- oder MSTR-Aktienverkäufe finanziert werden können.
- In der Woche bis zum 26. Juli kaufte Strategy 288.930 STRC-Anteile für rund 25 Millionen Dollar zurück – im Schnitt zu 86,52 Dollar, also 13,48 Dollar unter dem Nennwert.
- Für weitere Rückkäufe stehen noch 975 Millionen Dollar aus der bestehenden Autorisierung bereit.
- Das Unternehmen plant, die Rückkaufintensität am Marktpreis auszurichten: mehr Käufe bei tieferem Abschlag, weniger wenn der Kurs sich dem Nennwert von 100 Dollar nähert.
Was Saylor am 27. Juli angekündigt hat
In einem X-Post erklärte Saylor, Executive Chairman von Strategy Inc. (Nasdaq: MSTR), dass das Unternehmen STRC-Rückkäufe je nach Marktlage entweder über den Verkauf von MSTR-Aktien oder über den Verkauf von Bitcoin finanzieren wird. STRC ist Strategys variabel verzinste Perpetual-Preferred-Aktie mit einem Nennwert von 100 Dollar – der Dividendensatz wird monatlich neu bewertet, aktuell liegt er bei 12 Prozent annualisiert.
Der Mechanismus ist ökonomisch direkt: Handelt STRC deutlich unter 100 Dollar, kann Strategy Vorzugsaktien günstig zurückkaufen und damit künftige Dividendenzahlungen dauerhaft senken. Bitcoin-Verkäufe werden dann attraktiv, wenn der entstehende Kapitalvorteil die Opportunitätskosten übersteigt. Das Unternehmen plant außerdem, unterhalb von 100 Dollar keine neuen STRC-Anteile auszugeben.
Rückkäufe nach Discounttiefe – wie das Modell funktioniert
In der Woche bis zum 26. Juli erwarb Strategy 288.930 STRC-Anteile für rund 25 Millionen Dollar zu einem Durchschnittspreis von 86,52 Dollar. Das entspricht einem Abschlag von 13,48 Dollar je Anteil gegenüber dem Nennwert – noch ohne die eingesparten künftigen Dividendenzahlungen einzurechnen.
Strategy-CEO Phong Le beschrieb die zugrundeliegende Logik: Rückkäufe unterhalb von 100 Dollar seien eine attraktive Kapitalverwendung, weil das Unternehmen künftige Dividendenverpflichtungen mit Abschlag ablösen könne. Die Rückkaufintensität soll dabei dynamisch skaliert werden – aggressiver bei tiefem Abschlag, zurückhaltender wenn STRC seinen Nennwert annähert. Für weitere Transaktionen stehen noch 975 Millionen Dollar aus der bestehenden Rückkaufautorisierung bereit.
Saylors erklärtes Ziel ist ein stabiler STRC-Handel nahe 100 Dollar, kombiniert mit hoher Liquidität, geringer Volatilität und organischer unabhängiger Nachfrage. Das klingt nach klassischem Treasury-Management – und markiert einen deutlichen Unterschied zur früheren Kommunikation, die Bitcoin als unantastbare Kernposition darstellte.

Strategischer Kurswechsel mit institutioneller Relevanz
Der Schritt ist kein Einzelereignis. Strategy hat seinen Umgang mit dem Bitcoin-Bestand 2026 schrittweise neu kalibriert. Bereits frühere Bitcoin-Verkäufe wurden als Teil eines neuen „Digital Credit Capital Framework“ kommuniziert – ein Rahmen, der Bitcoin ausdrücklich als Bilanzaktiv behandelt, das selektiv eingesetzt werden kann, um Reserven zu stützen, Kapitalstrukturziele zu erreichen oder Dividenden abzusichern.
Parallel dazu hat Strategy seine Liquiditätsplanung breiter aufgestellt: Die USD-Reserve wurde zuletzt auf drei Milliarden Dollar erhöht, um Dividendenzahlungen unabhängig von Marktbedingungen bedienen zu können. Die aktuelle Meldung ergänzt diesen Rahmen: Wo die Cash-Reserve nicht ausreicht oder Bitcoin-Verkäufe günstiger sind als Aktienemissionen, fließt Bitcoin in die Kapitalallokation.

Für institutionelle Anleger, die Strategy als reinen Bitcoin-Proxy betrachten, ist das ein relevantes Signal. Das Unternehmen bleibt nach eigener Aussage ein netto-akkumulierender Bitcoin-Halter – aber die Flexibilität, BTC unter bestimmten Bedingungen zu veräußern, ist nun offiziell Teil der Strategie. Strategy positioniert sich gleichzeitig stärker im institutionellen Bitcoin-Ökosystem, etwa durch das Bitcoin Security Consortium gemeinsam mit BlackRock und Coinbase – ein Kontext, der zeigt, dass es dem Unternehmen um langfristige Marktstruktur geht, nicht um kurzfristige Liquidierung.
Was Anleger jetzt beobachten sollten
Die entscheidende Variable ist der STRC-Marktpreis. Bleibt er deutlich unter 100 Dollar, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Strategy tatsächlich Bitcoin verkauft, um Rückkäufe zu finanzieren. Nähert sich STRC dem Nennwert, sinkt dieser Druck entsprechend.
- STRC-Kurs: Ein anhaltend tiefer Abschlag erhöht den Anreiz für Bitcoin-Verkäufe; ein Anstieg Richtung 100 Dollar reduziert ihn.
- Nächstes Quartalsergebnis: Investoren sollten auf Angaben zu Reserveniveau, Dividendendeckung und genutzten Finanzierungsquellen achten.
- Bitcoin-Bilanz: Jede offizielle Meldung über veränderte BTC-Bestände gibt Aufschluss darüber, ob das Unternehmen tatsächlich auf Verkäufe zurückgreift oder bislang MSTR-Aktien bevorzugt.
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