Ethereum gerät erneut unter Druck. In den letzten 24 Stunden fiel der Kurs um rund fünf Prozent und entfernte sich damit deutlich von den jüngsten lokalen Verlaufshochs. Der zuvor von vielen Marktteilnehmenden erwartete Ausbruch aus der mehrwöchigen Seitwärtsrange scheint damit vorerst gescheitert. Aktuell wird Ethereum wieder knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 2.000 US-Dollar gehandelt.

Auf Wochensicht zeigt sich der Markt zwar noch etwas stabiler, doch der mittelfristige Trend bleibt schwach. In den vergangenen drei Monaten verlor Ethereum mehr als ein Drittel seines Wertes, auch seit Jahresbeginn liegt der Kurs rund 33 Prozent im Minus. Immer mehr Krypto Prognosen für 2026 fallen skeptisch aus.

Nun sorgt zudem ein neuer Short-Report für Aufsehen: Das Research-Haus Culper Research attackiert Ethereum und die Ethereum-Treasury-Strategie von BitMine rund um Fundstrat-Chef Tom Lee scharf.

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Short-Report attackiert Ethereum-Tokenomics und On-Chain-Daten

Der Bericht von Culper Research zeichnet ein ausgesprochen pessimistisches Bild für Ethereum. Die Short-Seller argumentieren, dass zentrale Kennzahlen, die häufig als Zeichen wachsender Nutzung interpretiert werden, in Wirklichkeit irreführend sein könnten. Besonders im Fokus steht dabei ein zentraler Punkt aus der aktuellen Debatte: die steigende Zahl aktiver Wallet-Adressen.

Tom Lee, Chef von Fundstrat und ein prominenter Ethereum-Befürworter, hatte zuletzt argumentiert, dass die Zahl aktiver Adressen auf Ethereum deutlich gestiegen sei. In einem TV-Interview verwies er darauf, dass aktive Adressen im Jahresvergleich um rund 117 Prozent gestiegen seien und die Netzwerknutzung in den letzten sechs Monaten sogar um etwa 80 Prozent zugelegt habe. Für Lee sind diese Kennzahlen ein klarer Hinweis darauf, dass Ethereum keineswegs in eine „Todesspirale“ geraten sei, sondern im Gegenteil fundamental stärker werde.

Culper Research widerspricht dieser Interpretation jedoch vehement. Laut der Analyse könnten große Teile dieses Wachstums künstlich entstanden sein. In mehreren Grafiken zeigt der Bericht, dass ein erheblicher Anteil neuer Wallets auf sogenannte „dusting“ oder „address poisoning“-Attacken zurückzuführen sei. Dabei senden Angreifer kleine Token-Beträge an zahlreiche Wallets, um Transaktionshistorien zu manipulieren oder Nutzer zu täuschen.

In den dargestellten Diagrammen wird gezeigt, dass nach dem Fusaka-Upgrade ein großer Teil der neuen Wallet-Aktivität genau mit solchen Dusting-Transaktionen zusammenhängt. Laut Culper sollen 95 Prozent des Wachstums bei neuen Wallets nach dem Upgrade auf diese künstlichen Aktivitäten zurückgehen. Gleichzeitig hätten sich Poisoning-Attacken laut Analyse mehr als verdreifacht und würden inzwischen über 50 Prozent des gesamten Transaktionswachstums erklären. Rund 22,5 Prozent aller Ethereum-Transaktionen würden mittlerweile als potenziell manipulativ markiert.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Entwicklung der Gasgebühren. Durch die Erhöhung des Gas-Limits von 45 auf 60 Millionen sollte Ethereum eigentlich skalierbarer werden. Laut Culper Research führte dies jedoch zu einem unerwarteten Effekt: Die durchschnittlichen Gebühren seien nicht um die erwarteten 10 bis 30 Prozent gefallen, sondern um über 90 Prozent eingebrochen. Dadurch hätten Validatoren deutlich geringere Einnahmen, während gleichzeitig die wirtschaftlichen Anreize für das Netzwerk sinken könnten.

Zusätzlich argumentiert der Bericht, dass Ethereum zunehmend Marktanteile verliere. Entwicklerwachstum und DeFi-Aktivität würden stärker auf andere Ökosysteme – insbesondere Solana – ausweichen. Gleichzeitig sei auch ein Trend erkennbar, dass institutionelle Akteure neue Anwendungen außerhalb des Ethereum-Netzwerks aufbauen.

Vor diesem Hintergrund kommen die Short-Seller zu einem klaren Fazit: Die aktuellen Tokenomics von Ethereum seien strukturell geschwächt. Deshalb positioniert sich Culper Research nicht nur gegen ETH selbst, sondern auch gegen ETH-nahe Unternehmen wie BitMine, die stark auf eine langfristig positive Entwicklung des Netzwerks setzen.

„In der Dotcom-Ära dominierten Netscape und Nokia mehr als zehn Jahre lang, nur um Google und Apple die Früchte zu ernten.  Wir sehen $ETH ähnlich. Wir glauben, dass die Tokenomics gebrochen sind, Lee in die Enge getrieben ist und der ETH-Dollar sinkt.“

Analysten uneinheitlich: „Death Spiral“ bei Ethereum?

Der Krypto-Analyst MartyParty verweist auf die zentralen Thesen des Short-Reports von Culper Research und fasst die Argumentation der Analysten zusammen. Demnach basiere die pessimistische Einschätzung vor allem auf On-Chain-Daten aus dem Zeitraum zwischen Januar 2025 und Februar 2026. Laut Bericht sollen rund 95 Prozent des Wachstums neuer Wallets seit dem Fusaka-Upgrade auf sogenannte Dusting- oder Address-Poisoning-Angriffe zurückgehen. Zudem würden diese Transaktionen inzwischen etwa 22,5 Prozent aller Ethereum-Transfers ausmachen und mehr als die Hälfte des jüngsten Transaktionswachstums erklären.

Hinzu kämen wachsende Konkurrenz durch Solana sowie Berichte über größere ETH-Verkäufe von Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin. Teile der Ethereum-Community widersprechen diesen Schlussfolgerungen jedoch deutlich.

Auch der Krypto-Kommentator Nic ordnet den Bericht von Culper Research ein und betont, dass die Analysten selbst aktiv auf fallende Kurse setzen. Der Report argumentiere, dass das Fusaka-Upgrade den verfügbaren Blockspace deutlich erhöht habe, wodurch die Gebühren auf Ethereum um rund 90 Prozent eingebrochen seien.

Nicrypto betont jedoch, dass dies kein klarer Ausstieg sei und verweist darauf, dass Ethereum seine Regeln theoretisch jederzeit durch neue Upgrades anpassen könnte. Zugleich wolle er sich selbst weder bullisch noch bearish mit einer Ethereum Prognose positionieren.

Gleichzeitig sollte berücksichtigt werden, dass Short-Seller mit ihren Thesen keineswegs immer richtig liegen. So liegt die Trefferquote von Culper Research laut Grok bei rund 40 Prozent.

Das bedeutet, dass ein erheblicher Teil früherer Short-Thesen sich im Nachhinein nicht bestätigt hat. Solche Reports können zwar wichtige Diskussionen über fundamentale Risiken auslösen, sind jedoch keine Garantie dafür, dass sich die prognostizierten Kursentwicklungen tatsächlich realisieren.

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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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