Während in Deutschland die meisten längst geschlafen haben, ist der Kryptomarkt in der Nacht sichtbar aufgewacht. Bitcoin rückte am Mittwoch bis an die Zone um 98.000 USD heran und markierte mit rund 97.700 USD den höchsten Stand seit Mitte November. Das Entscheidende an dieser Bewegung, sie wirkt weniger wie ein kurzer Zuckungseffekt und mehr wie eine Reaktion auf frisches Kapital, vor allem über US-Spot-Bitcoin-ETFs.

Der Auslöser kam schon am Vorabend. Am 13. Januar registrierten die in den USA gelisteten Spot-ETFs auf Bitcoin einen Nettozufluss von 753,73 Millionen USD. Das ist der stärkste Tag seit mehr als drei Monaten und weckt bei vielen Marktbeobachtern Erinnerungen an die Phase, in der ETFs den Markt schon einmal spürbar nach oben gezogen hatten. Damals, am 7. Oktober 2025, lag der Zufluss sogar bei 875,61 Millionen USD.

ETF-Zuflüsse als Treiber: Wer hat gekauft?

Der Blick in die Aufschlüsselung zeigt, dass es kein „One-Hit-Wonder“ war, sondern mehrere Schwergewichte gleichzeitig Nachfrage erzeugt haben. Den größten Anteil zog der Fidelity Wise Origin Bitcoin Fund (FBTC) an: 351,36 Millionen USD. Dahinter folgten Bitwise (BITB) mit 159,42 Millionen, BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) mit 126,27 Millionen und ARK 21Shares (ARKB) mit 84,88 Millionen USD.

Solche Zahlen sind nicht nur hübsch anzusehen. Sie sind für den Markt ein ziemlich klares Zeichen, dass institutionelle Nachfrage wieder anzieht und zwar nicht über irgendwelche exotischen Vehikel, sondern über Produkte, die in klassischen Depots problemlos handelbar sind. Genau diese „Brücke“ in Richtung regulierter Finanzwelt war das Argument, das Spot-ETFs überhaupt so relevant gemacht hat. Wer Bitcoin-Exposure will, bekommt es nun einfacher, schneller und (für viele Investoren entscheidend) in einem vertrauten Rahmen.

Als Folge kletterte Bitcoin am 14. Januar zeitweise bis knapp unter 98.000 USD. Zum frühen Morgen in Europa hielt sich der Kurs stabil über der Zone um 96.000 USD, binnen 24 Stunden ein Plus von mehr als vier Prozent. Wichtig ist dabei auch der Vergleich. Seit dem letzten Anlauf Mitte November hatte Bitcoin die 97.000er-Marke faktisch nicht mehr nachhaltig erreicht. Jetzt steht sie wieder im Raum, diesmal flankiert von ETF-Zuflüssen, die in dieser Stärke seit Monaten ausblieben.

Wale zurück im Spotmarkt – Retail eher über Futures

Noch spannender als der reine Kurs ist die Frage: Wer hat den Markt nach oben geschoben? Hier kommt ein Punkt ins Spiel, der in der Nacht mehrfach diskutiert wurde. Große Trader („Whales“) scheinen wieder stärker im Spotmarkt zuzugreifen, während kleinere Marktteilnehmer dem Move häufig über Futures hinterherlaufen, also mit Hebel.

Rallyes, die von echter Spot-Nachfrage getragen werden, halten statistisch eher länger, weil sie nicht sofort zusammenfallen, sobald Liquidationen auslaufen. Genau dazu passt auch eine weitere Beobachtung aus den letzten Wochen. Bitcoin kam aus einer Phase, in der der Kurs von etwa 84.400 USD wieder Richtung 96.000 USD schob, nicht in einem einzigen Knall, sondern in mehreren Etappen. Solche „Treppenbewegungen“ mit flacheren Rücksetzern gelten vielen als Hinweis auf reale Kaufkraft und nicht nur auf einen erzwungenen Derivateeffekt.

Der ETF-Reset – erst Abflüsse, dann Stabilisierung

Es darf nicht vergessen werden, wie wacklig die Stimmung noch Anfang Januar war. In den ersten Tagen des Monats kam es zu deutlichen Abflüssen aus Bitcoin-ETFs. Über wenige Tage summierten sie sich auf mehr als eine Milliarde USD. Besonders markant waren die Rückgaben am 7. Januar. Trotzdem blieb der Kurs vergleichsweise stabil und hielt sich über längere Zeit in einer Art Korridor, grob zwischen 90.000 und 95.000 USD.

