Der Kryptomarkt zeigt in dieser Woche erste Anzeichen einer Stabilisierung, nachdem der kräftige Rebound vom Wochenende überraschend ohne größere Gewinnmitnahmen bestätigt wurde. Aktuell notiert Bitcoin um die Marke von 87.500 US-Dollar, trotz eines Wochenverlusts von rund sechs Prozent. Der November bleibt dennoch ein ungewöhnlich schwacher Monat, geprägt von fast 25 Prozent Rückgang nach einem historisch starken Oktober, der die übliche Saisonalität in diesem Jahr jedoch ebenfalls deutlich verfehlt hat.

Trotz dieser Belastung sehen Analysten nun erste strukturelle Hinweise, dass sich für den Dezember ein positiveres Setup herausbilden könnte. Folgt auf einen roten Oktober und November nun also ein grüner Dezember?

Das Wichtigste im Überblick:

  • Wintermute erkennt strukturelle Verbesserungen, nachdem makrobedingte Abgaben den Markt belasteten.
  • Negative Finanzierungen und schrumpfende Hebelwirkung reduzieren systemische Risiken im Kryptomarkt.
  • On-Chain-Daten zeigen extreme Bitcoin-Bewegungen, historisch oft Vorläufer signifikanter Trendwechsel.
  • Der Puell Multiple signalisiert erneut eine günstige Bewertung, typisch für zyklische Wendepunkte.
  • Schwache Arbeitsmarktdaten verschieben Zinserwartungen deutlich in Richtung einer bevorstehenden Lockerung.
  • Steigende Chancen auf eine Zinssenkung verbessern das makroökonomische Umfeld.

Krypto-Märkte vor Dezember-Rallye? Wintermute wird optimistischer

Wintermute ist einer der weltweit bekanntesten Market Maker im Kryptomarkt. Dieser sieht nach einer intensiven Phase makrobedingter Abgaben erste strukturelle Signale, die eine Stabilisierung zum Jahresende möglich machen. Die Analyse beschreibt ein Marktumfeld, das zunächst von einem abrupten Bruch der AI-Rallye geprägt war: Als das Momentum im Technologiesektor kollabierte, setzte eine breit angelegte Risikoaversion ein, die Krypto drei Wochen in Folge zum schwächsten großen Asset-Segment machte.

btc

Verstärkt wurde der Abverkauf durch schwächere Arbeitsmarktdaten, sinkende Erwartungen an kurzfristige Zinssenkungen sowie deutlichen Stress in Japan, wo steigende Renditen und ein fallender Yen Fragen zur Belastbarkeit der dortigen Kapitalmärkte aufwerfen.

Diese makroökonomische Schieflage traf auf dünne Liquidität rund um Thanksgiving und drückte die Gesamtkapitalisierung erneut unter die Marke von drei Billionen US-Dollar. Auffällig ist allerdings, dass trotz des Drucks die Spot-Liquidität erstaunlich stabil blieb. Genau hier setzt Wintermute an: Die internen Marktmechaniken schreiben inzwischen eine deutlich gesündere Lage als noch vor wenigen Wochen. Die Finanzierer notieren durchgehend negativ und offenbaren, dass gehebelte Long-Positionen vollständig abgebaut wurden. Die Perpetual-Open-Interest-Struktur ist seit Oktober massiv geschrumpft, was den Markt weniger anfällig für weitere Zwangsliquidationen macht.

Gleichzeitig verläuft der Drawdown nicht mehr gleichmäßig: Während die größten Kryptowährungen wie ein einziger makrogetriebener Block handeln und am stärksten verlieren, zeigen Assets im Bereich 50–100 erstmals wieder leichte Entkopplung und reagieren auf eigene Katalysatoren. Diese Entwicklung, ergänzt durch anziehende BTC-Volatilität und stabile Spot-Zuflüsse, interpretiert Wintermute als Indiz für eine weitgehend abgeschlossene Bereinigung.

Der Tenor: Die makroökonomischen Risiken bleiben hoch, doch strukturell ist der Kryptomarkt bereit für eine Phase der Konsolidierung.

