Bitcoin stieg innerhalb von fünf Handelstagen im August um 24,6 Prozent – während das coin-denominierte Open Interest im selben Zeitraum um 12,6 Prozent fiel. Diese Diskrepanz ist laut einer gemeinsamen Analyse von Glassnode und Bybit der Beleg dafür, dass die stärkste Bitcoin-Rally des zweijährigen Drawdowns nicht auf frischem Kaufinteresse beruhte, sondern auf der erzwungenen Auflösung bestehender Short-Positionen.
Das Wichtigste im Überblick:
- Bitcoin stieg in fünf August-Tagen um 24,6 Prozent, während das coin-denominierte Open Interest um 12,6 Prozent fiel
- Rund 64.000 BTC an Open Interest wurden geschlossen, Short-Positionen stellten 89 Prozent jedes liquidierten Dollars
- Der Optionsmarkt beendete nach 361 Tagen eine Serie, in der Puts teurer bewertet waren als Calls
- Glassnode deckt vier kryptonative Handelsplätze ab, CME ist in der Auswertung nicht enthalten
- Ob die August-Neubewertung dauerhaft ist, bleibt laut Bericht die zentrale offene Frage
Bitcoin-Rally wurde von Short-Liquidationen getragen
Die Zahlen im Detail: Über den fünftägigen August-Zeitraum wurden rund 64.000 BTC an Open Interest geschlossen. Short-Positionen stellten dabei 89 Prozent jedes liquidierten Dollars – ein Anteil, der laut Glassnode und Bybit klar für eine Zwangsauflösung von Wetten auf fallende Kurse spricht statt für den Aufbau neuer Long-Positionen.
Die Daten stammen aus einer gemeinsamen Auswertung beider Unternehmen mit Stand zum Settled Close am 23. August und decken vier kryptonative Handelsplätze ab. CME ist darin explizit nicht enthalten, weshalb die Ergebnisse den kryptonativen Markt beschreiben und nicht automatisch auf jeden Handelsplatz übertragbar sind, an dem Bitcoin gehandelt wird. Hintergrund zu Open Interest und dem Risiko einer Liquidationskaskade liefert die Einordnung zu Bitcoin-Liquidationen und Open Interest.
Optionsmarkt bestätigt die Squeeze-Dynamik
Auch der Optionsmarkt zeigte die gleiche Bewegung. Puts, also die Kontrakte, mit denen sich Trader gegen fallende Kurse absichern, waren 361 Tage in Folge teurer bewertet als Calls. Eine einzelne Handelssitzung beendete diese Serie und drehte damit fast ein Jahr an Abwärtspositionierung um.
Bybits eigener Volatilitätsindex bewegte sich in dieser Sitzung viermal so weit wie in einem gewöhnlichen Tagesbereich. Gleichzeitig wurde der vordere Teil der Futures-Kurve stark neu bewertet, während länger laufende Kontrakte kaum reagierten – ein Muster, das laut dem Bericht eher für ein Einzelereignis als für einen dauerhaften Regimewechsel spricht. Wie sich solche Bewegungen mit makroökonomischen Auslösern verzahnen können, zeigt die Analyse zu Bitcoin, CPI-Daten und Liquidationswellen.
Was die Nachhaltigkeit der Rally entscheidet
Die Autoren des Berichts benennen die entscheidende offene Frage selbst: Hält die Neubewertung vom August an, oder war sie nur eine einmalige Korrektur? Eine dauerhafte Verschiebung würde sich dadurch zeigen, dass der Skew weiterhin Call-Nachfrage widerspiegelt und der vordere Teil der Futures-Kurve stabil bleibt.
Eine Rückkehr der Put-Prämie zusammen mit nachlassender Funding-Aktivität würde hingegen darauf hindeuten, dass der Markt das August-Ereignis lediglich verarbeitet hat, statt in ein neues Regime einzutreten. Separat davon dokumentiert der Bericht, dass Bitcoin in der Folgewoche über 80.000 Dollar stieg und dabei erneut eine Liquidationswelle mit mehr als 230 Millionen Dollar an Bitcoin-Shorts auslöste – ein zeitlich abgegrenztes weiteres Ereignis, das nicht mit der August-Auswertung vermischt werden sollte. Zur Frage, wie stark bestehende Short-Positionen institutioneller Händler solche Bewegungen verstärken können, ordnet der Beitrag zu Bitcoin-Shorts und CME-Positionen weiter ein.
Nächste Signale für Bitcoin-Trader
Für die Einordnung künftiger Bewegungen nennt der Bericht konkrete Beobachtungspunkte, an denen sich eine echte Trendwende von einem weiteren Einzelereignis unterscheiden lässt:
- Skew-Richtung: Bleibt die Call-Nachfrage im Options-Skew erhöht, spricht das für anhaltendes Käuferinteresse.
- Futures-Kurve: Ein stabiler vorderer Kurvenabschnitt würde auf eine dauerhafte Neubewertung statt auf ein Einzelereignis hindeuten.
- Put-Prämie und Funding: Kehrt die Put-Prämie zurück und lässt die Funding-Aktivität nach, wäre das ein Gegensignal zur Regimewechsel-These.
Die vollständige Auswertung von Glassnode und Bybit ist bei Glassnode Research einsehbar, eine zusätzliche Einordnung liefert LCX.
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