Der Kryptomarkt hat am Mittwoch, dem 4. Februar 2026, die nächste Abwärtswelle erlebt: Bitcoin fiel zeitweise unter 73.000 US-Dollar und traf damit den empfindlichsten Teil des Ökosystems besonders hart – börsennotierte Miner. Während viele Privatanleger erneut auf „Buy the Dip“ setzten, zeigten Kursverläufe und Begleitdaten vor allem eines: Der Abverkauf wird nicht nur von Krypto-internen Faktoren getrieben, sondern zunehmend vom breiten Risikoappetit an den Märkten und vom politischen Umfeld in den USA.
Das Wichtigste im Überblick:
Im Spotmarkt wurde die Schwäche besonders sichtbar, als Bitcoin auf der Börse Binance kurzfristig bis auf rund 72.039 US-Dollar durchgereicht wurde, bevor eine leichte Gegenbewegung einsetzte. Entscheidend ist weniger der einzelne Tick als die Einordnung: Das Niveau markiert erneut einen der tiefsten Stände seit Frühjahr 2025, und der Rückgang vom Hoch im Oktober 2025 fällt inzwischen so groß aus, dass viele Portfolios – selbst nach einem starken Vorjahr – wieder in die Defensive gehen.
Warum ausgerechnet Miner so heftig reagieren
Dass die größten Kursverluste ausgerechnet bei Minern auftreten, ist kein Zufall. Bei Unternehmen wie Marathon Digital Holdings, Riot Platforms oder CleanSpark wirkt ein fallender Bitcoin-Preis gleich mehrfach: Er drückt die Umsätze je geschürftem Bitcoin, während Kostenblöcke wie Energie, Hosting, Wartung und Finanzierung nicht im gleichen Tempo sinken. In einem Umfeld, in dem die Netzwerkschwierigkeit hoch bleibt, verschlechtert sich die Marge schnell – und der Aktienmarkt preist diese Hebelwirkung meist gnadenlos ein.
Hinzu kommt die Frage der „Kapitalmarkt-Fitness“. Viele Mining-Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Expansion über Aktienemissionen, Wandelschuldverschreibungen oder Kreditlinien finanziert. Wenn Kurse fallen und die Volatilität steigt, wird neues Kapital teurer oder schlicht nicht verfügbar. Genau das kann einen Abwärtsstrudel verstärken: sinkender Bitcoin-Preis, sinkende Miner-Bewertungen, weniger Finanzierungsspielraum, potenziell mehr Verkäufe von Beständen zur Liquiditätssicherung.
Eine kleine Gegenbeobachtung gab es dennoch: Nicht alle Titel liefen im Gleichschritt, in einzelnen Märkten fielen die Abschläge deutlich moderater aus – etwa bei der in den Vereinigten Arabischen Emiraten gelisteten Phoenix Group, die laut Marktberichten weniger stark nachgab als US-Peers.
Große Verkäufer, zähe Käufer – das Kräfteverhältnis bleibt kipplig
Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt der Angebotsdruck großer Marktteilnehmer. In den letzten zwei Wochen wurden nach den vorliegenden Berichten zehntausende Bitcoin aus größeren Beständen verkauft, was in einem ohnehin nervösen Markt wie ein permanenter Deckel wirkt: Jede Erholung trifft schnell auf neues Angebot. Gleichzeitig wird zwar sichtbar „in die Schwäche“ gekauft – doch diese Nachfrage reicht nicht immer aus, um die Dynamik zu drehen, solange Makro-Signale und Aktienmärkte gegenlaufen.
Für Investoren ist dabei nicht nur der Spotpreis relevant, sondern auch der Zustand der Derivatemärkte und die Liquidität im Orderbuch. Wenn Liquidationskaskaden bei gehebelten Long-Positionen auftreten, kann ein relativ kleiner Impuls nach unten plötzlich eine größere Bewegung auslösen. Das erklärt, warum runde Marken wie 73.000 oder 70.000 US-Dollar psychologisch und technisch so wichtig sind: Dort bündeln sich häufig Stopps, Optionspositionen und Margin-Schwellen.
