Der Streit um die Regulierung digitaler Assets in den USA erreicht eine neue Eskalationsstufe. Die American Bankers Association (ABA) hat sich nun mit einem deutlichen Schreiben an die Aufsichtsbehörden gewandt. Der Kern der Kritik: Die Lobbygruppe warnt eindringlich davor, Krypto-Unternehmen Banklizenzen zu erteilen, solange keine staatliche Einlagensicherung garantiert ist.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Die ABA drängt die OCC dazu, mit der Vergabe neuer Banklizenzen zu warten.
  • Die ABA fordert zudem strengere Standards für Kapital und Cybersicherheit.
  • Um Verbrauchertäuschung zu vermeiden, schlägt die ABA vor, dass Unternehmen ohne staatliche Einlagensicherung oder klassisches Bankgeschäft das Wort „Bank“ nicht im Namen führen dürfen.

Das Risiko: Ein System mit zwei Geschwindigkeiten?

Hintergrund des Vorstoßes ist die Sorge vor einer Aufweichung der strengen US-Bankenstandards. Bisher müssen klassische Banken hohe Hürden nehmen, um unter den Schutzschirm der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) zu schlüpfen. Die ABA befürchtet nun, dass Krypto-Fintechs durch „Light-Lizenzen“ – etwa über das OCC – zwar die Privilegien einer Bank genießen könnten, im Krisenfall aber die Kunden im Regen stehen lassen. Ohne die gewohnte Absicherung durch die FDIC fehle schlicht das Sicherheitsnetz, das das Vertrauen in das gesamte Finanzsystem stützt. Für die ABA ist das ein Spiel mit dem Feuer.

Die Argumente im Detail

Dabei geht es den Lobbyisten vor allem um eine drohende Wettbewerbsverzerrung. Krypto-Anbieter könnten ohne die teuren und komplexen Auflagen der Einlagensicherung deutlich günstigere Konditionen anbieten, was in den Augen der ABA einen unfairen Vorteil gegenüber traditionellen Instituten darstellt. Gleichzeitig sorgt man sich um den Anlegerschutz, da Kunden fälschlicherweise glauben könnten, ihr digitales Erspartes sei ebenso sicher wie auf einem klassischen Girokonto.

Letztlich schwingt auch die Angst vor systemischen Risiken mit: Ein lokaler Kollaps bei einem unversicherten Krypto-Dienstleister könnte Schockwellen durch das gesamte Bankwesen senden, für die am Ende niemand die Verantwortung übernehmen will. Die ABA bemängelt dabei, dass die Rollen von Finanzministerium, Fed und FDIC bei der Regulierung von Stablecoins noch nicht final definiert seien.

Ferner weist die Lobbygruppe auch auf weitergehende operationelle Risiken hin. So gehe das Geschäft von Kryptounternehmen selbst dann mit erheblichen Risiken einher, wenn diese keine klassischen Kredite vergeben würden. In diesem Zusammenhang nennt die ABA IT- und Cybersicherheitsrisiken.

Was bedeutet das für den Markt?

Die Warnung der ABA zeigt deutlich, wie groß die Nervosität im traditionellen Finanzsektor ist. Man will mit aller Macht verhindern, dass Krypto-Unternehmen zur „Bank durch die Hintertür“ werden, ohne die vollen Konsequenzen und Pflichten zu tragen. Wie wir bereits berichtet haben, sind die Stablecoin-Gespräche im Weissen Haus zwischen großen US-Banken und Kryptounternehmen neuerlich ins Stocken geraten.

Für Anleger bedeutet das vorerst: Augen auf bei der Wahl der Plattform. Solange der regulatorische Status in den USA ein Flickenteppich bleibt, ist das Siegel „Bank“ bei Krypto-Anbietern nicht automatisch gleichbedeutend mit der Sicherheit, die wir von klassischen Instituten kennen. In Europa blicken wir zwar gespannt auf die MiCA-Regulierung, doch der US-Markt bleibt vorerst der Taktgeber für die globale Stimmung.

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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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