Ein neuer Bitcoin Improvement Proposal will festlegen, was mit Coins passiert, die nie auf quantensichere Adressen migriert werden: Sie sollen nach einer Übergangsfrist von rund fünf Jahren dauerhaft unbrauchbar gemacht werden. Der am 11. Februar 2026 offiziell zugewiesene BIP-361 trifft damit potenziell mehr als ein Drittel aller im Umlauf befindlichen Bitcoin.
Das Wichtigste im Überblick:
- BIP-361, mitverfasst von Casa-CTO Jameson Lopp, will Coins in Legacy-Adressen fünf Jahre nach Aktivierung einfrieren
- Über 34 % aller Bitcoin haben ihren öffentlichen Schlüssel bereits on-chain offengelegt und gelten als angreifbar
- McKinsey und im Vorschlag zitierte Roadmaps sehen kryptografisch relevante Quantencomputer zwischen 2027 und 2030 als möglich an
- Rund 1,1 Millionen BTC in frühen Pay-to-Public-Key-Adressen, darunter mutmaßlich Satoshi Nakamotos Bestände, wären direkt betroffen
Was BIP-361 konkret vorsieht
Der Vorschlag mit dem Titel „Post Quantum Migration and Legacy Signature Sunset“ listet sechs Mitautoren, darunter Casa-CTO Jameson Lopp. Er befindet sich derzeit im Informationsstatus und erfordert von Bitcoin-Inhabern noch keine sofortigen Maßnahmen.

Das zugrundeliegende Problem: Bitcoins Kryptografie basiert auf elliptischen Kurven, die ein Quantencomputer mit dem Shor-Algorithmus theoretisch brechen könnte, sobald ein öffentlicher Schlüssel offengelegt wurde. Stand 1. März 2026 betrifft das laut dem Vorschlag mehr als 34 % aller zirkulierenden Bitcoin.
- Phase A: beginnt rund drei Jahre nach Aktivierung eines begleitenden quantenresistenten Adressvorschlags, wahrscheinlich BIP-360, und verbietet Überweisungen an alte Adresstypen
- Phase B: setzt zwei Jahre später ein und erklärt alte Signaturen auf Konsensebene für ungültig – nicht migrierte Coins werden eingefroren
- Phase C: befindet sich noch in der Forschung und soll Inhabern eingefrorener Coins per Zero-Knowledge-Proof über eine BIP-39-Seed-Phrase einen Rückweg ermöglichen
Lopps Position: Verbrennen statt wiederherstellen
Es ist nicht das erste Mal, dass Lopp diese Idee vorbringt. In einem Blogbeitrag von Mitte März 2025 argumentierte er, das Verbrennen anfälliger Coins sei die am wenigsten schlechte Option, da eine spätere „Wiederherstellung“ durch Quantenangreifer Diebstahl faktisch legitimieren und Vermögen in den Händen technologisch fortgeschrittener Akteure konzentrieren würde.
Lopp betrachtet die Frage als spieltheoretisches Problem: Anreize für Nutzer, rechtzeitig auf quantensichere Formate umzusteigen, stärkten Bitcoin langfristig – auch wenn unaufmerksame Inhaber dabei den Zugriff auf ihre Gelder verlieren könnten.
Scharfe Kritik aus der Community
Der Vorschlag stieß auf erhebliche Ablehnung. Der X-Account Cato the Elder bezeichnete ihn als hochgradig autoritär und konfiskatorisch und argumentierte, es gebe keinen guten Grund, ein Upgrade zu erzwingen und alte Ausgaben ungültig zu machen – das Upgrade solle zu 100 % freiwillig sein.
Auch der Top-Kommentar im Reddit-Forum r/cryptocurrency zu Lopps ursprünglichem Blogbeitrag brachte das Kernargument der Kritiker auf den Punkt: BTC höre auf, BTC zu sein, wenn man einen Fork durchführe, um Wallets zu deaktivieren, die man für ein Risiko hält. Andere Nutzer plädierten dafür, im Ernstfall einfach den Kursrückgang aufzukaufen, statt in die bestehenden Regeln einzugreifen.
Einordnung: Prävention gegen Eigentumsprinzip
Die Befürworter von BIP-361 stellen das Einfrieren als defensive statt strafende Maßnahme dar: Wer rechtzeitig migriert, verliert nichts, während unmigrierte Coins ohnehin dem Zugriffsverlust durch Quantenangreifer ausgesetzt wären. Sie verweisen zudem auf die Gefahr eines verdeckten Angriffs, bei dem Adressen über Wochen unbemerkt leergeräumt werden, ohne On-Chain-Warnungen auszulösen.

Kritiker sehen darin dagegen einen Bruch mit dem Grundprinzip, dass das Netzwerk die Regeln für bestehende Outputs nicht rückwirkend ändert. Diese Debatte um Netzwerksicherheit und Protokolländerungen erinnert an andere aktuelle Diskussionen im Bitcoin-Ökosystem, etwa die Debatte um Bitcoin Core und Netzwerkrisiken.
Was als Nächstes zu beobachten ist
BIP-360, das die quantenresistenten Adresstypen einführt, auf denen BIP-361 aufbaut, wurde Anfang 2026 über BTQ Technologies ins Testnetz aufgenommen – ein konkreter Ausgangspunkt für den weiteren Zeitplan.
- Konsensfähigkeit: Ob BIP-361 angesichts der überwiegend negativen Reaktionen überhaupt breite Unterstützung unter Minern und Nodes findet
- Alternative Ansätze: Parallel dazu entwickelt Starkware mit QSB einen Weg zu quantensicheren Transaktionen ohne Soft Fork, der ohne Protokolländerungen auskommt
- Verwahrungsfragen: Für Nutzer alter Wallets rückt die Absicherung eigener Bestände stärker in den Fokus, ein Thema, das auch bei aktuellen Sicherheitsdiskussionen rund um Hardware-Wallets immer wieder auftaucht
Weitere Details zum Vorschlag lassen sich im offiziellen Bericht von Bitcoin.com nachlesen.
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