Das Jahr 2025 nähert sich dem Ende, Anleger richten ihren Blick zunehmend auf die kommenden Marktbedingungen. Neben kurzfristigen Turbulenzen rücken dabei vor allem mittelfristige Ansätze in den Fokus. Institutionelle Investoren, aber auch Privatanleger, überlegen, wie sie sich für 2026 strategisch positionieren können, um von strukturellen Trends zu profitieren und Risiken zu begrenzen.

Vor diesem Hintergrund hat der weltweit führende Vermögensverwalter BlackRock seinen Investment Outlook für 2026 vorgestellt.

Was erwarten die Experten also für das kommende Jahr?

Das Wichtigste im Überblick:

  • Anleger bereiten sich auf 2026 vor, strukturelle Trends rücken stärker ins Zentrum.
  • KI-Investitionen erreichen historische Dimensionen und verändern globale Marktlogik.
  • Hohe Vorlaufinvestitionen führen zu Verschuldung und steigender Anfälligkeit für Zinsschocks.
  • KI könnte erstmals langfristiges US-Wachstum über den zweiprozentigen Trend heben.
  • Innovation beschleunigt sich, wenn KI den Innovationsprozess automatisiert und verstärkt.
  • Tech-Giganten prägen Kapitalkreisläufe, neue Erlösströme entstehen sektorübergreifend und dynamisch.
  • BlackRock bevorzugt US-Aktien, asiatische Wachstumsmärkte und langfristig aufstrebendes Indien.

KI-Investitionen verändern Marktlogik für BlackRock

Laut dem Investment Outlook von BlackRock markiert der globale Aufbau der KI-Infrastruktur eine wirtschaftliche Transformation, deren Umfang und Geschwindigkeit frühere Technologiezyklen übertrifft. Externe Schätzungen sehen 5–8 Billionen US-Dollar an Unternehmensinvestitionen bis 2030, überwiegend in den USA. Die zentrale Frage aus Sicht der BlackRock-Experten lautet, ob der massive Kapitaleinsatz durch zukünftige Umsätze gedeckt wird.

BlackRock

BlackRock betont, dass der Großteil der Ausgaben vorab anfällt, insbesondere für Rechenleistung, Rechenzentren und Energie. Die damit verbundenen Erlöse entstehen jedoch zeitlich verzögert, was Unternehmen in eine Phase der hohen Fremdfinanzierung zwingt. Der Vermögensverwalter warnt, dass der daraus steigende Verschuldungsgrad in Verbindung mit bereits hohen staatlichen Schulden neue systemische Risiken und Anfälligkeiten für Zinsschocks schaffen könnte.

Nach Ansicht von BlackRock entsteht dadurch ein neuartiges Marktumfeld: mehr Kreditemissionen, ein höherer Kapitalkostensatz, anhaltend hohe Renditekonzentration im Tech-Sektor und größere Chancen für aktive, selektive Strategien, sobald KI-Erlöse in andere Branchen übergehen.

„Erstens wird eine höhere Verschuldung zu einer stärkeren Kreditvergabe auf öffentlichen und privaten Märkten führen. Zweitens werden die Kapitalkosten insgesamt steigen, da diese hohen Kreditaufnahmen einen Aufwärtsdruck auf die Zinssätze ausüben. Drittens werden, bevor sich neue Pools von KI-Einnahmen in der gesamten Wirtschaft verteilen, weitere konzentrierte Marktgewinne im Technologiesektor große Investitionen erfordern. Und viertens wird es mehr Spielraum für Alpha- und aktive Investitionen geben.“

Stärkeres Wachstum in den USA, während Schuldendruck steigt

Laut dem Investment Outlook von BlackRock könnte die aktuell laufende KI-Investitionswelle erstmals das Potenzial schaffen, den jahrzehntelang stabilen US-Wachstumstrend von rund zwei Prozent zu überschreiten. Die Experten sehen im laufenden und kommenden Jahr einen außergewöhnlich hohen Beitrag kapitalintensiver Investitionen zum Bruttoinlandsprodukt, der bereits jetzt ein Mehrfaches des historischen Durchschnitts erreicht.

BlackRock

Dieser Effekt könnte noch 2026 anhalten und das Wachstum stabilisieren, obwohl sich der Arbeitsmarkt weiter abkühlt. Die Federal Reserve erhält dadurch Spielraum, die Geldpolitik vorsichtig zu lockern, was den Investitionszyklus zusätzlich stützen würde.

BlackRock macht jedoch deutlich, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Durchbruch nur dann gelingt, wenn KI nicht nur Innovation erzeugt, sondern den Innovationsprozess selbst beschleunigt. Gemeint ist ein Mechanismus, bei dem KI-Systeme selbständig neue Konzepte entwickeln, testen und verbessern, wodurch die Rate wissenschaftlicher Entdeckungen zunehmen könnte. Dieses sich selbst verstärkende System wäre entscheidend, um langfristig höhere Produktivität zu erreichen und den Trend zu durchbrechen.

Gleichzeitig erkennt BlackRock die Risiken der Transformation: Hohe Vorlaufinvestitionen treffen auf verzögerte Erträge, wodurch die Wirtschaft strukturell anfälliger für Finanzierungskosten, Schuldenrisiken und inflationären Druck wird.

KI stellt aus Sicht von BlackRock erstmals einen konzeptionell neuen Ansatz dar. Ob der Durchbruch gelingt, bleibt offen. Frühindikatoren wie ein deutlicher Anstieg an Patenten könnten erste Hinweise liefern.