Das wirkt im Nachhinein wie ein „Reset“. Späte Käufer, die nach dem Oktober-Hoch eingestiegen waren, haben Positionen abgebaut. Der Markt hat diese Verkäufe offenbar absorbiert und genau diese Absorption schafft häufig die Grundlage für den nächsten Aufwärtsimpuls.

Makro-Lage: Inflation, Dollar-Schwäche, Fed-Debatte

Zur Dynamik der Nacht passt außerdem das Makro-Bild. Ein niedriger ausgefallener US-Inflationsbericht für Dezember 2025 hat die Liquiditätsfantasie angeheizt. In einfachen Worten: Wenn Inflationsdruck abnimmt, steigt oft die Hoffnung, dass Geldpolitik weniger restriktiv bleibt. Das unterstützt tendenziell Risikoanlagen, und Bitcoin wird von vielen längst als „Liquiditätsbarometer“ gehandelt.

Hinzu kommt eine politische Komponente, die Investoren nervös macht. Berichte über juristischen Druck bzw. Ermittlungsaktivitäten rund um die US-Notenbank verstärken die Debatte um die Unabhängigkeit der Federal Reserve. Solche Schlagzeilen treffen den Dollar und genau in solchen Phasen gewinnen „harte Assets“ an Attraktivität. Gold und Silber haben zuletzt ebenfalls Stärke gezeigt; Bitcoin profitiert in dieser Erzählung zunehmend als „digitaler Wertspeicher“, zumindest in der Wahrnehmung eines wachsenden Teils des Marktes.

Regulierung: Entwurf aus dem Senat als Stimmungsstütze

Als zusätzlicher Treiber kam in der Nacht ein politisches Signal aus Washington. US-Senatoren veröffentlichten einen Entwurf für ein Gesetz, das einen klareren Regulierungsrahmen für den Kryptomarkt schaffen soll, inklusive präziserer Zuständigkeiten der Aufsichtsbehörden. Für die Branche ist das seit Jahren ein Kernanliegen, weil Unsicherheit häufig Investitionen bremst. Selbst wenn unklar bleibt, ob ein solches Gesetz schnell durchkommt, wirkt bereits der Vorstoß wie ein Rückenwind. Institutionelle Anleger reagieren darauf oft sensibler als Privatanleger. Je klarer die Regeln, desto leichter lassen sich große Tickets rechtfertigen.

Technische Marken: 98.000 als Widerstand, 100.000 als Magnet

Charttechnisch wird die Zone knapp unter 100.000 USD jetzt zum Prüfstein. Analysten nennen Bereiche um 98.000 USD als Widerstand, unter anderem weil dort relevante gleitende Durchschnitte verlaufen, die im Markt gern als „Regime-Linie“ interpretiert werden. Ein sauberer Ausbruch könnte den Weg zurück Richtung 100.000 USD öffnenund diese Marke hat nicht nur technische, sondern vor allem psychologische Bedeutung.

Gleichzeitig gilt aber auch, nach einer schnellen Bewegung sind Rücksetzer normal. Wenn kurzfristig zu viele gehebelte Positionen aufgebaut werden, kann schon ein kleiner Gegenimpuls zu Liquidationen führen. Dennoch wirkt der Unterbau diesmal stabiler, weil der Impuls nicht ausschließlich aus Derivaten kommt, sondern auch aus ETF-Zuflüssen und Spot-Käufen größerer Akteure.

Ausblick für den deutschen Morgen

Für den heutigen Tag in Deutschland wird entscheidend sein, ob Bitcoin oberhalb der zuletzt zurückeroberten Bereiche bleibt und ob ETF-Zuflüsse weiter hoch bleiben oder wieder abflachen. Die Nacht hat jedenfalls eine klare Botschaft geliefert. Die Nachfrage ist zurück, und zwar sichtbar. Bitcoin steht wieder dicht an der runden Marke, über die seit Wochen gesprochen wird. Ob der Markt sie sofort knackt oder erst noch Luft holen muss, ist offen. Aber eines lässt sich nach dieser Nacht kaum wegdiskutieren: Die 100.000 USD sind wieder mehr als nur eine Schlagzeile, sie sind erneut ein realistisches Kursziel, das der Markt ernsthaft anvisiert.

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Thomas Pentzek

Thomas Pentzek gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zu den deutschsprachigen Autoren, die sich tiefgehend mit Kryptowährungen, Blockchain-Technologien und digitalen Finanzsystemen auseinandersetzen. Dank seiner umfangreichen Erfahrung gelingt es ihm, selbst anspruchsvolle Inhalte so aufzubereiten, dass sie für Leser nachvollziehbar und... Mehr lesen

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