Wer in Deutschland Bitcoin oder andere Kryptowährungen länger als ein Jahr hält, kann Gewinne bislang steuerfrei realisieren. Genau diese Sonderregel gilt seit Jahren als einer der größten Standortvorteile für Krypto-Anleger in Europa.
Zugleich wird die Steuerfreiheit zunehmend kontrovers diskutiert. Kritiker sprechen von einer Gerechtigkeitslücke im Steuersystem, während Befürworter argumentieren, dass Kryptowährungen nicht schlechter behandelt werden dürften als Gold oder Fremdwährungen. Zuletzt sorgte deshalb ein Gesetzesentwurf der Grünen für neue Debatten. Dieser hätte die bisherige Haltefrist faktisch abgeschafft und Kryptogewinne dauerhaft steuerpflichtig gemacht. Nun ist der Vorstoß allerdings im Bundestag gescheitert.
Das Wichtigste im Überblick:
- Bitcoin-Gewinne bleiben in Deutschland nach einem Jahr weiterhin steuerfrei.
- Grünen-Vorstoß zur dauerhaften Krypto-Besteuerung scheiterte im Bundestag deutlich.
- Union und AfD lehnten neue Sonderregeln für Kryptowährungen klar ab.
Grünen-Vorstoß zur Bitcoin-Steuer scheitert im Bundestag
Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen konnte sich mit ihrem Gesetzesentwurf zur Besteuerung von Kryptowerten nicht durchsetzen. Lediglich Die Linke unterstützte den Antrag, während CDU/CSU, AfD und auch Teile der SPD erhebliche Vorbehalte äußerten. Die Union argumentierte, dass durch die Reform neue Ungleichheiten entstehen würden. Aus ihrer Sicht dürften Kryptowährungen nicht anders behandelt werden als Edelmetalle oder Fremdwährungen, die ebenfalls von bestimmten steuerlichen Vorteilen profitieren.
Auch die AfD sprach sich gegen neue Belastungen für Anleger aus. Statt zusätzliche Steuerquellen zu erschließen, solle sich der Staat stärker auf Kernaufgaben konzentrieren. Die SPD wiederum signalisierte zwar grundsätzlich Offenheit für Anpassungen bei der Krypto-Besteuerung, wollte jedoch zunächst mögliche Vorschläge von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil abwarten.
Damit bleibt die aktuelle Regelung vorerst bestehen: Gewinne aus Bitcoin und anderen Kryptowährungen bleiben nach einer Haltedauer von mindestens einem Jahr weiterhin steuerfrei.
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Das forderten die Grünen bei der Besteuerung von Kryptowerten
Im Zentrum des Gesetzesentwurfs stand die Abschaffung der sogenannten einjährigen Spekulationsfrist für Kryptowährungen. Konkret wollten die Grünen erreichen, dass Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin, Ethereum oder anderen Kryptowerten künftig unabhängig von der Haltedauer besteuert werden. Bislang gilt in Deutschland: Wer Kryptowährungen länger als zwölf Monate hält, kann Kursgewinne steuerfrei realisieren. Genau diese Ausnahme bezeichnete die Fraktion als „historisch gewachsene Besteuerungslücke“.
Nach Auffassung der Grünen führe die aktuelle Regelung zu einer Ungleichbehandlung verschiedener Anlageklassen. Während Aktiengewinne grundsätzlich versteuert werden müssten, könnten Krypto-Anleger nach Ablauf der Haltefrist steuerfrei hohe Gewinne erzielen. Deutschland sei dadurch innerhalb Europas zu einem attraktiven Steuerstandort für Krypto-Spekulationen geworden. Besonders kritisiert wurde, dass Kryptowährungen mittlerweile häufig als hochvolatile Spekulationsobjekte genutzt würden und nicht mehr als alternative Zahlungsmittel.
Der Gesetzentwurf sah deshalb eine Änderung des § 23 Einkommensteuergesetz vor. Kryptowährungen sollten dauerhaft als steuerpflichtige private Veräußerungsgeschäfte gelten. Gewinne wären damit immer mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert worden – unabhängig davon, ob Anleger ihre Coins wenige Wochen oder mehrere Jahre halten. Gleichzeitig hätten die neuen Regeln nur für Kryptowährungen gegolten, die nach dem 31. Dezember 2025 gekauft worden wären. Damit wollten die Grünen rechtliche Konflikte rund um Vertrauensschutz vermeiden.
Darüber hinaus verwiesen die Grünen auf die inzwischen deutlich bessere Datenlage der Steuerbehörden. Durch die europäische DAC-8-Richtlinie müssen Kryptobörsen und Dienstleister mittlerweile umfangreiche Transaktionsdaten an Behörden übermitteln. Dadurch sei eine konsequente Besteuerung technisch deutlich einfacher geworden. Die Fraktion rechnete laut Entwurf mit zusätzlichen Steuereinnahmen von mindestens fünf Milliarden Euro. Dieses Geld könnte Bund, Länder und Kommunen entlasten.
Kritiker hielten dem allerdings entgegen, dass eine solche Reform Deutschland als Krypto-Standort schwächen könnte. Zudem sei fraglich, ob Kryptowährungen tatsächlich grundsätzlich anders behandelt werden sollten als Gold, Antiquitäten oder Fremdwährungen. Genau diese politische Diskussion dürfte den Markt auch in den kommenden Monaten weiter begleiten.
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