Seit Monaten steht MSCI, einer der weltweit wichtigsten Indexanbieter, im Zentrum der folgenden Debatte: Sollte der Indexanbieter Firmen aus seinen Benchmarks streichen, deren Bilanzen zu einem erheblichen Teil aus digitalen Vermögenswerten wie Bitcoin bestehen? Kritiker hatten argumentiert, dass sogenannte Digital Asset Treasury Companies (DATCOs) weniger einem klassischen operativen Unternehmen ähneln und daher nicht in MSCI-Indizes gehören. Mitunter wurde schon der Abgesang auf Michael Saylor und das von ihm verbreitete Geschäftsmodell begonnen.
Übrigens hatten die Prognosemärkte zwischenzeitlich einen Ausschluss bereits eingepreist. Bei Polymarket beliefe sich die Wahrscheinlichkeit für ein De-Listing in den letzten Wochen auf mitunter knapp 80 Prozent. Heute brach die diesbezügliche Quote auf 4 Prozent ein.
Nach einer umfangreichen Konsultationsphase hat MSCI jedoch die umstrittene Idee vorerst aufgegeben und bestätigt, dass DATCOs wie Strategy weiterhin in den MSCI-Indizes gelistet bleiben.
Das Wichtigste im Überblick:
- MSCI verzichtet vorerst auf Ausschluss von Strategy und anderen DATCOs.
- Indexüberprüfung Februar 2026 bringt keine sofortigen strukturellen Änderungen.
- Gewichtungen, Neuaufnahmen und Segmentwechsel bleiben für betroffene Titel eingefroren.
- Neue MSCI-Regeln beseitigen automatischen Kaufdruck durch indexnahe Fonds.
- Deshalb bleibt der erwartete positive Kurseffekt für Bitcoin zunächst aus.
- Strategy betont Status als operatives Unternehmen, nicht als Investmentfonds.
- Weitere Konsultationen 2026 sollen Gleichbehandlung und Methodik grundsätzlich klären.
MSCI lässt Krypto-Treasuries vorerst im Index
MSCI hat die mit Spannung erwartete Entscheidung zur Behandlung sogenannter Digital Asset Treasury Companies (DATCOs) veröffentlicht, und vorerst für Entspannung an den Märkten gesorgt. Der Indexanbieter wird den ursprünglich diskutierten Ausschluss dieser Unternehmen aus den globalen Standardindizes im Rahmen der Indexüberprüfung im Februar 2026 nicht umsetzen. Damit bleiben betroffene Firmen, deren Bilanzen zu großen Teilen aus digitalen Vermögenswerten bestehen, zunächst weiterhin in den MSCI-Indizes vertreten, sofern sie alle übrigen Kriterien erfüllen.
Gleichzeitig macht MSCI jedoch deutlich, dass die Debatte damit nicht beendet ist. In den kommenden Monaten soll eine breiter angelegte Konsultation zur generellen Behandlung von nicht-operativen Unternehmen starten. Hintergrund ist die Sorge vieler institutioneller Investoren, dass einige DATCOs eher den Charakter von Investmentvehikeln als von operativ tätigen Unternehmen haben.
MSCI confirmed Digital Asset Treasury Companies will remain in MSCI Indexes for the Feb 2026 review. A strong outcome for neutral indexing and economic reality. Thank you to our investors and the $BTC community.
— Strategy (@Strategy) January 6, 2026
Bis zu einer endgültigen Klärung bleibt der Status quo bestehen, allerdings mit Einschränkungen: Für die betroffenen Titel wird es vorerst keine Gewichtungserhöhungen, Neuaufnahmen oder Segmentwechsel geben. MSCI signalisiert damit klar, dass eine grundlegende Überprüfung der Methodik bevorsteht.
Darum zeigt Bitcoin keine positive Kursreaktion
Eigentlich hätte man eine positive Reaktion im Bitcoin-Markt erwarten können. Schließlich schwebte ein potenzieller Ausschluss aus den Indizes seit Wochen bedrohlich über dem Markt. Dennoch korrigiert Bitcoin heute heftig und fällt wieder unter 91.000 US-Dollar.