„Der Finanzierungsbedarf im Zusammenhang mit KI-Investitionen übersteigt bei weitem das, was selbst die größten Unternehmen intern aufbringen können. Dies geschieht jedoch vor dem Hintergrund bereits hoch verschuldeter Bilanzen des öffentlichen Sektors.“

Damit erleben wir eine Gratwanderung. Hohe Investitionen sind erforderlich, um Wachstum zu generieren. Gelingt dies nicht, könnte die Schuldenspirale Fortsetzung finden. In einem expansiven Umfeld war auch Bitcoin in der Vergangenheit immer eine gute Wahl, auch wenn dies BlackRock-Experten hier unerwähnt lassen.

KI macht Tech-Konzerne zu Makro-Akteuren

Laut dem Investment Outlook von BlackRock ist der KI-Ausbau so stark von wenigen Tech-Giganten geprägt, dass deren Investitionsentscheidungen direkte makroökonomische Effekte erzeugen. Am oberen Ende der Planungen stehen 8 Billionen US-Dollar bis 2030. Analysten rechnen allerdings nur mit 1,6 Billionen Dollar zusätzlicher jährlicher Einnahmen bei Hyperscalern. Dies sei zu wenig, um auf Basis klassischer Kennzahlen eine attraktive Rendite von 9–12 Prozent zu erzielen.

BlackRock argumentiert, dass diese Rechnung unvollständig ist: KI werde neue, noch unbekannte Einnahmequellenschaffen, die über bestehende Geschäftsmodelle hinausgehen. Wenn KI das Produktivitätswachstum der USA um 1,5 Prozentpunkte hebt, könnte das gesamtwirtschaftlich 1,1 Billionen Dollar zusätzliche Jahreserlöse schaffen. Dies wäre genug, um die Investitionen zu rechtfertigen.

Unklar bleibt, wie diese Umsätze verteilt werden. BlackRock sieht Potenzial, dass der Tech-Sektor seinen Anteil an den Wirtschaftsumsätzen von 25 Prozent auf 35 Prozent steigert, was 400 Milliarden Dollar an neuen Einnahmen bedeuten würde. Dennoch erwartet der Vermögensverwalter, dass Gewinne zunehmend sektorübergreifend entstehen.

Aus diesem Grund bleibt BlackRock risikobereit eingestellt und übergewichtet US-Aktien, auch wenn sich der Fokus der nächsten Phase stärker auf Energie und Infrastruktur verschieben dürfte.

Stablecoins werden zu einem systemischen Finanzbaustein

Durch neue Anlageformen, von Kryptowährungen bis zu privaten Märkten, entsteht ein Finanzsystem, das sich deutlich von tradierten Strukturen entfernt. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel bei Stablecoins, deren Marktwert Ende November 2025 bereits über 250 Milliarden US-Dollar erreicht hat. BlackRock sieht darin den Übergang von einem Nischen-Tool des Kryptomarkts hin zu einem Brückenmechanismus zwischen digitaler und traditioneller Finanzinfrastruktur.

BlackRock

Mit dem Genius Act von 2025 wurde erstmals ein US-Regelwerk für Stablecoins geschaffen, das Emittenten einem klaren Aufsichtsrahmen unterstellt. Der Gesetzgeber untersagt zwar Zinszahlungen, erlaubt jedoch „marketing-rewards“, die funktional zinsähnliche Anreize darstellen. BlackRock weist darauf hin, dass dies den Wettbewerb mit Bankeinlagen oder Geldmarktfonds intensivieren könnte.

Gleichzeitig erwartet BlackRock, dass Stablecoins tiefer in Mainstream-Payment-Systeme integriert werden, besonders im Bereich grenzüberschreitender Transaktionen. In Schwellenländern könnten digitale Dollar-Token sogar als Alternative zu lokalen Währungen genutzt werden, was Zugänge verbessert, aber geldpolitische Kontrolle schwächt und den US-Dollar stärkt.

Nach Einschätzung der BlackRock-Experten markieren diese Entwicklungen einen frühen, aber substanziellen Schritt in Richtung einer tokenisierten Finanzarchitektur. Stablecoins sind hier erst der Anfang:

„Diese Entwicklungen stellen einen bescheidenen, aber bedeutenden Schritt in Richtung eines tokenisierten Finanzsystems dar, das sich rasant weiterentwickelt und in dem digitale Dollars neben traditionellen Kanälen der Vermittlung und Politikumsetzung koexistieren und diese neu gestalten.“

BlackRock setzt auf globale Gewinner im AI-Zeitalter

Laut dem Investment Outlook von BlackRock bleibt die strategische Ausrichtung klar risikofreudig: Der Vermögensverwalter hält an Übergewichtungen in US-Aktien fest, getragen von der Ausweitung der KI-Thematik über den Tech-Sektor hinaus und unterstützt durch erwartete Fed-Zinssenkungen. Die KI-Dynamik hat sich auf China, Taiwan und Südkorea ausgeweitet, was asiatischen Märkten Rückenwind verschafft.

Europa bleibt aus Sicht der BlackRock-Experten eher neutral, da die Gewinndynamik hinter den USA zurückbleibt. Präferiert werden jedoch selektive Sektoren wie Finanzen und Industrie. In Asien hebt BlackRock besonders Japan hervor, mit solider Konjunktur und strukturellen Reformen als Basis für eine taktische Übergewichtung.

Im Anleihebereich bleibt BlackRock skeptisch gegenüber langlaufenden Staatsanleihen der Industriestaaten, bevorzugt aber Schwellenländer-Anleihen, gestützt durch attraktive Renditen und solide fiskalische Positionen.

Ein zentrales Thema ist dabei Indien, das wegen Demografie, Konsumkraft und geopolitischer Positionierung als eines der vielversprechendsten langfristigen Ziele für BlackRock gilt, besonders für Investoren mit fünfjährigem Horizont und darüber hinaus.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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