Der Kryptomarkt präsentierte sich in dieser Woche erneut etwas robuster. Das fällt umso mehr auf, weil die geopolitischen Risiken zuletzt klar zugenommen haben: Die Eskalation im Iran-Krieg schürte neue Inflations- und Energiesorgen, während Aktienmärkte und globale Risikoanlagen teils deutlich unter Druck gerieten.
Dennoch hielten sich die großen Kryptowährungen vergleichsweise stabil. Ethereum notiert aktuell im Bereich von rund 2.100 US-Dollar, ohne dass bislang ein nachhaltiger Ausbruch aus der Seitwärtsrange gelungen wäre. Zugleich bleibt ETH weiterhin klar von früheren Höchstständen entfernt und handelt rund 58 Prozent unter dem Allzeithoch.
Auffällig ist zudem, dass die Gebühreneinnahmen auf Ethereum schwach bleiben. Das muss für die Investment-These jedoch nicht automatisch negativ sein, wenn sich der Marktwert von ETH künftig stärker über Knappheit, monetäre Eigenschaften und die Rolle als Basis-Asset des Ethereum-Ökosystems definiert.
Analyst sieht Ethereum als monetäres Gut
Der Krypto-Analyst Ryan Sean Adams stellt eine klare Gegenposition zur klassischen Equity- oder DCF-Logik dar. Seine Kernthese lautet: Ethereum müsse nicht kurzfristig hohe und dauerhaft steigende Gebühreneinnahmen erzielen, um eine hohe Bewertung zu rechtfertigen. Vielmehr sei es ein Fehler, ETH wie ein traditionelles Cashflow-Asset zu betrachten. Adams argumentiert, dass Ethereum laut Roadmap in den kommenden Jahren massiv mehr Blockspace bereitstellen will.
Wenn das Angebot an Blockspace also deutlich wächst, dann bleiben Gebühren strukturell eher niedrig, weil Nachfrage und knappe Kapazität seltener kollidieren. Genau deshalb sei eine Bewertung allein über Fee-Generation aus seiner Sicht zu kurz gedacht.
Stattdessen vergleicht er ETH eher mit knappen, monetären Gütern wie Gold oder Bitcoin. Diese Assets werden schließlich ebenfalls nicht deshalb hoch bewertet, weil sie laufende Gebühren oder Cashflows erzeugen. Ihr Wert leite sich vielmehr aus Knappheit, Akzeptanz, Nutzung als Wertspeicher und ihrer Rolle im jeweiligen System ab. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Ethereum Prognose.
A truth bomb for you.
ETH will never earn fees.
Ok, never is a strong word – let me rephrase – ETH won't earn fees anytime soon or in sustained amounts necessary to justify a centa-billion dollar asset.
The reason is written in the roadmap. Ethereum intends to massively… https://t.co/ezrRNpIoXz
— RYAN SΞAN ADAMS – rsa.eth 🦄 (@RyanSAdams) March 13, 2026
Für Ethereum bedeutet das in dieser Lesart: ETH ist das knappe native Asset eines Netzwerks, das als wirtschaftliche Basisschicht für DeFi, Stablecoins, Tokenisierung und digitale Abwicklung dient. Adams spricht ETH damit einen Charakter als „emerging commodity money“ zu – also als entstehendes digitales Rohstoffgeld, das nicht primär über aktuelle Einnahmen, sondern über strategische monetäre Bedeutung bewertet wird.
Seine Aussage ist damit weniger eine Prognose explodierender Gebühren als vielmehr ein Reframing der Investment-These. Wer ETH halte, solle nicht zwingend auf steigende Netzwerkgebühren setzen, sondern auf die Idee, dass Ethereum als zensurresistentes, knappes Internet-Native-Asset mit realer Nachfrage nach Settlement, Collateral und digitaler Wertaufbewahrung an Bedeutung gewinnt.
Skalierung über Layer 2 senkt die Gebühren – und drückt damit zugleich die direkte Fee-Story von Ethereum
Genau hier liegt der zentrale Zielkonflikt. Ethereum hat mit Dencun und EIP-4844 bewusst die Grundlage geschaffen, um Layer-2-Netzwerke günstiger zu machen. Offiziell beschreibt Ethereum, dass die Einführung von Blob-Transaktionen vor allem die Kosten für Rollups senken soll; niedrigere Gebühren auf Layer 1 seien dagegen eher kein primäres Ziel. Auch kommende Skalierungsschritte zielen laut Ethereum-Roadmap auf mehr Blobspace und noch günstigere L2-Nutzung ab.
Für Nutzer und Entwickler ist das positiv: Transaktionen werden billiger, Anwendungen skalieren besser, und Ethereum verteidigt seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber schnelleren Chains. Für die direkte Bewertung über Gebühren ist es jedoch problematisch. Denn wenn immer mehr Aktivität in günstige Layer 2 wandert und Daten über günstigeres Blobspace abgewickelt werden, sinkt der unmittelbare Druck auf die Base-Layer-Gebühren.
Genau das zeigen auch aktuelle Daten: Trotz starker Aktivität im Ethereum-Ökosystem bleiben Preisentwicklung und Fee-Generation hinter früheren Zyklen zurück. Daraus folgt: Eine neue Neubewertung allein über steigende Gebühren erscheint kurzfristig wenig wahrscheinlich. Die bullische ETH-These muss deshalb eher auf Netzwerkeffekte, Knappheit, Settlement-Rolle und monetäre Eigenschaften bauen als auf eine simple „mehr Nutzung = viel mehr Gebühren“-Formel.
⚠️ETHEREUM SACRIFICES $100M+ IN 2025
Ethereum gave up over $100 MILLION in guaranteed fee revenue in 2025, prioritizing scalability and long term ecosystem growth.
Since the Dencun upgrade, Layer-2s paid just $10M to mainnet while retaining $119M in revenue. pic.twitter.com/Eg5qZvkuzX
— Coin Bureau (@coinbureau) January 3, 2026
Als Fazit zeigt sich, wie stark Ethereum aktuell auf langfristige Skalierung statt kurzfristige Einnahmen setzt. Daten von Coin Bureau verdeutlichen dies eindrucksvoll: Allein im Jahr 2025 verzichtete das Netzwerk auf über 100 Millionen US-Dollar an potenziellen Gebühreneinnahmen, um günstigere Transaktionen und ein stärkeres Wachstum des Ökosystems zu ermöglichen.
Seit dem Dencun-Upgrade zahlten Layer-2-Netzwerke lediglich rund 10 Millionen US-Dollar an das Mainnet, während sie selbst rund 119 Millionen US-Dollar an Einnahmen generierten. Kritiker sehen darin eine Schwäche für die kurzfristige Bewertung. Befürworter argumentieren jedoch, dass genau diese Strategie langfristig mehr Nutzer, Anwendungen und Kapital ins Ethereum-Ökosystem bringen könnte.
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