Bitcoin-Geldautomaten standen lange unauffällig in Supermärkten, Tankstellen oder kleinen Läden. Sie waren so etwas wie die Abkürzung in die Krypto-Welt: Bargeld rein, Bitcoin raus. Für Menschen ohne Bankkonto, oder ohne Lust auf komplizierte Börsen-Registrierungen klang das nach einem pragmatischen Angebot.
2025 änderte sich die Wahrnehmung spürbar. Nicht, weil die Geräte plötzlich technisch spektakulärer wurden, sondern weil sie in Ermittlungsakten und Verbraucherwarnungen immer häufiger auftauchten. Behörden in den USA sehen in Krypto-ATMs inzwischen einen Hebel, über den Betrüger gezielt ältere Menschen treffen.
Die Zahlen, die im Laufe des Jahres zirkulierten, wirken wie ein Kaltwasser-Schock. US-Bürger meldeten dem Internet Crime Complaint Center im Vorjahr 246 Millionen US-Dollar Verlust, die mit Krypto-Geldautomaten zusammenhingen. Ein Plus von 99 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Besonders brisant, etwa 43 Prozent dieser gemeldeten Verluste betrafen Menschen über 60.
So läuft der Betrug – und warum er so oft funktioniert
Die Masche ist selten technisch, aber fast immer psychologisch. Die Täter rufen an, schreiben Mails oder poppen als Warnfenster auf dem Bildschirm auf. Sie geben sich als Behörde, Bank, Unternehmen oder Tech-Support aus. Und sie schaffen einen Zustand, in dem Betroffene nicht mehr nachdenken sollen, sondern funktionieren: „Jetzt sofort handeln, sonst…“.
Dann folgt der praktische Teil. Viele Opfer heben Bargeld ab, gehen zum Automaten, kaufen Bitcoin oder andere Coins und schicken diese an eine Wallet, die angeblich „sicher“ ist. In Wahrheit gehört sie den Betrügern. Für Außenstehende klingt das absurd. Für jemanden, der gerade glaubt, mit der Staatsanwaltschaft oder dem „Microsoft-Sicherheitsdienst“ zu sprechen, wirkt es erschreckend plausibel.
Manche Varianten sind dabei fast filmreif. In Massachusetts warnten Polizeistellen vor einer Version, bei der Betrüger behaupteten, es gebe Ärger wegen „versäumter Jury-Pflicht“ und die Angelegenheit lasse sich nur noch per Krypto-Zahlung „bereinigen“. Wer Angst hat, unterschreibt im Kopf schnell jeden Unsinn.
Das Grundproblem bleibt, Krypto-Transaktionen sind irreversibel. Wenn das Geld weg ist, ist es weg. Und viele Betroffene verstehen in dem Moment nicht einmal, was eine Wallet eigentlich ist, geschweige denn, warum „Senden“ nicht dasselbe ist wie „Überweisen“.
Gerichte schauen auf das Kleingedruckte
2025 landeten solche Fälle häufiger vor Gericht. In Iowa entschieden Richter in zwei Verfahren zugunsten eines Betreibers, mit einer Argumentation, die bei Verbraucherschützern für Kopfschütteln sorgt. In den Nutzungsbedingungen werde verlangt, dass Nutzer bestätigen, Eigentümer der Wallet zu sein, an die die Coins gehen. Wenn das nicht stimme, trage der Nutzer das Risiko.
Juristisch wirkt das sauber. Praktisch ist es ein Dilemma. Gerade Menschen, die unter Druck stehen, lesen keine Bedingungen. Sie klicken. Sie scannen. Sie tun, was man ihnen am Telefon sagt.
Betreiber verweisen wiederum auf ihre begrenzte Rolle. Nach dem Kauf sei der Vorgang abgeschlossen, danach hätten sie keinen Zugriff. Ein Chief Legal Officer eines großen Betreibers formulierte es sinngemäß so: Sobald Bargeld eingezahlt und die Kryptowährung an die gewünschte Wallet übertragen sei, ende die Beteiligung des Unternehmens.
