Im Januar 2026 befragten Coinbase und EY-Parthenon insgesamt 351 institutionelle Entscheidungsträger weltweit – Portfolio Manager, Chief Investment Officers und Hedge-Fund-Partner bei Häusern mit mindestens einer Milliarde Dollar AUM.

Das zentrale Ergebnis ist eindeutig: Die heftigen Kursverluste seit dem vierten Quartal 2025 haben den institutionellen Appetit auf digitale Assets nicht gedämpft, sondern professionalisiert. Drei Viertel der Befragten erwarten steigende Kryptopreise, 73 Prozent planen konkret den Ausbau ihrer Allokationen.

Der Markt transformiert sich von spekulativer Frühphase in institutionelle Reife – Governance und Compliance sind 2026 genauso entscheidend wie die Investitionsthese selbst. Doch was zeigt die Studie eigentlich genau?

Das Wichtigste im Überblick:

  • Institutionelle Anleger bleiben bullisch für Kryptowährungen und wollen ihr Exposure ausbauen.
  • Regulatorische Klarheit bleibt Risikofaktor und Kurstreiber gleichermaßen.
  • Stablecoins und RWAs bieten einen attraktiven Product-Market-Fit.

Überzeugung trotz Turbulenzen: Institutionelles Kapital hält Kurs

Die Marktkorrektur seit Herbst 2025 hat in institutionellen Häusern keine Kapitulation ausgelöst, sondern einen Reifungsschub. Fast die Hälfte aller Befragten – konkret 49 Prozent – gibt an, dass die Volatilität intern zu schärferen Risikoprozessen, strengerer Liquiditätssteuerung und disziplinierterer Positionsgröße geführt hat. Weitere 22 Prozent haben ihre Allokationspläne vorübergehend verlangsamt oder konservativ gehalten, doch das große Bild bleibt bullish: 74 Prozent erwarten steigende Kryptopreise über die nächsten zwölf Monate, und 73 Prozent planen, ihre Bestände in 2026 aktiv auszubauen.

Der Anteil der Häuser, die mehr als fünf Prozent ihres AUM in digitale Assets allokieren, soll bis Jahresende von 18 auf 29 Prozent steigen – ein erheblicher Sprung, der die strukturelle Überzeugung hinter den kurzfristigen Kursbewegungen deutlich macht. Kleinere Häuser mit einem AUM zwischen einer und 50 Milliarden Dollar zeigen sich dabei besonders offensiv: 77 Prozent von ihnen planen eine signifikante oder moderate Aufstockung und wollen weiter Kryptowährungen kaufen. 

Als Hauptgründe nennen die Befragten neben regulatorischer Klarheit vor allem den Zugang zu innovativer Technologie (79 Prozent), die niedrige Korrelation mit klassischen Asset-Klassen (51 Prozent) sowie höhere risikoadjustierte Renditeerwartungen (43 Prozent). Krypto rangiert damit in der Drei-Jahres-Renditeerwartung hinter Private Equity auf Platz zwei – noch vor US-Aktien. Der bevorzugte Zugangspfad ist dabei klar reguliert: Zwei Drittel der Befragten nutzen bereits Spot-ETFs oder ETPs, 81 Prozent präferieren grundsätzlich registrierte Vehikel gegenüber direktem On-Chain-Exposure. Das institutionelle Kapital kommt – aber es kommt geordnet, mit klaren Risikorahmen und etablierten Compliance-Strukturen.

Regulierung als doppelter Hebel: Wachstumstreiber und dominantes Investitionsrisiko

Das strukturelle Paradoxon der Studie ist klar: Regulierung ist für die befragten Institutionen gleichzeitig der stärkste Treiber und die größte Bremse im Markt für digitale Assets. Unter jenen, die ihre Bestände 2026 ausbauen wollen, nennen 65 Prozent zunehmende regulatorische Klarheit als Hauptmotivation – und 75 Prozent sehen sie als den entscheidenden Wachstumskatalysator für die gesamte Branche. Auf der anderen Seite empfinden 66 Prozent das nach wie vor unklare regulatorische Umfeld als ihre primäre Sorge beim Investieren.

