Gold zeigt in den vergangenen Wochen eine auffällige relative Stärke. Auf Jahressicht liegt das Plus bei über 80 Prozent, in den letzten drei Jahren sogar bei mehr als 150 Prozent und damit klar vor Bitcoin. Historisch ist das ein eher ungewöhnliches Bild, zumal die jüngsten Bewegungen beim Edelmetall zeitweise fast parabolisch wirkten.
Viele Anleger flüchten derzeit in den vermeintlich sicheren Hafen, während Bitcoin von diesem Trend noch nicht profitieren konnte. Die Gründe dafür sind vielschichtig.
Dennoch gibt es gute Argumente, warum diese Entwicklung für Bitcoin langfristig nicht negativ, sondern sogar konstruktiv interpretiert werden kann. Genau darauf verweisen auch führende Experten in ihrer Bitcoin Prognose.
Das Wichtigste im Überblick:
- Gold zeigt zuletzt enorme Stärke, doch Bitcoin profitiert nicht von diesem Trend.
- Experten sehen zwei Treiber, die Goldrallye und Bitcoin langfristig strukturell miteinander verbinden.
- Wachsende Schulden und Geldentwertung stärken die Nachfrage nach knappen, politisch unabhängigen Wertspeichern.
- Gold und Bitcoin profitieren, weil beide nicht beliebig vermehrbar und manipulierbar sind.
- Zugleich wächst global der Wunsch, Vermögen selbst zu verwahren, ohne Intermediäre und Abhängigkeit.
- Kurzfristig dominiert Gold, doch der Bitcoin-gegen-Gold-Chart signalisiert mögliche Bodenbildung auf Wochenbasis.
- Der Test des 200-WMA galt historisch häufig als attraktive Kaufchance für Anleger.
Warum die Goldrallye Bitcoin antreiben könnte
Der Bitwise-CIO Matt Hougan bringt die aktuelle Goldrallye auf zwei zentrale Treiber zurück. Beide sind aus seiner Sicht zugleich ein starkes Argument für Bitcoin.
The spiraling price of gold reflects two things:
1) Concerns about debt and debasement
2) The desire to self-custody wealthNot enough people talk about the second force. It's really strong right now at the sovereign level.
— Matt Hougan (@Matt_Hougan) January 26, 2026
Der erste Grund ist die wachsende Sorge um Staatsverschuldung und Währungsabwertung. Weltweit steigen die Schuldenstände, während Notenbanken immer wieder gezwungen sind, mit expansiver Geldpolitik zu reagieren. Für viele Investoren bedeutet das: Die Kaufkraft von Fiat-Währungen steht langfristig unter Druck. Gold profitiert traditionell von diesem Misstrauen in Papiergeld, weil es als knappes, nicht beliebig vermehrbares Gut gilt. Genau hier liegt aber auch die Parallele zu Bitcoin. Auch BTC ist streng begrenzt und entzieht sich politischer Manipulation. Wenn Anleger Gold als Absicherung gegen Entwertung kaufen, folgt daraus logisch, dass sie sich zunehmend auch für das „digitale Gold“ interessieren. In diesem Narrativ ist die Goldrallye kein Konkurrenzsignal, sondern ein Vorbote. Diese zeigt, dass der Markt wieder verstärkt nach harten, knappen Wertspeichern sucht. Das spielt auch Bitcoin strukturell in die Karten.
Der zweite oft unterschätzte Faktor ist der Wunsch nach Selbstverwahrung von Vermögen, also echte Kontrolle über die eigenen Reserven ohne Abhängigkeit von Intermediären. Besonders auf staatlicher Ebene gewinnt dieses Motiv derzeit stark an Bedeutung. Länder und Institutionen wollen Vermögenswerte halten, die nicht eingefroren, sanktioniert oder politisch instrumentalisiert werden können. Gold erfüllt diese Rolle seit Jahrhunderten, weil es physisch besessen und außerhalb des Finanzsystems gelagert werden kann. Doch genau dieses Bedürfnis passt noch präziser auf Bitcoin. BTC lässt sich global, zensurresistent und ohne Mittelsmänner verwahren und transferieren. Wenn Staaten und große Akteure also beginnen, wieder mehr Wert auf echte Souveränität über ihre Reserven zu legen, stärkt das nicht nur Gold, sondern langfristig auch Bitcoin.
