Der Kryptohandel auf bitcoin.de ist seit Ende Juni 2026 ausgesetzt. Im Halbjahresbericht vom 29. September erklärt die Bitcoin Group SE, dass die MiCAR-Zulassung für den Neustart noch aussteht; einen Termin nennt das Unternehmen nicht. Für Nutzer bedeutet das eine offene Wartezeit – obwohl die neu entwickelte Plattform nach Unternehmensangaben technisch fertig ist.
Das Wichtigste im Überblick:
- Der Handelsstopp hängt laut Bitcoin Group am noch laufenden MiCAR-Zulassungsverfahren, nicht an einer gemeldeten technischen Störung.
- Die Bitcoin Group erwartet für 2026 rückläufige Umsätze und erneut ein negatives EBITDA.
- Ob Euro-Auszahlungen oder Kryptoübertragungen derzeit möglich sind, geht aus dem Halbjahresbericht nicht hervor.
Warum bitcoin.de weiter stillsteht
Die Bitcoin Group SE ist die börsennotierte Muttergesellschaft hinter bitcoin.de. Den Handel wickelt ihre Tochter futurum bank AG ab, die bereits über eine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz (KWG) verfügt. Die noch fehlende Genehmigung ist davon zu unterscheiden: Es geht um die gesonderte Zulassung als Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen nach der europäischen MiCAR-Verordnung.
Weil sich das Lizenzverfahren länger hinzieht als ursprünglich erwartet, ist der Kryptohandel seit Ende Juni vorübergehend nicht möglich. Die futurum bank stehe nach Angaben der Bitcoin Group in engem Austausch mit den zuständigen Aufsichtsbehörden und messe dem erfolgreichen Abschluss des Verfahrens höchste Priorität bei. Die regulatorische Frage ist für Anbieter in der EU geschäftsrelevant; auch der Zugang von Kryptobörsen zum EU-Markt unter MiCAR hängt von der jeweils erforderlichen Zulassung ab.
Vorstandschef Moritz Eckert ordnet die bereits erledigten Arbeiten so ein: „Die wesentlichen Voraussetzungen, die in unserem eigenen Einflussbereich liegen, haben wir mit der Neuentwicklung von bitcoin.de geschaffen.“ Einen Zeitpunkt für die Entscheidung der Aufsicht nennt die Mitteilung nicht. Damit bleibt der Neustart an eine externe Entscheidung gebunden – nicht an einen von der Bitcoin Group bestätigten Termin.
Finanzzahlen unter Druck, neues Modell geplant
Die Geschäftszahlen zeigen, weshalb der Stillstand für die Gruppe mehr als eine Verzögerung im Produktstart ist. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Umsatzerlöse bei 1,59 Millionen Euro, nach 3,78 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang von rund 58 Prozent; ein Handelsplatz ohne laufenden Kryptohandel erzielt zudem keine entsprechenden Handelsgebühren.
Das EBITDA – das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – verschlechterte sich auf minus 3,25 Millionen Euro von minus 1,00 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie lag bei minus 1,02 Euro, nach minus 0,33 Euro. Die Eigenkapitalquote betrug 71,8 Prozent, liquide Mittel beliefen sich auf 3,9 Millionen Euro und der Netto-Krypto-Eigenbestand auf 199 Millionen Euro. Als Belastungen nennt das Unternehmen den höheren Investitionsbedarf bei der futurum bank und den verzögerten Neustart. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Vorstand sinkende Umsätze und erneut ein negatives EBITDA.
Mit dem Neustart soll sich auch das Handelsmodell ändern. bitcoin.de war seit 2011 ein Peer-to-Peer-Marktplatz, auf dem Käufer und Verkäufer über ihre Angebote zusammenfanden. Geplant ist nun ein Broker-Modell: Nutzer handeln gegen die Plattform beziehungsweise deren Liquiditätsquellen, statt direkt mit anderen Privatpersonen. Dabei stellt der Broker einen Preis; ein Aufschlag kann in diesem Kurs enthalten sein.
Das angekündigte Angebot umfasst mehr als 100 Kryptowährungen, Sparpläne, Krypto-Swaps, Dynamic Staking sowie eine neue Website, Handels-App und Settlement-Infrastruktur. Ein Swap ist der direkte Tausch eines Kryptowerts in einen anderen. Eine Gebührenliste für das neue Angebot liegt bislang nicht vor; deshalb lässt sich noch nicht beurteilen, ob das Broker-Modell für einzelne Nutzer günstiger oder teurer wird als der bisherige Marktplatz.
Was Nutzer jetzt prüfen sollten
Ein ausgesetzter Handel ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem gesperrten Konto. Der Halbjahresbericht macht jedoch keine Angaben dazu, ob Euro-Einzahlungen, Auszahlungen oder Übertragungen von Kryptowerten derzeit funktionieren. Nutzer sollten den aktuellen Status deshalb im eigenen Konto prüfen und sich bei offenen Fragen direkt an den Support wenden. Auch bei anderen Fällen einer Betriebseinstellung wird die praktische Frage, ob Guthaben erreichbar und auszahlbar ist, entscheidend – etwa beim eingestellten Betrieb einer Kryptoplattform.
Konkret sollte geklärt werden, ob Euro auf das hinterlegte Referenzkonto ausgezahlt werden können und ob sich Kryptowährungen an eine externe Adresse übertragen lassen – einschließlich möglicher Gebühren. Wer Bestände bewegt oder tauscht, sollte außerdem die steuerliche Behandlung prüfen. Nach den im Bericht genannten Bedingungen ist der Abschluss des Lizenzverfahrens Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Handels; ein Datum dafür gibt es nicht.

Als nächste überprüfbare Signale kommen neue Mitteilungen der Bitcoin Group und weitere Finanzberichte infrage. Zudem können die öffentlichen Register der zuständigen Aufsichtsbehörden dabei helfen, den Zulassungsstatus der verantwortlichen Gesellschaft zu kontrollieren. Bis eine Zulassung oder ein Neustarttermin bekannt wird, bleibt der Kern der Lage unverändert: Die Plattform ist nach Unternehmensangaben technisch vorbereitet, doch der Handel wartet auf die regulatorische Freigabe.
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