Der Bitcoin-Kurs schwächelt – und sofort schießen die Warnlichter bei Strategy an. Wer die Strategie von Michael Saylor nur oberflächlich verfolgt, sieht in den aktuellen Kursverlusten den Anfang vom Ende. Doch die Realität der Wandelanleihen-Struktur ist deutlich komplexer als das übliche „To the Moon“-Narrativ oder die Untergangsszenarien der Skeptiker.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Strategy hat erneut Bitcoin im Wert von 90 Mio. USD gekauft
  • Die aktuellen Kursverluste am Markt schüren bei Anlegern und Analysten Zweifel an Michael Saylors Strategie
  • Dank günstiger Wandelanleihen stellt sich die aktuelle finanzielle Situation für Strategy noch nicht als kritisch dar.
  • Michael Saylor selbst verspricht weitere BTC-Käufe und prognostiziert eine deutliche Überperformance im Vergleich zum S&P 500

Das Kartenhaus-Szenario: Wenn die Bilanz zum Risiko wird

Die Kritik von Analysten an Michael Saylors Unternehmen Strategy ist nicht neu, trifft aber einen wunden Punkt: Strategy ist längst kein Software-Unternehmen mehr, sondern ein hochgehebelter Bitcoin-Proxy auf Steroiden. Das eigentliche Problem ist dabei weniger der Bitcoin-Preis an sich, sondern das Zusammenspiel aus Zinslast und den strikten Fälligkeiten der Verbindlichkeiten. Während Saylor gebetsmühlenartig wiederholt, dass es keine direkten Margin Calls gibt, ignorieren viele Anleger das Kleingedruckte der Wandelanleihen. Sinkt der Bitcoin-Kurs nachhaltig unter den durchschnittlichen Kaufpreis von Strategy, der aktuell  bei 76.056 USD liegt, schwindet zwangsläufig das Vertrauen der institutionellen Kreditgeber.

Erst jüngst hate das Unternehmen weitere 1.142 Bitcoin im Wert von rund 90 Mio. USD gekauft. Damit beläuft sich die Zahl dervon Strategy derzeit gehaltenen Bitcoins nunmehr auf 714.644 Token. Aktuell liegt der Preis für BTC bei rund 66.900 USD. Allein über die letzten sieben Tage ist der Wert dabei um rund 10 Prozent eingebrochen.

Market Cap

Ein besonders kritisches Signal für den Markt ist dabei das Verhältnis zwischen dem Aktienkurs (MSTR) und dem eigentlichen Wert der gehaltenen Bitcoins. Wenn die Aktie in Korrekturphasen schneller fällt als der Bitcoin selbst, kollabiert der sogenannte „Premium“-Faktor. In diesem Moment zahlen Anleger nicht mehr für einen privilegierten Zugang zu Bitcoin, sondern fliehen panisch vor dem Schuldenrisiko eines Unternehmens, dessen operatives Software-Geschäft die Zinslast der Milliarden-Kredite kaum noch aus eigener Kraft decken könnte.

Warum Saylor (noch) ruhig schlafen kann – Die Anatomie der Schulden

Die Strategie von MicroStrategy basiert nicht nur auf dem Kauf von Bitcoin mit freien Cashflows, sondern in massivem Umfang auf der Ausgabe von Schuldtiteln, sogenannten Wandelanleihen. Diese Finanzinstrumente ermöglichen es dem Unternehmen, Kapital zu günstigen Zinsen aufzunehmen, um weitere Bitcoin zu akkumulieren.

Trotz des aktuellen Abwärtstrends gibt es einen entscheidenden Unterschied zu den gescheiterten Krypto-Plattformen der Vergangenheit wie Celsius oder FTX: Die zeitliche Struktur der Verbindlichkeiten. Strategy hat sich Kapital zu Konditionen gesichert, die fast schon absurd günstig wirken; viele der Wandelanleihen tragen Kupons von unter 1 % oder sind sogar zinslos gestellt, wobei die Rückzahlung erst in den Jahren 2027 bis 2031 fällig wird.

Ein erzwungener Verkauf von Bitcoin ist daher kurzfristig extrem unwahrscheinlich, da es keine unmittelbaren Liquiditätsengpässe gibt, solange das operative Geschäft die minimalen Zinszahlungen bedient. Dennoch bleibt die gesamte Strategie ein gefährliches Spiel gegen die Zeit. Saylor wettet alles darauf, dass die globale Fiat-Inflation den realen Wert seiner Schulden auffrisst, während die begrenzte Menge an Bitcoin im Wert explodiert. Sollte dieser Plan jedoch nicht aufgehen, bevor die ersten großen Tranchen zur Rückzahlung anstehen, wird Strategy nicht als Geniestreich, sondern als das größte Mahnmal für überzogenen Hebel in die Finanzgeschichte eingehen.

Saylors Prognose: Bitcoin schlägt S&P 500 um Längen

Trotz der aktuellen Marktschwäche bleibt Michael Saylor bei seiner extrem bullischen Bitcoin Prognose. So prognostiziert Saylor, dass Bitcoin in den nächsten vier bis acht Jahren die Renditen des S&P 500 Index verdoppeln oder sogar verdreifachen wird. Für Saylor ist Bitcoin das überlegene Asset, das durch seine mathematische Knappheit gegenüber der inflationären Natur von Fiat-Währungen und traditionellen Aktienindizes gewinnen muss. Dementsprechend versicherte Saylor erst jüngst in einem Interview auf CNBC, dass Strategy auch in Zukunft in jedem Quartal weitere Bitcoin kaufen werde.

Saylor beruhigt Anleger regelmäßig, indem er den Fokus weg von der monatlichen Volatilität hin zur dekadischen Performance lenkt. Während der S&P 500 historische Renditen von etwa 10 bis 15 Prozent pro Jahr liefert, sieht Saylor in Bitcoin das Potenzial für exponentielles Wachstum, sobald die institutionelle Adoption weiter voranschreitet. Diese Outperformance ist für ihn die Rechtfertigung, weiterhin aggressiv durch Wandelanleihen Kapital zu beschaffen.

Warum Saylor das Risiko nicht komplett wegdiskutieren kann

Anleger, die in Strategy investieren, müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie kein direktes Bitcoin-Exposure kaufen, sondern eine Wette auf die Volatilität von Bitcoin im Quadrat eingehen. Ein besonderes Augenmerk sollten Investoren dabei auf die Prämie zum Net Asset Value (NAV) legen. Wenn die Marktkapitalisierung von MSTR den Wert der gehaltenen Bitcoins um mehr als 50 % übersteigt, ist das Risiko eines schmerzhaften Rücksetzers massiv, vollkommen unabhängig von der kurzfristigen Kursentwicklung des Bitcoins. Zudem zeigt die Historie deutlich, dass sich die Korrelation zwischen einer Bitcoin-Schwäche und einem MSTR-Abverkauf in Panikphasen nicht linear verhält, sondern sich die Abwärtsspirale durch den Hebeleffekt drastisch verschärfen kann.

Sollte sich die finanzielle Situation für Strategy in Zukunft weiter verschlechtern, besteht zudem auch für den Bitcoin-Kurs an sich eine nicht unerhebliche Gefahr. Ein mehr oder weniger erzwungener Abverkauf von BTC seitens Strategys könnte am Markt eine Kettenreaktion auslösen.

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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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