Bitcoin hat in der vergangenen Woche weitere deutliche Verluste hinnehmen müssen. Innerhalb von sieben Tagen sank der Kurs um rund 12,5 Prozent, auf Sicht der letzten drei Monate summiert sich das Minus bereits auf knapp 30 Prozent. Vom Allzeithoch beträgt der aktuelle Abschlag inzwischen ebenfalls mehr als 30 Prozent, womit Bitcoin nach gängiger Definition formell einen neuen Bärenmarkt erreicht hat.
Das Wichtigste im Überblick:
- Bitcoin korrigiert über 30 Prozent und bestätigt damit einen formellen Bärenmarkt.
- Eine Fed-Zinssenkung wird wieder wahrscheinlicher, stützt jedoch nur kurzfristig.
- Gegenbewegungen bröckeln regelmäßig weg, Verkaufsdruck dominiert weiterhin das Marktgeschehen.
- Ki Young Ju erwartet erst 2026 nachhaltige Erholung durch neue Dollar-Liquidität.
- Miles Deutscher sieht den alten Zyklus beendet und einen neuen Bull-Run als wahrscheinlich.
- Historische Daten zeigen, dass 30- bis 40-Prozent-Rückgänge völlig normal sind.
Im heutigen Tagesverlauf kam es jedoch zu einer spürbaren Gegenbewegung. Auslöser war die überraschend weiche Tonlage eines Notenbankers der US-Federal Reserve, der andeutete, dass im Dezember doch eine Zinssenkung möglich sei – ein Szenario, das der Markt zuletzt weitgehend verworfen hatte. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schrittes sprang laut CME FedWatch Tool von gestern 39 Prozent auf aktuell rund 73,5 Prozent.
Der Bitcoin-Preis reagierte sofort: Nach einem Intraday-Tief von etwa 80.000 US-Dollar erholte sich der Kurs auf 84.000 US-Dollar.
Kurzfristig bleibt dennoch Vorsicht angebracht. Auch die jüngste Erholung zeigt bereits erste Schwäche und bröckelt ähnlich schnell wie in den vergangenen Tagen. Kleine Gegenbewegungen wurden zuletzt konsequent wieder abverkauft, was auf anhaltenden Verkaufsdruck und ein fragiles Marktumfeld hindeutet.
Trotzdem bleibt die zentrale Frage offen, ob diese Stabilisierung bereits den Boden markiert oder lediglich eine technische Verschnaufpause auf dem Weg in tiefere Kursregionen darstellt. Bekommen wir jetzt die beste Chance, um vor einem Bullenmarkt in 2026 einzusteigen?
Bitcoin-Ausblick unter Liquiditätsdruck: Der Bärenmarkt ist da
Der Status quo im Kryptomarkt entwickelt sich nach Einschätzung von CryptoQuant-CEO Ki Young Ju deutlich pessimistischer als bislang erwartet. So könnte der neue Bärenmarkt Realität sein. Seiner Analyse zufolge deutet das Zusammenspiel aus schwacher On-Chain-Aktivität und straffer Dollar-Liquidität darauf hin, dass Bitcoin in den kommenden drei bis sechs Monaten kaum eine kräftige Erholung schaffen dürfte. Der Bärenmarkt dürfte somit in die erste Jahreshälfte 2026 hineinreichen.
Erst wenn im kommenden Jahr frische Liquidität in das Finanzsystem zurückkehrt, sei der Boden für eine nachhaltige Erholung gelegt.
The market looks more bearish than I expected. If this continues, Bitcoin probably will not see a strong recovery for the next 3–6 months. The real bull rally would begin once liquidity returns next year.
Macro liquidity matters more than the on-chain cycle. Dollar liquidity is…
— Ki Young Ju (@ki_young_ju) November 21, 2025
Ju betont, dass makroökonomische Rahmenbedingungen mittlerweile eine größere Rolle spielen als klassische On-Chain-Zyklen. Der Liquiditätsentzug zwingt Risikoanlagen zum Abverkauf, während sowohl Markt- als auch On-Chain-Daten ein klares Defizit an Kapitalzufluss signalisieren. Zwar hält er kurzfristige Gegenbewegungen für möglich, doch ohne einen Durchbruch dieser Zone würde das Risiko eines erneuten Abtauchens auf ein tieferes Tief zunehmen.
Das Problem sei ein wachsendes US-Haushaltsdefizit und eine schwindende ausländische Nachfrage nach US-Staatsanleihen. Ohne zusätzliche Liquidität bleibt der Bondmarkt anfällig. Kehrt sie zurück, sollten knappe Sachwerte wie Gold und Bitcoin strukturell profitieren.
Ein Bitcoin-Zyklus zu Ende – kommt der Nächste?
Auch der Krypto-Experte Miles Deutscher sieht den jüngsten Bitcoin-Zyklus als klar beendet. Doch ist das gleichbedeutend mit einem längeren Bärenmarkt?
The way I'm thinking of it..
Is that the $BTC cycle is definitely over.
That is, the cycle of DAT buying, SBR hype, and record ETF flows.
BUT, here's the caveat. "Cycle is over" as a headline freaks people out – as they instantly get 2022/23 PTSD – but it really depends on…
— Miles Deutscher (@milesdeutscher) November 21, 2025
Für den Analysten steht fest, dass die Phase geprägt von DAT-Käufen, SBR-Narrativen und außergewöhnlich hohen ETF-Zuflüssen abgeschlossen ist. Der Begriff „Zyklusende“ werde jedoch häufig missverstanden, da viele Anleger damit automatisch die belastenden Jahre 2022 und 2023 assoziieren. Entscheidend sei jedoch, wie man „Zyklus“ definiert.
