Franklin Templeton, einer der größten Asset Manager der Welt mit einem verwalteten Vermögen von knapp 1,8 Billionen US-Dollar, positioniert sogenannte Agentic AI als den entscheidenden Wachstumskatalysator für Blockchains – und zieht daraus eine direkte Anlageempfehlung: Wer an der KI-Revolution wirklich verdienen will, braucht nicht nur Nvidia-Aktien, sondern Kryptowährungen wie Solana und Ethereum.
Das Wichtigste im Überblick:
- Franklin Templeton bezeichnet Agentic AI als den „Killer-Use-Case“ für Blockchains.
- Traditionelle Zahlungsnetzwerke sind strukturell ungeeignet für autonome KI-Transaktionen, argumentiert der Asset Manager.
- Sandy Kaul, Head of Digital Assets bei Franklin Templeton, empfiehlt direkte Investments in Kryptowährungen statt nur Tech-Aktien.
- Agentic Commerce – KI-Systeme, die autonom einkaufen und bezahlen – wird laut McKinsey bis 2030 auf 3 bis 5 Billionen Dollar anwachsen.
Was Agentic AI mit Krypto zu tun hat
Agentic AI beschreibt KI-Systeme, die nicht nur Informationen liefern, sondern eigenständig handeln: einkaufen, buchen, bezahlen – ohne dass der Nutzer jeden Schritt absegnen muss. Laut einem von Franklin Templeton zitierten Capgemini-Bericht verschiebt sich KI damit von einem reaktiven Chatbot hin zu einem autonomen System, das mehrschrittige Aufgaben ohne konstante menschliche Kontrolle ausführt.
Das Problem: Traditionelle Zahlungsnetzwerke wurden für menschliche Transaktionsgeschwindigkeit gebaut. Wenn KI-Agenten tausende Mikrozahlungen pro Stunde abwickeln, stoßen Banken und klassische Clearinghäuser an strukturelle Grenzen. Settlement bei Visa dauert ein bis drei Werktage – während Blockchain-Netzwerke Transaktion und Abwicklung in einem einzigen Schritt vollziehen.
Der Geschwindigkeitsvorteil der Blockchain
Franklin Templeton legt die Zahlen offen: Bitcoin verarbeitet rund 7 Transaktionen pro Sekunde (TPS), Ethereum etwa 75 TPS. Neuere High-Performance-Chains liegen deutlich höher – Aptos bei bis zu 12.933 TPS, Solana bei 6.284 TPS, BNB Chain bei 3.252 TPS. Zum Vergleich: Das Visa-Netzwerk verarbeitet 1.700 bis 10.000 TPS im Normalbetrieb.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass Blockchains sowohl Transaktionen aufzeichnen als auch abwickeln, während das Visa-Netzwerk nur Transaktionen aufzeichnet. sondern im Settlement. Während Visa lediglich Transaktionen aufzeichnet und die eigentliche Abwicklung Tage dauert, verbuchen Blockchains beides simultan. Bei einem System, das Tausende Mikrozahlungen pro Stunde auslöst, ist das kein technisches Detail – es ist der strukturelle Kern des Arguments.
Dass dieses Argument Fahrt aufnimmt, zeigt die Marktentwicklung: Coinbase hat bereits Tools lanciert, mit denen KI-Agenten autonom handeln und bezahlen können. Google stellte 2025 ein Zahlungsprotokoll für Agenten vor, das von der Ethereum Foundation unterstützt wird. Am 14. Juli formierte sich die x402 Foundation – 40 organizations including Visa, Mastercard, and AWS – mit dem Ziel, offene Zahlungsschienen für KI zu bauen. Das Protokoll reviviert einen vergessenen HTTP-Statuscode aus dem Jahr 1991, der ursprünglich für Web-Zahlungen reserviert war, und ermöglicht nun Software-zu-Software-Zahlungen direkt über das Internet.

– Franklin Templetons Analyse deckt sich in wesentlichen Punkten mit dieser institutionellen Einschätzung.
Die Investmentthese von Sandy Kaul
Sandy Kaul, Head of Digital Assets and Innovation bei Franklin Templeton, formuliert die Konsequenz direkt: Wer den vollen wirtschaftlichen Wert dezentraler Netzwerke abschöpfen will, müsse die nativen Kryptowährungen dieser Netzwerke kaufen – also Coins wie Solana und Ethereum. Nvidia-Aktien allein reichten nicht.
Die Logik dahinter: Wenn KI-Agenten für Datenzugriff, Rechenleistung und API-Nutzung mit dem nativen Token eines Blockchain-Netzwerks bezahlen, steigt die strukturelle Nachfrage nach genau diesen Coins proportional zum Transaktionsvolumen. Agentic Commerce – also das autonome Einkaufen und Bezahlen durch KI-Systeme – prognostiziert McKinsey bis 2030 auf 3 bis 5 Billionen US-Dollar. Bain & Company schätzt, dass KI-Agenten bis 2030 zwischen 15 und 25 Prozent des gesamten US-amerikanischen E-Commerce-Umsatzes ausmachen könnten.
Was Anleger im Blick behalten sollten
Franklin Templetons Analyse ist kein neutrales Research-Papier – sie ist eine explizite Investmentthese eines Hauses, das selbst Krypto-Produkte verwaltet. Das schmälert die Substanz des Arguments nicht, mahnt aber zur Einordnung. Für deutsche Privatanleger kommt hinzu:
Während die Technologiethese rund um Agentic AI breit anerkannt ist, bleiben regulatorische Fragen offen – etwa wie KYC-Pflichten und Haftungsfragen bei autonom zahlenden KI-Agenten gelöst werden. Die Sicherheitsdimension autonomer KI-Systeme im Krypto-Umfeld bleibt ein ungelöstes Strukturproblem, das den Skalierungszeitplan beeinflussen dürfte.
- Regulatorischer Rahmen: Wie werden KYC- und AML-Anforderungen für autonom zahlende KI-Agenten definiert?
- Settlement-Standards: Ob sich x402 oder ein konkurrierendes Protokoll als Industriestandard durchsetzt, entscheidet mit über die Netzwerk-Präferenz der Agenten.
- Chain-Selektion: Solana und Ethereum führen in der institutionellen Wahrnehmung – aber Aptos‘ TPS-Vorsprung könnte langfristig relevant werden.
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