Bitcoin ist am Freitag kurzzeitig auf 79.837 US-Dollar gesprungen, nachdem die US-CPI-Daten für August exakt den Erwartungen der Ökonomen entsprachen. Der Ausbruch war jedoch nur von kurzer Dauer: Innerhalb weniger Stunden wurden am gesamten Kryptomarkt über 732 Millionen US-Dollar an gehebelten Positionen liquidiert, während einzelne Datenanbieter den Bitcoin-Kurs später bei rund 77.500 bis 77.800 US-Dollar zeigten.
Das Wichtigste im Überblick:
- Bitcoin stieg nach den US-CPI-Daten für August kurzzeitig auf 79.837 US-Dollar.
- Insgesamt wurden über 732 Millionen US-Dollar an Krypto-Positionen liquidiert, davon 424 Millionen US-Dollar bei Shorts.
- Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung um 25 Basispunkte stieg auf Prognosemärkten auf 82 Prozent.
- Ray Dalio warnt vor einem stagflationären Umfeld durch steigende Langfristzinsen.
Ein volatiler Handelstag mit zwei Gesichtern
Das US Bureau of Labor Statistics veröffentlichte die August-CPI-Daten exakt im Rahmen der Konsenserwartungen. Bitcoin bewegte sich daraufhin von über 78.000 US-Dollar in einem Flash-Crash gegen 8:30 Uhr EST auf ein Tief von 76.040 US-Dollar, bevor eine ebenso schnelle Gegenbewegung den Kurs zunächst auf 78.000 und anschließend über 79.800 US-Dollar trieb.
Nach einer Konsolidierung oberhalb von 78.500 US-Dollar setzte erneuter Verkaufsdruck ein, der den Kurs auf rund 77.300 US-Dollar zurückwarf. Gegen 12:07 Uhr EST notierte Bitcoin oberhalb von 77.800 US-Dollar, was einem Tagesgewinn von etwa einem Prozent und einer Marktkapitalisierung von nahezu 1,57 Billionen US-Dollar entsprach. Wer die Kursreaktion in einen größeren Zusammenhang einordnen will, findet weitere Hintergründe zum Rückfall unter 77.000 Dollar in unserer Analyse.
Long- und Short-Trader wurden dabei gleichermaßen getroffen: Laut Coinglass-Daten summierten sich Long-Liquidationen auf über 104 Millionen US-Dollar, während Short-Positionen rund 100 Millionen US-Dollar verloren. Marktübergreifend erreichten die glattgestellten Short-Wetten insgesamt 424 Millionen US-Dollar.
Zinserwartungen ziehen trotz erfüllter Prognose an
Obwohl die CPI-Zahlen den Erwartungen entsprachen, stiegen die Wetten auf Prognosemärkten für eine Zinserhöhung der Federal Reserve um 25 Basispunkte auf 82 Prozent. Diese Reaktion zeigt, dass Marktteilnehmer die Daten weniger als Entwarnung, sondern eher als Bestätigung eines bereits engen geldpolitischen Spielraums werten.
Steigen die Realzinsen weiter oder bleibt die Politik länger restriktiv, tendiert Kapital laut Marktbeobachtung dazu, hochvolatile Anlagen zu verlassen. Da institutionelles Kapital Bitcoin weiterhin überwiegend als Risikoasset mit hoher Volatilität behandelt, trifft ein Renditeanstieg die Kryptowährung ähnlich wie Technologieaktien – ein Zusammenhang, der auch in unserer Einordnung zu Anleihemarkt, Liquidität und Risikoappetit beschrieben wird.
Schiff, Brooks und Dalio warnen vor den Folgen
Ökonom Peter Schiff argumentierte im Anschluss an die Daten, dass eine Zinserhöhung damit praktisch gesichert sei und die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Anhebung im Dezember bereits auf 74,2 Prozent gestiegen sei. Aus seiner Sicht dürfte die kurzfristige Erleichterungsrally an den Märkten nicht von Dauer sein, da die Zinsschritte allein nicht ausreichten, um die Inflation zu senken.
Auch Ökonom Robin Brooks sieht in dem robusten CPI-Wert einen Grund, weshalb eine Zinsanhebung kaum vermeidbar sei, sofern das vorrangige Ziel bleibt, die Kreditkosten der US-Regierung unter Kontrolle zu halten. Milliardär Ray Dalio verwies in einem Beitrag darauf, dass die Fed zwar versucht, kurzfristige Zinsen niedrig zu halten, die langfristigen Renditen aber bereits deutlich anziehen – begleitet von einem schwächeren Dollar und Bewegungen am Goldmarkt, die er als stagflationäres Umfeld einordnet.
Warum ein erfülltes CPI-Ergebnis trotzdem Volatilität auslöste
Die Nervosität am Markt kam nicht aus dem Nichts. Bitcoin stand bereits unter bärischem Druck, nachdem knapp 24 Stunden zuvor überraschend heiße Erzeugerpreisdaten (PPI) veröffentlicht worden waren. Der Kurs war dadurch von knapp über 78.000 US-Dollar auf ein Wochentief von 76.651 US-Dollar gefallen, bevor er sich wieder über 77.000 US-Dollar stabilisierte – ein Muster, das die aktuelle Diskussion um die 80.000-Dollar-Marke zusätzlich befeuert.
Was jetzt zu beobachten ist
Die klarste vorausschauende Kennzahl aus den aktuellen Daten bleibt die auf 82 Prozent gestiegene Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Anleger dürften genau verfolgen, ob Bitcoin nach den heftigen Kursschwankungen oberhalb von 78.000 US-Dollar Halt findet oder ob weitere Bewegungen am Anleihemarkt – insbesondere bei den Langfristzinsen – erneuten Druck auf die Liquidität und damit auf gehebelte Positionen erzeugen.
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