Deutscher lehnt das klassische Vierjahresmodell ab und verweist darauf, dass Kryptowährungen heute stärker von Makrotrends, Kapitalflüssen und Narrativen gesteuert werden. Aus seiner Sicht befindet sich der Markt derzeit in einer Übergangsphase, in der ein neuer Zyklus vorbereitet wird. Der nächste Auslöser könnte durch Liquiditätsausweitung, geldpolitische Entwertungseffekte oder den globalen AI-Energiewettlauf entstehen. Dieser Neustart müsse nicht Jahre dauern, auch Wochen oder wenige Monate hält er für ebenso plausibel.
Bitcoin-Korrektur ist nicht ungewöhnlich
Die aktuelle Schwächephase wirkt heftig, ist aber im historischen Vergleich keineswegs außergewöhnlich. Darauf verweist auch Analyst Charlie Bilello. Bei einem Kurs von rund 86.000 US-Dollar liegt Bitcoin etwa 32 Prozent unter seinem Allzeithoch von Anfang Oktober und damit exakt in der Größenordnung früherer Drawdowns. Seine Tabelle zeigt, dass Korrekturen zwischen 30 und 40 Prozent in nahezu jedem Zyklus mehrfach vorkamen, selbst während klarer Bullenmärkte.
At $86,000, Bitcoin is now down around 32% from its all-time high of $126,000 in early October. That's the biggest drawdown since April but not unusual at all given its historical volatility. $BTC pic.twitter.com/8shSA4HqZO
— Charlie Bilello (@charliebilello) November 20, 2025
Zwar reagieren Anleger oft nervös, weil die Verluste im Moment überproportional wirken, doch die Daten legen nahe, dass solche Rückgänge zu Bitcoins natürlicher Volatilität gehören. Mehrere frühere Drawdowns dieser Größenordnung führten später zu neuen Höchstständen.
Bitcoin weiter unter Druck – beste Chance vor Bullenmarkt?
Ob Bitcoin aktuell bereits einen tragfähigen technischen Boden ausbildet, bleibt unsicher und eher fraglich. Die kurzfristige Trendstruktur zeigt klar nach unten, charttechnisch wirkt der Markt weiterhin angeschlagen.
Der Wochenchart vermittelt langfristig ein weniger dramatisches Bild, auch wenn die aktuelle Korrektur ausgeprägter ausfällt. Besonders der Bereich zwischen 70.000 und 75.000 US-Dollar dürfte zur entscheidenden Unterstützungszone werden. Die jüngsten Wochenkerzen zeigen jedoch klaren Verkaufsdruck. Gleichzeitig nähert sich der RSI einem überverkauften Niveau, das erstmals seit 2022 erreicht werden könnte. Damals lagen die Kurse zwischen 15.000 und 20.000 US-Dollar, rückblickend eine markante langfristige Kaufchance.
Zudem könnten im kommenden Jahr makroökonomische Impulse, vor allem eine Rückkehr der Dollar-Liquidität, wieder zu einem konstruktiveren Umfeld führen. Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie sich am besten die Chance nutzen lässt.
Mit DCA in Bitcoin investieren?
Eine Möglichkeit bietet das klassische, zeitbasierte DCA-Modell. Dabei wird in festen Intervallen, etwa wöchentlich oder monatlich, ein gleichbleibender Betrag in Bitcoin investiert. Diese Methode eignet sich besonders für Anleger, die emotionalen Schwankungen aus dem Weg gehen und unabhängig vom Kursniveau langfristig Exposure aufbauen wollen.
Alternativ kann ein kursbasiertes DCA gewählt werden. Hier steigt man bei fallenden Preisen stufenweise stärker ein, orientiert sich also an definierten Kursschwellen.
In der Praxis ist auch eine Kombination beider Ansätze möglich: Regelmäßige Käufe schaffen Exposure, zusätzliche Tranchen bei stärkeren Rücksetzern verbessern langfristig den durchschnittlichen Einstiegskurs.
Denn kurzfristig bleibt Bitcoin natürlich spannend. Denn mit jedem neuen Verkaufsdruck steigen auch die Chancen eines massiv überverkauften Markts, in dem antizyklische Positionierungen spannender werden.
2-day RSI is now 24!
Even in bear markets this means +30/40 % rebounds.This signal has been 100% accurate in the past 5 years (6/6)
This Bitcoin price action is simply nuts.
The counter move will come. Today or tomorrow. pic.twitter.com/JLuqK2kmhU
— Stockmoney Lizards (@StockmoneyL) November 21, 2025
Der Hinweis von Stockmoney Lizards zielt hier auf den Status des Marktes, basierend auf dem 2-Tages-Chart. Der zweitägige RSI ist auf 24 gefallen und signalisiert eine extrem überverkaufte Situation. Selbst in ausgeprägten Bärenmärkten führten derart niedrige Werte in den vergangenen fünf Jahren ausnahmslos zu deutlichen 30–40-prozentigen Erholungen.
Kurzfristig spielt daher weniger die Frage eine Rolle, ob ein Bullen- oder Bärenmarkt vorliegt – die aktuelle Marktstruktur macht statistisch eine Gegenbewegung wahrscheinlich.
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