Bitcoin ist am Donnerstag, dem 5. Februar 2026, zeitweise unter die Marke von 67.000 US-Dollar gefallen und hat damit einen neuen Tiefpunkt in der aktuellen Abwärtswelle markiert. Mehrere Faktoren trafen den Markt gleichzeitig: eine risk-off Stimmung an den Finanzmärkten, zunehmende Liquidationen im Kryptosektor – und vor allem ein politisches Signal aus Washington, das viele Investoren als klare Absage an jede Form staatlicher Stützung interpretierten.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Bitcoin fiel am 5. Februar 2026 zeitweise unter 67.000 US-Dollar und erreichte damit ein Mehrmonatstief.
  • Scott Bessent erklärte im Kongress, das Finanzministerium habe keine Befugnis, Bitcoin zu kaufen oder den Markt zu „retten“.
  • Der Rückgang belastete auch Krypto-Aktien: u. a. Coinbase, Robinhood Markets, Riot Platforms und Strategy gerieten deutlich unter Druck.
  • Michael Burry warnte vor einer möglichen Abwärtsspirale, falls fallende Kurse weitere Zwangsverkäufe auslösen.
  • Als zusätzlicher Belastungsfaktor gilt die Erwartung einer restriktiveren Geldpolitik nach der Nominierung von Kevin Warsh durch Donald Trump zur Ablösung von Jerome Powell im Mai 2026.
  • Der Auslöser, der die jüngste Verkaufswelle beschleunigte, kam aus einer Anhörung im Repräsentantenhaus. In der Sitzung des House Financial Services Committee wurde Scott Bessent unter anderem gefragt, ob das US-Finanzministerium rechtlich überhaupt in der Lage wäre, Bitcoin oder andere digitale Vermögenswerte zu kaufen, um den Markt zu stabilisieren. Seine Antwort fiel eindeutig aus: Weder habe er diese Befugnis, noch liege sie bei ihm in der Rolle als Vorsitzender des Financial Stability Oversight Council. Für den Markt war das mehr als ein juristisches Detail – es war ein Signal, dass es im Zweifel kein staatliches Auffangnetz gibt.

    Dass der Kursrutsch ausgerechnet jetzt so heftig ausfiel, hängt mit der angespannten Marktstruktur zusammen. Seit Monaten bauten sich Risiken auf: Positionsabbau, fragile Liquidität und eine Serie von Rückgängen, die Bitcoin in einen klaren Abwärtstrend gedrückt haben. In dieser Lage wirkt jede Nachricht, die „Rettungsfantasien“ dämpft, wie ein Brandbeschleuniger – weil sie die Risikoprämie erhöht, die Anleger für das Halten von Kryptoassets verlangen.

    Hinzu kommt die geldpolitische Komponente. Die Nominierung von Kevin Warsh als künftiger Fed-Chef wird an den Märkten vielfach als potenziell hawkisher Kurswechsel gelesen – also als Perspektive für länger straffe Finanzierungsbedingungen und weniger Liquidität. Gerade Bitcoin reagiert historisch empfindlich auf Liquiditätsentzug, weil ein großer Teil der Nachfrage in Boomphasen aus risikofreudigem Kapital und gehebelten Strategien kommt. In der Reuters-Einordnung wurde der Schock über die Warsh-Personalie ausdrücklich als Faktor genannt, der die jüngste Schwäche verstärkt.

    Für Investoren ist wichtig zu verstehen, dass der Kursrutsch nicht isoliert bleibt. Die Associated Press verwies darauf, dass die Abwärtsbewegung Krypto-Aktien besonders hart traf: Handelsplätze, Broker und Mining-Unternehmen standen am Donnerstag stark unter Druck. Das ist typisch für späte Phasen einer Korrektur, weil diese Geschäftsmodelle – Handelsvolumen, Spreads, Kreditlinien, Mining-Ökonomie – prozyklisch sind und sich Verschlechterungen im Kryptomarkt überproportional in den Erträgen niederschlagen können.

    Besonders aufmerksam beobachten Marktteilnehmer zudem die großen bilanziellen Bitcoin-Halter. Strategy (vormals MicroStrategy) gilt als prominentestes Beispiel: Wenn der Bitcoin-Preis deutlich unter den durchschnittlichen Einstandspreis großer Treasury-Positionen fällt, verschiebt sich die Debatte von „Buy-and-hold“ hin zu Fragen der Finanzierung, des Risikomanagements und möglicher Kapitalmaßnahmen. Die AP bezifferte den Buchwertdruck anhand der Bestände und des ausgewiesenen Einstandswerts sehr konkret – ein Punkt, den viele institutionelle Investoren als Stressindikator heranziehen.

    In dieses Bild passt auch die Warnung von Michael Burry. Er argumentierte in einem Beitrag, Bitcoin sei in der aktuellen Marktphase weniger „Absicherung“ als vielmehr ein spekulatives Risikoasset – und dass ein anhaltender Preisrückgang selbst wieder neue Verkäufe auslösen könne, etwa über gehebelte Strukturen oder durch Druck auf die Bilanzen größerer Akteure. Ob man diese Einschätzung teilt oder nicht: Für Anleger ist die Kernaussage relevant, weil sie auf das Reflexionsrisiko hinweist, das in stark fremdfinanzierten oder eng miteinander verbundenen Marktsegmenten entsteht.

    Was bedeutet das strategisch für Investoren? Entscheidend ist jetzt weniger das Tagesrauschen als die Frage, ob sich der Markt stabilisieren kann, ohne dass es einen klaren positiven Katalysator gibt. Mehrere Berichte sprechen von einer deutlichen Eintrübung der Stimmung und von einer Phase, in der viele Akteure vor allem Positionen abbauen statt „dip buying“ zu betreiben. Das ist relevant, weil typische Erholungsrallys oft erst dann entstehen, wenn Zwangsverkäufe auslaufen und neue Käufer wieder bereit sind, Risiko aufzunehmen. Solange diese beiden Bedingungen nicht erfüllt sind, bleiben technische Unterstützungszonen zwar sichtbar, aber angreifbar.

    Wer jetzt Allokationsentscheidungen trifft, sollte deshalb drei Dinge trennen: kurzfristige Volatilität, mittelfristige Liquiditätsbedingungen und strukturelle Risiken im Ökosystem. Kurzfristig dominieren Liquidationen und Risikoabbau; mittelfristig wird entscheidend sein, wie der Markt die Fed-Perspektive und die Entwicklung der Realzinsen einpreist; strukturell zählt, ob die Kryptoindustrie den Stress ohne neue Vertrauensschocks (Insolvenzen, Kreditereignisse, starke ETF-Abflüsse) durchsteht. Reuters verwies im Kontext der jüngsten Abwärtsbewegung explizit auf den Liquiditäts- und Risikoaspekt.

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    Thomas Pentzek

    Thomas Pentzek gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zu den deutschsprachigen Autoren, die sich tiefgehend mit Kryptowährungen, Blockchain-Technologien und digitalen Finanzsystemen auseinandersetzen. Dank seiner umfangreichen Erfahrung gelingt es ihm, selbst anspruchsvolle Inhalte so aufzubereiten, dass sie für Leser nachvollziehbar und... Mehr lesen

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