XRP notiert bei rund 1,06 US-Dollar und hat auf Wochensicht knapp 8 Prozent verloren – ausgelöst durch zwei parallele Belastungsfaktoren: Der US-Senat hat den CLARITY Act kurz vor der Sommerpause vertagt, und die Märkte warten angespannt auf die Fed-Entscheidung vom 29. Juli.
Das Wichtigste im Überblick:
- XRP fällt auf rund 1,06 Dollar, das Wochenminus beträgt knapp 8 Prozent.
- Der US-Senat hat den CLARITY Act vertagt – die Sommerpause beginnt um den 7. August, danach droht eine lange Pause bis 2027.
- Die technischen Indikatoren sind nahezu einheitlich bärisch: Death Cross bestätigt, RSI bei 40,9, ADX bei schwachen 11,2.
- Standard Chartered’s bedingtes Kursziel von 8 Dollar bleibt ohne Senatspassage theoretisch.
- Fed-Chair Kevin Warsh trifft am 29. Juli seine Entscheidung – eine hawkische Haltung könnte XRP weiter in Richtung 1,01 bis 0,97 Dollar drücken.
CLARITY Act: Das Zeitfenster schließt sich
Am Montag hat der US-Senat den CLARITY Act formell zurückgestellt, um einem Russland-Sanktionsgesetz und ausstehenden Nominierungen Vorrang einzuräumen. Das Timing ist brisant: Die Sommerpause beginnt rund um den 7. August. Verpasst der Senat dieses Fenster, könnte der nächste realistische Anlauf erst 2027 kommen. Mehr zum regulatorischen Hintergrund des Gesetzes findet sich in unserem Hintergrundartikel zum CLARITY Act.
Für XRP ist das keine abstrakte Meldung. Der CLARITY Act würde XRPs Status als Commodity gesetzlich verankern – genau die rechtliche Grundlage, die institutionelle Verwahrer, Banken und ETF-Emittenten benötigen, um Produkte darauf aufzubauen. Standard Chartered hat ein bedingtes Kursziel von 8 Dollar formuliert, das an den vollständigen Senatserlass und zusätzliche ETF-Zuflüsse von 4 bis 8 Milliarden Dollar geknüpft ist. Ohne Gesetz bleibt dieses Szenario Makulatur.

Noch Mitte Juli sah es kurzzeitig besser aus: Als Berichte kursierten, dass Präsident Trump der Ethik-Klausel des Gesetzes zugestimmt habe, sprang XRP am 21. Juli um rund 3,25 Prozent auf 1,1485 Dollar. Die Hoffnung hielt knapp eine Woche.
Was die Charts sagen
Die Charttechnik bietet wenig Gegenwehr. XRP handelt in einem bestätigten Death Cross – die 50-Tage-EMA (Exponential Moving Average, kurzfristiger Gleitender Durchschnitt) liegt unter der 200-Tage-EMA, was eine anhaltend negative Mittelfristtendenz signalisiert. Der RSI (Relative Strength Index, Momentum-Indikator auf einer Skala von 0 bis 100) steht bei 40,9 – bärisches Terrain unterhalb der Neutrallinie 50, aber noch nicht im überverkauften Bereich unter 30.
Besonders auffällig ist der ADX (Average Directional Index, misst Trendstärke unabhängig von der Richtung) bei 11,2. Ein Wert unter 25 signalisiert keinen bestätigten Trend; unter 20 dominieren typischerweise Fehlausbrüche und Stop-Hunts. XRP steckt seit Wochen in genau diesem trendlosen Limbo. Das nächste Fibonacci-Unterstützungsniveau nach dem aktuellen Tagestief bei 1,0450 Dollar liegt bei 1,0125 Dollar, darunter folgt die Zone um 0,97 Dollar.
Fed-Entscheidung als kurzfristiger Kipppunkt
Parallel läuft das makroökonomische Risiko. Fed-Chair Kevin Warsh trifft am 29. Juli in seinem zweiten FOMC-Meeting seine Entscheidung. Laut CME FedWatch lagen die Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung zuletzt nahe 38 Prozent – der höchste Wert in diesem Zyklus. Bitcoin notiert bei rund 63.400 bis 64.000 Dollar, deutlich unter den Juni-Hochs um 80.000 Dollar. Altcoins wie XRP tragen die Last überproportional. Die Wechselwirkung zwischen Geldpolitik und Kryptomärkten beleuchtet auch unser Artikel zur Bitcoin-Lage vor der Fed-Entscheidung.

Signalisiert Warsh eine dovische Haltung oder deutet September-Zinssenkungen an, könnte XRP kurzfristig die Fibonacci-Zone zwischen 1,10 und 1,12 Dollar testen. Ein hawkisches Statement oder eine Gegenstimme im Komitee dürfte den Sell-off hingegen in Richtung 1,01 Dollar und darunter bis zur 0,97-Dollar-Zone verlängern.
Was jetzt zu beobachten ist
Zwei Datenpunkte definieren XRPs nächste Richtung:
- Fed-Statement, 29. Juli: Ton und Abstimmungsverhalten entscheiden, ob Risikoassets kurzfristig Luft bekommen oder der Abgabedruck zunimmt.
- Senat vor dem 7. August: Ein überraschender Floor-Vote zum CLARITY Act wäre der einzige legislative Katalysator, der XRP strukturell stützen könnte – ohne ihn bleibt das institutionelle Aufwärtsszenario eingefroren.
Die Gesamtkonstellation spricht für Geduld: Ein marktloses Umfeld mit ADX unter 12 und intaktem Death Cross kann sich länger komprimieren, als die meisten Trader erwarten. Überverkaufte Signale können zwar Strohfeuer-Rebounds auslösen – ohne makro- oder legislativen Katalysator sind diese eher Einstiegsgelegenheiten für Short-Trader als Trendwenden. Eine weiterführende Einschätzung zu On-Chain-Daten und fundamentalen XRP-Entwicklungen bietet unsere aktuelle XRP-Prognose.
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