Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat am 1. Dezember 2025 ein umfassendes Gesetz zur Umsetzung der EU-MiCA-Verordnung in Polen per Veto blockiert, da es seiner Ansicht nach bürgerliche Freiheiten, Eigentumsrechte und den Krypto-Sektor durch übermäßige Regulierungen bedroht.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat ein 100-seitiges Gesetz zur MiCA-Umsetzung vetoed, um übermäßige Befugnisse der Finanzaufsicht KNF zu verhindern, die Plattformen sperren und hohe Strafen verhängen könnten.
  • Nawrocki argumentiert, das Gesetz verletze den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz und drohe mit „bürokratischer Überwachung“, die drei Millionen Krypto-Nutzer und Tech-Startups in Polen gefährde.
  • Das Veto sendet das Gesetz zurück ans Unterhaus (Sejm), wo eine Dreifünftelmehrheit (ca. 276 Stimmen) nötig ist, um es zu überstimmen – unwahrscheinlich bei der aktuellen Koalition mit nur 53 % der Sitze.
  • MiCA tritt EU-weit am 1. Juli 2026 in Kraft und schützt Investoren vor Risiken; Nachbarländer wie Tschechien und Ungarn haben bereits schlankere Umsetzungen verabschiedet.
  • Ohne neues Gesetz droht ein Regulierungsvakuum in Polen, das Firmen zum Umzug ins Ausland zwingen und Innovation sowie Steuereinnahmen kosten könnte.

Polnischer Präsident macht vom Veto-Recht Gebrauch

Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat ein Veto gegen ein umstrittenes Gesetzesvorhaben zur Regulierung des Krypto-Asset-Markts ausgesprochen. Das geht aus einem öffentlichen Statement seiner Kanzlei auf X hervor.

 Das Gesetz, das die Umsetzung der EU-weiten Markets in Crypto-Assets (MiCA)-Verordnung in Polen regeln sollte, stellt für Nawrocki eine Bedrohung für die Freiheiten der Bürger ein. Er nannte dabei vor allem den Eigentumsschutz und die wirtschaftliche Stabilität des Landes. Viele polnische Kleinanleger kaufen Bitcoin mit der Erwartung, sich vor Inflation schützen und Gewinne generieren zu können. Durch das neue Gesetz könnte dieser Prozess deutlich bürokratischer und stärker besteuert werden.

Durch das  Veto des Präsidenten geht das Gesetz nun an das polnische Unterhaus. Hier ist jedoch eine Dreifünftelmehrheit nötig, um das Veto zu überstimmen. Jedoch erscheint es in der aktuellen politischen Konstellation unwahrscheinlich, dass sich eine solche Mehrheit bilden kann. Die Regierungskoalition besteht aus lediglich 53% der Stimmen und wird die Opposition wahrscheinlich nicht auf ihre Seite holen können. Historisch gelang eine Überstimmung eines solchen Vetos seit 1997 nur äußerst selten.

Geplante Umsetzung von MiCA in Polen

Die EU-Verordnung MiCA, die ab dem 1. Juli 2026 vollständig in Kraft tritt, zielt darauf ab, Investoren vor Betrug und Marktrisiken zu schützen, indem sie einheitliche Regeln für Kryptowährungen schafft. Länder wie Tschechien, Slowakei und Ungarn haben bereits schlanke Umsetzungsgesetze verabschiedet.

Polen hingegen hatte im September 2025 ein Mammutgesetz von über 100 Seiten vorgelegt, das das Parlament bereits am 7. November gebilligt hat. Das „Krypto-Asset Markt Gesetz“ sah vor, die Polnische Finanzaufsichtsbehörde (KNF) mit weitreichenden Befugnissen auszustatten. Diese reichten von der Sperrung von Plattformen und Websites bis hin zu hohen Bußgeldern in Millionenhöhe.

Nawrocki will Macht der Finanzaufsicht begrenzen und polnischen Krypto-Sektor schützen

Karol Nawrocki begründet sein Veto gegen das MiCA-Umsetzungsgesetz mit dem Schutz grundlegender Freiheiten und Eigentumsrechte der Polen. Für ihn verstößt das über 100-seitige Gesetz gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Es hätte der KNF nahezu unbegrenzte Macht gegeben, Plattformen zu sperren und Millionenstrafen zu verhängen und zwar ohne ausreichende richterliche Kontrolle. Das Gesetz hätte dabei auch selbst-verwahrende Krypto-Wallets indirekt treffen können, weil Börsen gezwungen worden wären, Daten weiterzugeben.

Über drei Millionen Bürger in Polen investieren in Kryptowährungen. Nawrocki will diese und vor allem junge Tech-Unternehmen schützen, denen durch MiCA eine Überregulation drohen könnte. Als Verfechter individueller Freiheit warnt er vor „bürokratischer Überwachung“ und „Steuerflucht durch Überregulierung“. Er will stattdessen ein schlankes Gesetz, das EU-MiCA respektiert, aber polnische Unternehmer nicht erdrückt.

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Michael Sprick
Krypto Journalist

Michael Sprick ist ein freiberuflicher Journalist und Content Writer mit Schwerpunkt Blockchain und Web3 und wohnt in Barcelona. In der Vergangenheit hat er u.a. für btc-echo.de und für die BSV Blockchain Association gearbeitet. Mehr lesen

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