Künstliche Intelligenz gilt zunehmend als potenzielle Gefahr für die Sicherheit des Kryptomarktes. Leistungsfähige Modelle können Angreifer dabei unterstützen, Schwachstellen in Smart Contracts schneller zu identifizieren, schädlichen Programmcode zu entwickeln oder überzeugende Phishing-Nachrichten zu erstellen.

Besonders gefährlich sind automatisierte Angriffe, bei denen zahlreiche Protokolle gleichzeitig untersucht und erkannte Sicherheitslücken unmittelbar ausgenutzt werden. Hinzu kommen täuschend echte Deepfakes, manipulierte Support-Nachrichten und komplexere Social-Engineering-Attacken, mit denen private Schlüssel oder Zugangsdaten erbeutet werden sollen. Allerdings profitieren nicht nur Hacker von der Technologie. Entwickler, Sicherheitsforscher und Auditoren können KI ebenfalls einsetzen, um Code effizienter zu prüfen und ungewöhnliche Transaktionen frühzeitig zu erkennen.

Entscheidend ist daher, ob Angreifer oder Verteidiger die neuen Werkzeuge erfolgreicher nutzen. Bislang blieb die befürchtete Eskalation zumindest im DeFi-Sektor offenbar aus.

Das Wichtigste im Überblick:

  • KI gilt als Gefahr, doch die erwartete DeFi-Hackwelle blieb bislang weitgehend aus.
  • DefiLlama beziffert gestohlene Kryptowerte insgesamt auf rund 16,69 Milliarden US-Dollar seit Beginn.
  • LuBian und Bybit führen die Rangliste der größten Krypto-Hacks aller Zeiten an.
  • Drift Trade und Kelp verursachten 2026 jeweils Verluste nahe 300 Millionen US-Dollar.

DeFi-Hackpokalypse bleibt bislang aus

Haseeb Qureshi, Managing Partner des Krypto-Investors Dragonfly, widerspricht der Vorstellung, dass leistungsfähigere KI-Modelle zwangsläufig eine beispiellose Welle von DeFi-Hacks auslösen. Nach seiner Darstellung werden moderne Modelle bereits von Angreifern eingesetzt. Dennoch liegen die auf das Gesamtjahr hochgerechneten Verluste durch DeFi-Angriffe 2026 weiterhin unter dem Niveau von 2025 und innerhalb der historischen Schwankungsbreite.

Dabei bedeutet die Einschätzung ausdrücklich nicht, dass die Zahl der Angriffe zurückgeht oder der Sektor mittlerweile vollständig sicher wäre. Vielmehr soll die Anzahl einzelner Vorfälle sogar gestiegen sein. Gleichzeitig sinkt jedoch der Medianverlust pro Angriff. Der typische Hack verursacht somit weniger Schaden als zuvor. Das deutet darauf hin, dass Kriminelle vermehrt kleinere, wenig gepflegte oder teilweise aufgegebene Protokolle attackieren, statt die größten DeFi-Anwendungen erfolgreich zu kompromittieren.

Auch die Zusammensetzung der Schäden habe sich laut Qureshi verbessert. Verluste durch kompromittierte Administrator-Schlüssel oder unsicher verwaltete Multi-Signature-Wallets seien zurückgegangen. Solche Angriffe können besonders schwerwiegend sein, weil Angreifer damit weitreichende Kontrollrechte über ein Protokoll erhalten. Größere Anbieter hätten ihre Sicherheitsarchitektur jedoch verstärkt, Zugriffsrechte besser verteilt und ihre Verteidigung gegen KI-gestützte Attacken ausgebaut.

Die bisherigen Daten sprechen deshalb gegen die These, dass KI den Vorteil einseitig zugunsten der Hacker verschiebt. Sicherheitsunternehmen und Entwickler nutzen dieselben Modelle für automatisierte Codeprüfungen, Angriffssimulationen, Transaktionsüberwachung und die frühzeitige Erkennung verdächtiger Aktivitäten. Viele DeFi-Angriffe sind zudem nicht vollständig automatisiert, wodurch Verteidigern teilweise Zeit bleibt, Transaktionen zu stoppen oder Kapital zu sichern.

Qureshis Kernaussage lautet somit nicht, dass KI ungefährlich ist. Vielmehr habe sich die angekündigte „Hackpokalypse“ bislang nicht materialisiert. Einzelne große Exploits bleiben möglich, doch die durchschnittliche Schadensentwicklung zeigt bisher keine unkontrollierte Eskalation. Auch 2026 gab es bereits erhebliche Einzelfälle, was verdeutlicht, dass die Sicherheitsrisiken trotz der insgesamt stabileren Statistik weiterhin ernst bleiben.

Diese Krypto-Hacks verursachten die größten Verluste

Die Daten von DefiLlama verdeutlichen, welche Dimension Cyberangriffe im Kryptomarkt inzwischen erreicht haben. Über sämtliche erfassten Vorfälle hinweg beläuft sich der gestohlene Gesamtwert auf rund 16,69 Milliarden US-Dollar. Davon entfallen etwa 7,87 Milliarden US-Dollar auf Angriffe im DeFi-Sektor. Weitere 3,26 Milliarden US-Dollar gingen bei Hacks von Blockchain-Bridges verloren, die aufgrund ihrer komplexen Architektur und der dort hinterlegten Vermögenswerte besonders attraktive Ziele darstellen.

hacks

Der mit Abstand größte erfasste Vorfall betrifft LuBian aus dem Dezember 2020. Durch kompromittierte private Schlüssel sollen damals rund 3,5 Milliarden US-Dollar verloren gegangen sein. Auf Rang zwei folgt der Angriff auf Bybit vom Februar 2025 mit einem Schaden von rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Laut DefiLlama wurde dabei eine Safe-Multisig-Wallet durch einen Phishing-Angriff kompromittiert.

Zu den weiteren historischen Großereignissen zählen der Ronin-Bridge-Hack mit 624 Millionen US-Dollar, der Angriff auf Poly Network mit 611 Millionen US-Dollar sowie der Exploit der Binance Bridge mit 570 Millionen US-Dollar. Bei Coincheck gingen 2018 rund 534 Millionen US-Dollar verloren. Der Abfluss bei FTX im November 2022 wird mit 450 Millionen US-Dollar beziffert. Dahinter folgen Portal mit 326 Millionen US-Dollar und DMM Bitcoin mit 305 Millionen US-Dollar.

Bemerkenswert ist, dass auch 2026 bereits zwei Vorfälle unter den größten Hacks der gesamten Statistik auftauchen. Drift Trade verlor laut den Daten Anfang April rund 295 Millionen US-Dollar. Als Ursache werden ein kompromittierter Administratorzugang und ein gefälschter Token-Prozess genannt. Nur wenige Wochen später traf es Kelp mit rund 293 Millionen US-Dollar. Dort verweist DefiLlama auf einen Exploit im Zusammenhang mit einer LayerZero-OFT-Bridge.

Damit bleibt die absolute Gefahr erheblich. Die Zahlen bestätigen jedoch zugleich Haseeb Qureshis Argument: Einzelne große Angriffe existieren weiterhin, doch daraus lässt sich bislang keine flächendeckende, durch künstliche Intelligenz ausgelöste Eskalation ableiten. Entscheidend sind häufig weiterhin kompromittierte Schlüssel, Social Engineering, fehlerhafte Zugriffsrechte und Schwachstellen in der Infrastruktur.


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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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