Gold dominiert Bitcoin in 2026: Antizyklische Chance?
Kurzfristig ist eine klare Präferenz für Gold zu erkennen. Auch das Handelspaar Gold gegen Bitcoin zeigt im Tageschart derzeit ein bullisches Bild zugunsten des Edelmetalls. Der langfristige Widerstand konnte überzeugend nach oben durchbrochen werden. Nach einer Konsolidierung im November folgten erfolgreiche Retests, zuletzt Mitte Januar auf dem Ausbruchsniveau, bevor die nächste dynamische Aufwärtsbewegung einsetzte. Aktuell notiert Gold gegen Bitcoin über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten, darunter EMA 20, 50, 100 und 200. Auch der RSI bestätigt den Aufwärtstrend, befindet sich jedoch bereits leicht im überkauften Bereich. Damit bleibt weiteres Aufwärtspotenzial möglich, zugleich steigt aber die Wahrscheinlichkeit einer baldigen technischen Korrektur.
Ein Blick auf den Bitcoin/Gold-Chart auf Wochenbasis zeichnet ein deutlich anderes Bild, als es der kurzfristige Vergleich vermuten lässt. Laut dem Analysten Mark Moss testet Bitcoin aktuell erneut den wichtigen 200-Wochen-Durchschnitt. Historisch waren genau diese Zonen immer wieder attraktive Kaufgelegenheiten. In früheren Zyklen fiel der Kurs teils kurzzeitig darunter, doch im Anschluss folgte regelmäßig eine deutliche Erholung.
When you stop measuring Bitcoin in fiat and price it in Gold, the picture clarifies instantly
Every 4 years, BTC revisits the 200 WMA against gold.
Traders wait on the sidelines waiting for confirmation, but for me… a long-term accumulator with a goal of "more bitcoin," it… pic.twitter.com/2Me7cRP0Hd
— Mark Moss (@1MarkMoss) January 25, 2026
Moss argumentiert, dass Bitcoin gemessen in Gold derzeit günstig bewertet erscheint. Auch wenn es kurzfristig noch tiefer gehen kann oder die Schwächephase länger anhält, bot dieses Niveau langfristig immer wieder besonders interessante Chancen.
Institutionen kaufen weiter Bitcoin: Bodenbildung voraus?
Trotz kurzfristiger Volatilität bleibt das institutionelle Interesse an Bitcoin hoch und könnte die Grundlage für eine Bodenbildung legen. Strategy hat zuletzt weitere 2.932 BTC zu rund 90.000 US-Dollar gekauft und hält nun über 712.000 Bitcoin, was etwa 3,4 Prozent des gesamten Angebots entspricht. Parallel dazu spricht Cathie Wood von einer abgeschlossenen Bodenbildung und sieht Bitcoin zunehmend als gereiftes institutionelles Asset. Zwar verzeichnete BlackRocks ETF zuletzt Abflüsse, doch diese sind Teil normaler Rückabwicklungen, während die Bestände weiterhin nahe 780.000 BTC liegen.
Entscheidend ist: Große, langfristige Investoren akkumulieren in Schwächephasen. Wenn starke Hände kaufen, während der Markt auf Schlagzeilen reagiert, entsteht oft unbemerkt ein stabiler Boden.
Bitcoin just sealed its fate!!!
Strategy just added 2,932 BTC at ~$90K, taking its stack to 712,647 BTC.
That’s 3.4% of total supply. Over $8B in unrealized gains. No hedging. No hesitation.At the same time, Cathie Wood is calling the bottom in and reiterating an $800K Bitcoin… pic.twitter.com/PD6zPjJZtm
— Kyle Chassé 🐸 (@Kylechasse) January 26, 2026
Damit lässt sich natürlich dennoch kurzfristig weder eine verlässliche Bodenbildung vorhersagen noch eindeutig bestätigen. Dennoch entstehen genau in solchen Phasen interessante Chancen. Denn wir sehen, dass professionelle Investoren nicht nur Gold akkumulieren, sondern sich parallel auch im Bitcoin-Markt positionieren, oft bewusst antizyklisch. Gerade bei institutionellen Anlegern ist dieses Vorgehen weit verbreitet. Schwächephasen werden genutzt, um Positionen aufzubauen, während die breite Masse noch zögert.
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