Das Fazit lautet damit wie folgt:

„Wenn die Hebelwirkung so gering ist und der Spotmarkt den Fluss trägt, verlaufen Erholungen in der Regel weitaus geordneter als die mechanisch bedingten Engpässe zu Beginn des Jahres. Negative Finanzierungen und Netto-Short-Positionen senken ebenfalls das Risiko weiterer erzwungener Abwicklungen und geben dem Markt mehr Spielraum, wenn sich die Makroökonomie stabilisiert. Die nächsten paar Handelstage dürften den Ton für den letzten Monat des Jahres angeben.“

Bitcoin Analyse: On-Chain-Signale indizieren Bodenbildung

Derweil machen auch neue On-Chain-Daten Hoffnung. Die jüngste Analyse von Joe Burnett zeigt, dass mehr als acht Prozent aller Bitcoin innerhalb von nur sieben Tagen bewegt wurden. Dies ist ein außergewöhnliches On-Chain-Ereignis, das historisch nur zweimal in ähnlicher Größenordnung auftrat: im März 2020 sowie im Dezember 2018, jeweils in der Endphase ausgeprägter Korrekturen.

Dass ein vergleichbares Muster nun erneut auftritt, interpretieren einige Analysten als potenziellen Hinweis darauf, dass der aktuelle Abverkauf reif für eine Bodenbildung sein könnte.

Die neue CryptoQuant-Analyse rückt derweil den Puell Multiple in den Fokus. Dabei handelt es sich um einen Indikator, der das Verhältnis zwischen den täglichen Miner-Einnahmen und deren Jahresdurchschnitt misst. Sobald dieser Wert unter 1 fällt, geraten Miner finanziell unter Druck. Dies ist ein Zustand, der häufig mit Kapitulation einhergeht. Genau dieser Bereich wurde nun erneut erreicht und signalisiert laut Analysten eine Marktphase, in der Bitcoin historisch oft unter seinem fairen Wert gehandelt wurde. Die letzten vergleichbaren Zonen, zuletzt im März 2025 nahe 75.000 US-Dollar, markierten jeweils Startpunkte größerer Trendumkehrungen. Zwar ist kein sofortiger Boden garantiert, doch statistisch fielen zentrale Wendepunkte im aktuellen Zyklus stets in diese Marktphasen.

Bitcoin Ausblick: Makrodaten dominieren weiter

Der Bitcoin-Markt bleibt stark von makroökonomischen Faktoren geprägt. Genau in diesem Umfeld kam es heute zu einer deutlichen Verschiebung der Zinserwartungen. Auslöser war der neue ADP-Report. Dieser zeigt, dass sich die Jobverluste im privaten Sektor in den vergangenen vier Wochen deutlich beschleunigt haben. Private Unternehmen verloren demnach im Schnitt rund 13.500 Stellen pro Woche. Dies ist ein klarer Hinweis auf einen überraschend schwachen Arbeitsmarkt und zunehmenden Druck auf die US-Wirtschaft. Diese Dynamik könnte die Federal Reserve zwingen, schneller zu reagieren, als noch vor wenigen Tagen erwartet.

Entsprechend haben sich die Erwartungen für das FOMC-Treffen am 10. Dezember drastisch verändert.

Der Markt preist inzwischen mit nahezu 85 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Senkung um 25 Basispunkte ein, während lediglich 15 Prozent von einer Zinspause ausgehen. Noch vor einer Woche lag die Verteilung bei rund 50/50, kurzzeitig sogar mit Vorteil für eine Pause. Die nun eingepreiste Lockerung signalisiert, dass Investoren davon ausgehen, dass die Fed angesichts wachsender Arbeitsmarktschwäche und rückläufiger Dynamik in der Realwirtschaft nicht länger abwarten kann.

fed zinsen

Für Bitcoin entsteht damit ein Umfeld, in dem makroökonomische Risiken zwar hoch bleiben, die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Stützung aber spürbar gestiegen ist. Auch dies ist ein Faktor, der eine Dezember-Rallye unterstützen könnte.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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