Bitcoin startet schwach in die neue Handelswoche und verliert rund zwei Prozent, während sich der Zollstreit zwischen den USA und der EU weiter zuspitzt und die Nervosität an den Märkten erhöht. Die kommenden Tage dürften damit von spürbar höherer Volatilität geprägt sein. Doch nicht nur die Kursentwicklung liefert aktuell Warnsignale: Der jüngste Ausbruch über die Marke von 94.000 US-Dollar erwies sich als nicht nachhaltig und wurde schnell wieder abverkauft.

Parallel dazu zeigt auch eine wichtige Fundamentalkennzahl Schwäche. Die Hashrate des Netzwerks ist zuletzt deutlich zurückgegangen und signalisiert, dass der Druck im Mining-Sektor weiter zunimmt. Zusammengenommen zeichnet sich damit ein zunehmend fragiles Gesamtbild für den Kryptomarkt ab.Crasht die Hashrate aktuell wegen Künstlicher Intelligenz?

Das Wichtigste im Überblick:

  • Die Bitcoin-Hashrate fällt seit Oktober 2025 deutlich und signalisiert wachsenden strukturellen Druck.
  • Miner schalten Geräte ab, da Margen sinken und Energiekosten steigen.
  • Analyst Leon Lyu sieht KI-Rechenzentren als zentrale Konkurrenz um Strom und Infrastruktur.
  • Trotz neuer Hardware verlässt mehr Hashrate den Markt als hinzukommt.
  • Galaxy erwartete diesen Übergang bereits 2024 als langsamen, strukturellen Umbauprozess.
  • Der Hash Ribbon zeigt bisher nur frühe Anzeichen, keine abgeschlossene Miner-Kapitulation.
  • Miner verkaufen moderat Bitcoin, doch Panik oder Zwangsliquidationen bleiben bislang aus.

Bitcoin-Hashrate unter Druck

Die Kennzahl „Total Hash Rate“ misst, wie viele Rechenoperationen pro Sekunde das Bitcoin-Netzwerk insgesamt ausführt. Angegeben wird sie in Terahashes pro Sekunde (TH/s) und beschreibt damit die gesamte Sicherheits- und Rechenleistung, die Miner weltweit bereitstellen. Je höher die Hashrate, desto schwerer und teurer ist es, das Netzwerk anzugreifen, weil mehr Rechenleistung nötig wäre, um Blöcke zu manipulieren. Gleichzeitig gilt die Hashrate als Stimmungsbarometer für das Mining-Ökosystem: Steigt sie, investieren Miner in neue Hardware und sehen wirtschaftliche Perspektiven. Fällt sie, deutet das oft auf sinkende Profitabilität, steigende Kosten oder strukturelle Anpassungen hin.

Hashrate

Seit dem Hoch im Oktober 2025 ist jedoch eine deutliche Korrektur zu beobachten. In den vergangenen Monaten ist die Hashrate spürbar zurückgegangen und hat zuletzt sogar beschleunigt nach unten gedreht. Zwar sind Schwankungen langfristig völlig normal und Teil der Zyklen im Mining-Geschäft. Doch aktuell zeigt sich ein klarer, kurzfristig rückläufiger Trend. Das spricht dafür, dass einige Miner ihre Geräte abgeschaltet haben.

Historisch waren solche Phasen oft Übergangsperioden, bevor sich die Struktur des Netzwerks wieder neu stabilisiert.

Doch was steckt im Jahr 2026 wirklich dahinter?

Mining-Landschaft vor strukturellem Umbruch

Der Analyst Leon Lyu ordnet den jüngsten Rückgang der Bitcoin-Hashrate nicht als kurzfristige Anomalie, sondern als Zeichen eines tiefergehenden Strukturwandels im Mining-Sektor ein. Dass der 7-Tage-Durchschnitt erstmals seit September 2025 wieder unter die Marke von 1 Zettahash pro Sekunde gefallen ist, wertet er als klares Stresssignal. Die erwartete Senkung der Difficulty um rund 4,3 Prozent zeigt, dass das Netzwerk bereits auf abnehmende Rechenleistung reagiert.

Lyu sieht mehrere Treiber: Zum einen verlagern große Mining-Unternehmen Kapazitäten in Richtung KI-Rechenzentren, weil dort aktuell höhere und stabilere Margen erzielt werden können. Zum anderen gewinnen Hardware-Hersteller selbst an Macht, indem sie ihre eigenen Geräte in großem Stil betreiben und so unabhängige Miner verdrängen. Besonders Bitdeer und Bitmain spielen hier eine Schlüsselrolle.

In Summe entsteht laut Lyu ein paradoxes Bild: Obwohl Hersteller zusätzliche Maschinen anschließen, verlässt mehr Hashrate den Markt, als neu hinzukommt. Das unterstreicht den enormen Margendruck im klassischen Bitcoin-Mining. Der Wettbewerb um Strom und Rechenzentren verschärft sich, weil KI-Anwendungen zunehmend zur attraktiveren Alternative werden.

Für Bitcoin bedeutet das kurzfristig Gegenwind, langfristig aber auch eine mögliche Bereinigung und Professionalisierung der Branche.