Der Analyst von Bull Theory erklärt nun, warum die scheinbar bullische MSCI-Entscheidung rund um Bitcoin-Treasury-Unternehmen wie Strategy bisher keinen unmittelbaren Kursschub bei Bitcoin ausgelöst hat. Zwar sei mit der Bestätigung, dass diese Firmen in den Indizes bleiben, ein wichtiger Unsicherheitsfaktor vom Tisch. Doch gleichzeitig habe MSCI die Spielregeln so angepasst, dass ein zentraler Nachfragefaktor wegfällt.
🚨 WHY BITCOIN IS NOT PUMPING HARD AFTER THE BULLISH MSCI NEWS.
Yes, MSCI confirmed it will keep Bitcoin treasury companies like Strategy in its indexes and this finally ended the removal FUD.
So If this is good news, why isn’t Bitcoin pumping? Because MSCI changed how buying… https://t.co/zrMcwOcfPj
— Bull Theory (@BullTheoryio) January 7, 2026
Bisher profitierten Unternehmen wie Strategy davon, dass jede Kapitalerhöhung automatisch zu zusätzlichen Käufen durch Indexfonds führte. Wurden neue Aktien ausgegeben, mussten Fonds, die MSCI-Indizes nachbilden, einen festen Anteil dieser Papiere kaufen. Dieses „erzwungene“ Kaufinteresse brachte Strategy frisches Kapital, das wiederum häufig in Bitcoin investiert wurde. Dies war ein indirekter, aber wirkungsvoller Nachfrageimpuls für den Markt.
Mit der neuen Regelung entfällt genau dieser Mechanismus. MSCI wird die Aktienanzahl dieser Titel im Index vorerst nicht mehr erhöhen. Das bedeutet: Bei neuen Aktienemissionen gibt es keinen automatischen Kaufdruck durch Indexfonds mehr. Strategy und ähnliche Unternehmen müssen ihr Kapital nun am freien Markt einsammeln, potenziell zu schlechteren Konditionen und in geringerem Umfang. Aus Sicht des Analysten ist das der Hauptgrund, warum Bitcoin trotz der positiven Nachricht nicht sofort stark steigt: Die Angst vor Verkäufen ist weg, aber auch eine wichtige Quelle struktureller Nachfrage.
So begründete Strategy den Index-Verbleib
In seinem Schreiben an das MSCI Equity Index Committee legte Strategy bereits vor einigen Wochen dar, warum ein pauschaler Ausschluss von Unternehmen mit digitalen Vermögenswerten von mindestens 50 Prozent der Bilanzsumme aus Sicht des Unternehmens falsch wäre. Strategy beschreibt sich ausdrücklich nicht als Investmentfonds, sondern als operatives Unternehmen, das Bitcoin aktiv in eine Treasury- und Kapitalmarktstrategie einbettet. Anlegern würden über verschiedene Wertpapiere, etwa Eigenkapital- und Fixed-Income-Instrumente, unterschiedliche Formen von Bitcoin-Exposure ermöglicht. Parallel verweist Strategy auf ein weiterhin betriebenes Software-/Analytics-Geschäft sowie technologische Innovation als Teil des Geschäftsmodells.
Zentral ist zudem das Argument, dass ein digital-asset-spezifischer 50-Prozent-Schwellenwert willkürlich und diskriminierend sei: Viele klassische Branchen hätten ebenfalls stark konzentrierte Asset-Profile (z. B. REITs mit Immobilien, Rohstoff- und Energieunternehmen mit Reserven), ohne als Fonds behandelt zu werden. Strategy führt außerdem an, dass eine solche Schwelle praktisch schwer konsistent umzusetzen wäre, weil Preisvolatilität und Bilanzierungsregeln zu häufigen Wechseln führen könnten. Ergänzend betont das Unternehmen, MSCI solle neutral bleiben und keine policy-ähnlichen Werturteile in die Indexmethodik einbauen. Schließlich plädiert Strategy dafür, Änderungen nur nach vertiefter, breiter Konsultation vorzunehmen – genau das ist wohl jetzt auch die Entscheidung von MSCI.
Die Kernargumente aus dem Strategy-Brief behalten damit weiterhin uneingeschränkt ihre Relevanz: Strategy stellt sich als operatives Unternehmen dar, kritisiert eine digitale-Asset-Sonderbehandlung und warnt vor methodischen Verzerrungen durch starre Schwellenwerte.
Umso spannender werden die angekündigten weitergehenden Beratungen im Jahr 2026. Denn klar ist auch: Strategy dürfte darauf drängen, langfristig wieder vollständig gleichberechtigt behandelt zu werden.
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