Washington mischt sich ein – und der Markt hört genau hin
Zusätzliche Nervosität kam am Mittwoch aus Washington. Scott Bessent erklärte in einer Anhörung vor dem House Financial Services Committee, dass das US-Finanzministerium keine Befugnis habe, Bitcoin zu kaufen oder den Markt zu „retten“. Das ist politisch vor allem ein Signal: Wer auf eine implizite staatliche Absicherung spekuliert, bekommt eine klare Absage.
Solche Aussagen wirken im Kryptomarkt oft stärker als in etablierten Assetklassen, weil das Narrativ – institutionelle Akzeptanz, Regulierungsrahmen, mögliche staatliche Strategien – Teil der Bewertung geworden ist. Kurz gesagt: Wenn der Staat weder Käufer letzter Instanz sein kann noch sein will, erhöht das in Stressphasen die Risikoaufschläge.
Warnungen vor einer „Death Spiral“ – was Anleger daraus ableiten sollten
Für zusätzliche Schlagzeilen sorgte Michael Burry, der vor einer selbstverstärkenden Abwärtsspirale warnte: Ein anhaltender Preisverfall könne über vernetzte Sicherheiten, Margin-Strukturen und Unternehmensbilanzen eine Kettenreaktion auslösen, die am Ende deutlich mehr zerstört als „nur“ Marktwert.
Ob man diese Zuspitzung teilt oder nicht – der Mechanismus ist für Investoren real: Fällt Bitcoin weit genug, geraten Firmen mit großen Beständen, kreditfinanzierte Strategien oder hoher operativer Fixkostenbasis unter Druck. In diesem Zusammenhang schauen viele Anleger besonders auf Strategy und dessen Chef Michael Saylor, weil das Unternehmen stark vom Bitcoin-Kurs abhängt und die Luft bei sinkenden Buchgewinnen dünner wird.
Tech-Selloff, Zinsen, Fed-Nominierung: Bitcoin handelt wieder wie ein Risiko-ETF
Parallel zur Krypto-Schwäche standen US-Technologiewerte unter Druck, insbesondere Softwaretitel. Das ist für Bitcoin relevant, weil die Korrelation in vielen Phasen hoch bleibt – besonders gegenüber dem NASDAQ 100. Wenn „Risk Off“ den Takt vorgibt, wird Bitcoin häufig nicht als Schutz, sondern als zusätzliches Risiko verkauft.
Zu den Treibern zählt auch die Geldpolitik-Erwartung. Ende Januar sorgte die Nachricht für Bewegung, dass Donald Trump Kevin Warsh als künftigen Chef der Federal Reserve nominieren will, wenn die Amtszeit von Jerome Powell als Fed-Vorsitzender im Mai endet. Märkte diskutieren die Personalie als potenziell „hawkish“, also straffer in der Inflationsbekämpfung – und allein diese Erwartung kann Risikoanlagen belasten.
Blick nach vorn: Welche Marken und Signale jetzt zählen
Kurzfristig dreht sich vieles um zwei Ebenen: erstens um die Preiszone knapp oberhalb und unterhalb von 70.000 US-Dollar, weil dort technische Schwellen und Marktpsychologie zusammenfallen; zweitens um die Frage, ob sich der Abverkauf in den Mining-Aktien beruhigt oder weiter eskaliert. Wenn Miner gezwungen sind, mehr eigene Bestände zu verkaufen, würde das Angebot im Spotmarkt steigen – ein Szenario, vor dem Burry explizit warnt.
Gleichzeitig gibt es auch Argumente für eine mögliche Bodenbildung: On-Chain-Beobachter und einige Marktkommentatoren sprechen davon, dass der Markt in eine Phase übergeht, in der weniger Coins „im Profit“ liegen und Verkäufe daher zunehmend aus schwächeren Händen kommen könnten – historisch nicht selten ein Übergang in Richtung Stabilisierung, allerdings manchmal erst nach Monaten.
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