Miner positionieren sich langfristig neu

Die Analysten von Galaxy haben bereits 2024 sehr klar beschrieben, in welche Richtung sich das Spannungsfeld zwischen Bitcoin-Mining und KI/HPC entwickeln dürfte. Ihr Kernargument: Der KI-Boom ist kein direkter Todesstoß für das Mining, sondern verändert die Allokation von Energie und Infrastruktur. Miner würden zunehmend versuchen, den „Wert eines Elektrons“ zu maximieren – also ihre Standorte dort einsetzen, wo die Rendite am höchsten ist. Wenn sich ein Standort besser für KI-Rechenzentren eignet, wird er umgerüstet. Das bremst zwar das Wachstum der Hashrate, entfernt aber gleichzeitig Konkurrenz aus dem Netzwerk und stützt so die Profitabilität der verbleibenden Miner.

Galaxy erwartete zudem eine stärkere Verlagerung des Minings in Regionen mit „gestrandeter“ Energie, also abgelegene Gebiete mit günstigen Überschüssen. Gleichzeitig beschrieben sie Bitcoin-Mining als strategische Brückenlösung für den Aufbau großer Energie- und Rechenzentrumsinfrastruktur, bis AI/HPC-Nutzer einziehen.

Vor diesem Hintergrund wirkt der heutige Hashrate-Druck weniger überraschend – er ist genau die Übergangsphase, die Galaxy bereits vor zwei Jahren skizziert hat.

Insoweit scheint laut den Experten die folgende Entwicklung unausweichlich:

„Miner, die die Anforderungen für KI/HPC-Standorte nicht erfüllen können, könnten durch einen verbesserten Hashpreis eine höhere Rentabilität erzielen. Da immer mehr Miner offline gehen und der Bitcoin-Preis steigt, wird ein Anstieg des Hashpreises die Gewinnmargen für alle Bitcoin-Miner erheblich verbessern.“

Miner kapitulieren (noch) nicht genug

Doch erleben wir bereits eine Kapitulation der Miner, die eine Trendwende erkennen lässt?

Der sogenannte Hash Ribbon ist ein On-Chain-Indikator. Dieser versucht, Phasen der Miner-Kapitulation im Bitcoin-Netzwerk sichtbar zu machen. Die Grundidee: Wenn Mining unprofitabel wird, schalten viele Miner ihre Geräte ab, die Hashrate fällt – und genau diese Phase markiert historisch oft die Nähe zu zyklischen Tiefpunkten. Konkret vergleicht der Indikator den 30-Tage- mit dem 60-Tage-Durchschnitt der Hashrate. Solange der kurzfristige Durchschnitt unter dem langfristigen liegt, gilt der Markt als in Kapitulation. Erst wenn der 30-Tage-Schnitt wieder über den 60-Tage-Schnitt steigt, signalisiert der Hash Ribbon, dass das Schlimmste vorbei ist. Aktuell befinden wir uns jedoch noch in einer frühen Phase dieses Prozesses. Die Daten deuten eher auf beginnende Anpassungen als auf eine abgeschlossene Kapitulation hin. Entsprechend ist weiterhin mit einer Phase der Konsolidierung im Mining-Sektor zu rechnen.

hash ribbon

Seit Anfang des Jahres zeigt die Metrik BTC: Miner Net Position Change, dass Miner per Saldo wieder Bitcoin verkaufen und ihre Bestände auf den bekannten Miner-Adressen sinken. Das bedeutet: Es fließen mehr Coins aus den Wallets der Miner ab, als neu hinzukommen. Historisch ist dieses Verhalten oft ein Hinweis auf steigenden finanziellen Druck oder sinkende Margen im Mining-Geschäft.

Bitcoin Miner

Kommt die große Kapitulation?

Aktuell bewegen sich diese Abverkäufe jedoch in einem moderaten Rahmen. Von panikartigen oder exzessiven Liquidationen, wie man sie in echten Kapitulationsphasen gesehen hat, kann bislang keine Rede sein. Vielmehr spricht das Bild für eine schrittweise Anpassung und eine Phase der Vorsicht.

Der Analyst João Wedson kommt zu einem ähnlichen Fazit wie andere Analysten. Eine echte Kapitulation der Bitcoin-Miner hat bislang noch nicht stattgefunden. Zwar sieht er mit dem globalen Rückgang der Hashrate ein erstes Warnsignal, das darauf hindeutet, dass einzelne Mining-Betriebe bereits Geräte abschalten. In der Folge beginnt auch die Difficulty zu sinken, liegt aber weiterhin auf einem Niveau, das viele Miner nicht zur Wiederinbetriebnahme ihrer ASICs motiviert. Gleichzeitig bewegt sich der Puell Multiple auf Niveaus wie Anfang 2022. Dies war eine Phase, die ebenfalls von schwacher Profitabilität geprägt war. Hinzu kommen extrem niedrige Gebühreneinnahmen und schwaches On-Chain-Volumen.

Dennoch zeigen laut Wedson Indikatoren wie der Hash Capitulation Oscillator, dass der Markt noch nicht durch die typische Zwangsbereinigung gegangen ist. Vielmehr befindet sich der Sektor in einer fragilen Übergangsphase, in der weiterer Druck eine echte Kapitulation erst noch auslösen könnte.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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