In diesem Beitrag
- E-Mails enthüllen Verbindung zu Bitcoin Core
- Der Kontext: Epsteins Netzwerke und die Geburt des Digital Currency Initiative
- Digital Currency Initiative
- Wer ist der dritte Entwickler?
- Wohltätige Spende als Deckmantel für fremde Interessen
- Zeitpunkt der Epstein-Einmischung ist sehr fragwürdig
- Revisiting “Hijacking Bitcoin”
- Epstein sollte Bitcoin Core kapern
Neu freigegebene E-Mails aus dem Nachlass von Jeffrey Epstein offenbaren, dass er maßgeblich die Finanzierung des MIT Digital Currency Initiative (DCI) unterstützte, das in den 2010er-Jahren Bitcoin-Core-Entwickler bezahlte und damit die frühe Entwicklung der Kryptowährung beeinflusste.
Das Wichtigste im Überblick:
E-Mails enthüllen Verbindung zu Bitcoin Core
Die vergangene Woche freigegebenen E-Mails aus dem Nachlass des verstorbenen Jeffrey Epstein zeigen, dass der berüchtigte Finanzier, pädophile Sexualstraftäter und Menschenhändler maßgeblich an der Finanzierung der frühen Entwicklung von Bitcoin Core beteiligt war.
https://twitter.com/Ascenisonism/status/1989437654572634506
Bitcoin Core, die zentrale Open-Source-Software, die das Bitcoin-Netzwerk antreibt, profitiert bis heute von diesen frühen Investitionen. Die Dokumente, die diese Woche vom US-Repräsentantenhaus-Ausschuss für Aufsicht und Verantwortlichkeit (House Oversight Committee) veröffentlicht wurden, werfen ein neues, düsteres Licht auf die Ursprünge von Bitcoin, die als Symbol für Dezentralisierung und Freiheit gilt.
Der Kontext: Epsteins Netzwerke und die Geburt des Digital Currency Initiative
Jeffrey Epstein, der 2019 in Haft unter fragwürdigen Bedingungen verstarb und angeblich Selbstmord begangen haben soll, war bekannt für seine Verbindungen zu Eliten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Trotz seiner Verurteilung wegen Sexhandels im Jahr 2008 pflegte er enge Beziehungen zu renommierten Institutionen wie dem Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Die E-Mails beziehen sich auf Korrespondenzen zwischen Epstein und Joichi Ito, dem damaligen Direktor des MIT Media Lab, der 2019 zurücktreten musste, nachdem Enthüllungen über Epsteins Spenden ans Licht kamen.
Digital Currency Initiative
Im Jahr 2015, zu einer Zeit, als die Bitcoin-Community mit Finanzierungsproblemen kämpfte. Die Bitcoin Foundation hatte ihre Unterstützung für Core-Entwickler eingestellt. Als Antwort gründete das akademisch MIT Media Lab die Digital Currency Initiative (DCI). Das DCI zielte darauf ab, „stabile und nachhaltige Finanzierung für langfristige Bitcoin-Core-Entwickler“ zu bieten.
Laut den E-Mails half Epstein dabei, mindestens 750.000 US-Dollar an „Gift Funds“ (Spendengelder) zu vermitteln, die direkt in das DCI flossen. Diese Mittel ermöglichten es dem MIT, Schlüsselentwickler wie Wladimir van der Laan (ehemaliger Lead-Maintainer von Bitcoin Core) und Cory Fields anzuwerben und Gehälter zu zahlen. In einer E-Mail vom 25. April 2015 schrieb Ito euphorisch an Epstein: „Drei große Entwickler, darunter Wladimir und Cory, haben zugestimmt, dem MIT beizutreten.“
Wer ist der dritte Entwickler?
Über die Identität des dritten Entwicklers wird derzeit gerätselt. In der Korrespondenz fällt auch der Name von Gavin Andresen. Satoshi Nakamoto selbst hatte Andresen die Kontrolle über das Bitcoin Repository und die Alert Keys gegeben. Bereits im Frühjahr 2015, noch vor der offiziellen Gründung des Digital Currency Initiative, schrieb Joichi Ito an Epstein, dass man versuche, „Gavin mit ins Boot zu holen“, und bat um weitere finanzielle Unterstützung, weil Andresen ein sechsstelliges Jahresgehalt verlange.
Andresen bleibt jedoch von diesem Skandal unberührt, da Andresen letztendlich nicht zum MIT wechselte und unabhängig blieb. Jedoch geriet er später in der Bitcoin Community in Ungnade, da er Craig Wright Glauben schenkte, als dieser öffentlich behauptete, Satoshi Nakamoto zu sein. Andresen schied damit aus der Entwicklung von Bitcoin Core aus. In der Folge traten entscheidende Debatten und Veränderungen auf, die Bitcoin für immer prägten. Im Nachhinein sollte nun infrage gestellt werden, inwiefern fremde, manipulative Interessen die Entwicklung von Bitcoin getrieben haben.
Wohltätige Spende als Deckmantel für fremde Interessen
Ito dankte Epstein explizit für die „Gift Funds“, die den schnellen Start des DCI ermöglichten. Weitere Spenden kamen von Epsteins Bekannten, darunter der Milliardär Leon Black, der anonym über Epstein kanalisierte Beiträge leistete. Insgesamt sollen so bis zu 7,5 Millionen Dollar an das Media Lab geflossen sein. In weiteren E-Mails bedankte sich Ito und Epstein versprach, weitere Gelder zukommen zu lassen. Ein kleines Detail ist hierbei, dass er dieses Geld in Kleinbuchstaben “black money”, also schwarzes Geld statt “Black money” oder “Black’s money” nannte.