Dieser Dualismus ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck institutioneller Rationalität: Die Überzeugung ist vorhanden, die strukturellen Voraussetzungen fehlen in Teilen noch. Besonders eindrücklich zeigt sich dieser Wandel bei der Verwahrstellen-Auswahl. Der Anteil jener, die regulatorische Compliance als wichtigstes Kriterium beim Custodian nennen, sprang binnen zwölf Monaten von 25 auf 66 Prozent; Sicherheits- und Key-Signing-Protokolle kletterten im gleichen Zeitraum von 8 auf 66 Prozent.

Kostenaspekte sind dabei dramatisch in den Hintergrund getreten. 78 Prozent der Befragten fordern als dringlichste Baustelle klarere Regeln für die Marktstruktur, 56 Prozent für die Lizenzierung digitaler Asset-Firmen, 54 Prozent für die steuerliche Behandlung. Dass 83 Prozent der US-Befragten den GENIUS Act als Beschleuniger für Stablecoin-Adoption in Finanzdienstleistungsunternehmen werten, verdeutlicht das Kernprinzip: Gesetzgebung wirkt hier als echter Innovationsschalter.

Institutionen bauen längst keine taktischen Krypto-Wetten mehr auf – sie errichten dauerhafte operative Modelle, die regulatorischen Prüfungen standhalten und Governance-Anforderungen erfüllen.

Stablecoins und Tokenisierung: Die Infrastruktur der nächsten Finanzordnung

Parallel zur klassischen Krypto-Allokation rücken zwei strukturelle Entwicklungen ins Zentrum, die den Markt langfristig tiefgreifender verändern dürften als jeder Bullrun. Stablecoins haben ihre Nische als reines Trading-Tool verlassen und werden zur institutionellen Betriebsinfrastruktur. 86 Prozent der Befragten nutzen sie bereits oder planen es konkret – als Instrument für T+0-Settlement (88 Prozent), für internes Cash-Management und grenzüberschreitende Geldtransfers (85 Prozent) sowie für den 24/7-Handel (85 Prozent).

 

 

USDC hat dabei USDT als meistgenutzte Stablecoin unter institutionellen Investoren überholt, was die Studie auf die stärkere Kompatibilität mit dem regulatorischen Rahmen des GENIUS Act zurückführt. Mit der wachsenden Nutzung formalisieren Häuser zunehmend ihre Governance rund um Gegenparteirisiken, Custody-Sicherheit und Reservetransparenz. Gleichzeitig gewinnt die Tokenisierung realer Vermögenswerte massiv an Dynamik.

Das Interesse von Asset Managern an der Tokenisierung eigener Assets stieg innerhalb eines Jahres von 40 auf 64 Prozent; 63 Prozent der Investoren zeigen starkes Interesse an tokenisierten Anlageformen – angeführt von tokenisierten Geldmarktfonds (50 Prozent), Corporate Bonds (49 Prozent) und Staatsanleihen (44 Prozent). 61 Prozent erwarten, dass Tokenisierung Handel, Clearing und Settlement im traditionellen Finanzmarkt innerhalb von drei bis fünf Jahren fundamental verändert, wobei 73 Prozent der Interessierten bereits in diesem oder im nächsten Jahr erste Positionen aufbauen wollen.

Die Haupthürden bleiben regulatorische Unsicherheit (67 Prozent) und technische Integrationsherausforderungen (59 Prozent) – sobald diese adressiert sind, dürfte der Skalierungsschub zügig einsetzen. Die Botschaft der Studie ist klar: Das institutionelle Krypto-Engagement hat die Pilotphase hinter sich gelassen. 2026 ist das Jahr der Umsetzung.


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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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