Wenn Ermittler zur Flex greifen
Die Diskussion blieb nicht im Juristischen. Sie wurde 2025 auch sichtbar und zwar in Form von Werkzeugen, die man sonst eher auf Baustellen erwartet. In Texas schnitten Sheriffs einen Krypto-Automaten in einer ländlichen Tankstelle mit Elektrowerkzeugen auf. Ziel: Bargeld sichern, das mutmaßlich aus Betrugsfällen stammte. Am Ende ging es um 32.000 USD.
So spektakulär solche Aktionen wirken. Betreiber kritisieren sie scharf. Sie argumentieren, dadurch entstünden zusätzliche Opfer, etwa Ladenbesitzer mit beschädigter Infrastruktur oder Kunden, deren Transaktionen in der Schwebe hängen. Außerdem sei das sichergestellte Bargeld nicht automatisch „frei verfügbar“, sondern Teil eines Geschäftsprozesses und nach Ansicht der Unternehmen rechtlich ihnen zuzuordnen.
Die Folge aus einem Betrugsproblem wird ein Kompetenzstreit. Wer darf was sichern? Wem gehört welches Geld? Und wer ersetzt Schäden?
Klagen gegen Betreiber: Gebühren als zweiter Streitpunkt
Neben Betrug tauchte 2025 ein weiterer Vorwurf immer wieder auf, Gebühren. In Iowa gerieten große Betreiber wie Bitcoin Depot und CoinFlip unter Druck. Die Generalstaatsanwaltschaft warf den Firmen vor, sie profitierten von Scam-Opfern, unter anderem durch „massive“ und teils versteckte Gebühren.
Im Herbst ging Washington, D.C. juristisch gegen einen weiteren Betreiber vor. Dort stand der Vorwurf im Raum, Kunden hätten in einigen Fällen bis zu 26 Prozent an nicht klar ausgewiesenen Gebühren gezahlt. Das ist eine Größenordnung, bei der selbst Krypto-Fans unruhig werden.
Strittig war auch die Frage, wie sinnvoll Warnhinweise am Automaten überhaupt sind. In den Klagen wurde argumentiert, Warnungen seien praktisch wirkungslos, wenn Menschen mit viel Bargeld in einer Tankstelle stünden und gleichzeitig von Betrügern dirigiert würden. Ein Hinweis auf dem Display ändere dann kaum etwas.
Betreiber widersprechen. Sie nennen ID-Checks, Limits und Kooperationen mit Behörden. Teilweise verweisen sie auch auf zurückerstattete Transaktionsgebühren in Einzelfällen. Aber die öffentliche Stimmung kippte dennoch.
Regulierung: Bundesebene stockt, Bundesstaaten handeln
Auf nationaler Ebene brachte 2025 ein US-Senator den Crypto ATM Fraud Prevention Act ein. Vorgesehen waren unter anderem striktere Limits, strengere Schutzmechanismen und Rückerstattungspflichten, wenn Betrug schnell gemeldet wird. Politisch kam das Vorhaben jedoch nicht wirklich voran.
Dafür wurde auf Ebene der Bundesstaaten reguliert. Über ein Dutzend Staaten arbeiteten 2025 an Regeln, einige verabschiedeten neue Vorgaben. Die Spannweite reichte von täglichen Transaktionslimits über verpflichtende Warnhinweise und Refund-Optionen bis zu neuen Lizenzpflichten.
Illinois setzte ein deutliches Signal. Dort wurden Betreiber verpflichtet, sich bei Regulierern zu registrieren, Gebühren auf 18 Prozent zu deckeln und bei neuen Nutzern tägliche Transaktionen auf 2.500 US-Dollar zu begrenzen.
Noch drastischer war Spokane im Bundesstaat Washington. Die Stadt verbot Krypto-ATMs komplett. Rund 50 Automaten verschwanden aus dem Stadtgebiet. International ging Neuseeland denselben Weg und untersagte die Geräte landesweit, um kriminelle Finanzströme zu erschweren.
Warum Sie 99Bitcoins vertrauen können
99Bitcoins wurde 2013 gegründet und verfügt über ein Team von Experten, deren Erfahrung bis in die Anfänge der Kryptozeit zurückreicht.
Wöchentliche Recherche
100k+Monatliche Leser
Experten
2000+Krypto-Projekte unter die Lupe genommen