Für heutige Leser ist eindeutig, dass Epstein hier keine wohltätige Finanzierung unternimmt. Stattdessen agierte er vermutlich im Interesse dritter Parteien, die Bitcoin maßgeblich beeinflussen wollten. Die Spende hat jedoch genau diesen wohltätigen Deckmantel und wie bei vielen Angelegenheiten, in denen Epstein verwickelt war, bleibt die Öffentlichkeit über die Machenschaften anonymer Eliten im Dunkeln.
Die Bitcoin Core Entwickler van der Laan und Fields geraten dabei nun in den Fokus der Spekulationen und Verschwörungstheorien. Bislang äußerte sich nur van der Laan gegenüber The Rage zu den neuen Enthüllungen. Er gibt dabei an, dass die Finanzierung nicht sehr transparent war und ihm die Verbindung zu Epstein nicht bewusst war. Es ist glaubwürdig, dass einige Akteure bei Bitcoin Core gutgläubig und naiv handelten. Dennoch sollte die neue Enthüllung dazu führen, die Geschichte von Bitcoin zu hinterfragen und die Sachlage neu zu bewerten.
Zeitpunkt der Epstein-Einmischung ist sehr fragwürdig
Der Zeitraum der E-Mails, im Jahr 2015, ist ein sehr entscheidender für die Entwicklung von Bitcoin gewesen. Die Blocksize-Wars waren bereits im vollen Gange und Bitcoin geriet immer mehr in den Fokus des Mainstreams und der Medien. Roger Ver, der zu dieser Zeit noch als “Bitcoin Jesus” bekannt war, hat die Zeit in seinem Buch “Hijacking Bitcoin” festgehalten.
Er beschreibt, dass noch ein paar Jahre zuvor, als Krypto als Geheimtipp galt, die Mehrheitsverhältnisse zu der Frage, wie Bitcoin skalieren soll, eindeutig waren. Und zwar sollte Bitcoin über die Erhöhung der Block-Size skalieren. Small Blocker waren damals in der Minderheit. Ver demonstriert dies in seinem Buch anhand eines frühen Peter Todd Videos, das 2013 erschien „Why the blocksize limit keeps Bitcoin free and decentralized“. Die Bewertung war dabei in der frühen Bitcoin Community einheitlich: es handelt sich um professionell finanzierte Propaganda. Ver führt dabei sogar an, dass selbst der heutige Bitcoin Maximalisten und Small Blocker Gregory Maxwell diese Ansicht teilte.
Nach 2015 erfolgen viele Änderungen am Bitcoin-Protokoll. SegWit, Lightning Network und die Beibehaltung des Block-Size-Limits sind dabei wichtige Kernpunkte.
Revisiting “Hijacking Bitcoin”
Ver zeichnet in seinem Buch nach, wie in diesen Jahren sehr viel Kapital in die Entwicklung von Bitcoin fließt. Fragwürdige, zwielichtige Figuren treten in diesen Jahren auf. Ihr Hintergrund und ihre Verbindung zu Bitcoin ist unklar, aber sie üben mit Kapital Einfluss aus. Er nennt dabei konkret einen John Dillon, der wie Jeffrey Epstein Bitcoin Core Entwickler finanzierte. Ver gibt weiter an, dass Gavin Andresen begann die Rolle von Dillon infrage zu stellen. Er vermutete, dass es sich bei John Dillon, um einen “sophisticated troll” (sehr raffinierter Troll) handelt. Gavin vermutete, dass er das Motiv hatte, Bitcoin zu zerstören. Ein „sehr raffinierter Troll“ ist dabei ein offensichtlicher Euphemismus. Andresen dürfte bewusst gewesen sein, dass es sich um einen Agenten handelte. Nicht zuletzt, da ihn selbst die CIA vorgeladen hatte, um über Bitcoin zu sprechen.
Ver zeichnet nach, wie die Zerstörung von Bitcoin mit der Gründung von Blockstream weiter geht. Es fließen durch die Digital Currency Group noch unvergleichlich höhere Summen als von Epstein in die Entwicklung von Bitcoin. Die Group ist dabei auch massiv an der Meinungsmache des Krypto-Mainstreams beteiligt. Ihr gehören große Medien der Kryptobranche wie CoinDesk, die die öffentliche Meinung prägen. Dabei hat diese Group eine auffällige namentliche Nähe zur Epstein-finanzierten Digital Currency Initiative. Zu ihren frühen Investoren zählen viele Giganten aus der Finanzbranche wie z.B. Mastercard. Es wirft automatisch die Frage auf, warum sie die Skalierung von Bitcoin beeinflussen wollen.
Epstein sollte Bitcoin Core kapern
Epstein iterierte später Standpunkte der Bitcoin Maximalisten. 2019 kam coinspice.io daher zum Urteil, dass er als 2017 als “an Bitcoin interessierter Milliardär”, der lediglich Bitcoin kaufen wollte, nicht aus der Masse der Bitcoin Maximalisten herausstach und lediglich Standpunkte des Bitcoin-Mainstreams wiederholte.
Mit den nun neu herausgekommenen Enthüllungen sollte jedoch klar geworden sein, dass Epstein nicht nur ein “Interesse” an Bitcoin hatte, sondern dass er und weitere Kräfte aktiv die Entwicklung von Bitcoin beeinflussten. Dass Epstein dabei ein Bitcoin-Maximalist war, ist ein starkes Indiz dafür, dass ihm dies gelungen ist. Bitcoin in der heutigen Implementierung von BTC dürfte wahrscheinlich eine manipulierte und sabotierte Bitcoin Alternative sein. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass diese nicht im Sinne von Satoshi Nakamotos Erfindung als “peer-to-peer electronic cash system” sind.
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