Mehrere Krypto-Unternehmen erhöhen derzeit den politischen Druck in Washington und wenden sich mit klaren Forderungen an den US-Kongress. Hintergrund ist die Umsetzung des sogenannten GENIUS Act, der zwar verabschiedet wurde, in der Praxis jedoch laut den Forderungen verwässert zu werden droht.

Nach Einschätzung der Unterzeichner versuchen insbesondere etablierte Banken, ihre Marktposition regulatorisch abzusichern und neue Wettbewerber auszubremsen. Dies gefährde Innovationen im digitalen Zahlungsverkehr und widerspreche dem ursprünglichen Geist der Gesetzgebung.

Um gegenzusteuern, haben führende Akteure aus dem Krypto- und Fintech-Sektor nun einen offenen Brief an den Kongress gerichtet. Das Ziel ist es, eine effektive, faire und innovationsfreundliche Anwendung des bestehenden Rechtsrahmens einzufordern.

Das Wichtigste im Überblick:

  • 125 Krypto-Unternehmen fordern den US-Kongress zur konsequenten Umsetzung des GENIUS Act auf.
  • Ein offener Brief warnt vor nachträglicher Verschärfung bestehender Stablecoin-Regeln durch Banken.
  • Der GENIUS-Kompromiss erlaubt Plattformen Anreize, verbietet aber Zinsen durch Emittenten.
  • Branche warnt vor weniger Wettbewerb, Auswahl und Innovationskraft im Zahlungsverkehr.
  • Tyler Winklevoss kritisiert Bankenlobby und unterstützt Brief mit über 125 Unternehmen.
  • Eine Studie von Coinbase sieht keine Einlagenabflüsse bei Community-Banken.
  • Analysen von Charles River Associates widerlegen zentrale Risiken für kleine Banken.

Offener Brief warnt vor Eingriffen bei Stablecoin-Regeln

Die Blockchain Association hat sich mit einem offenen Brief an den US-Kongress gewandt und vor einer Ausweitung der Stablecoin-Regulierung über den bestehenden gesetzlichen Rahmen hinaus gewarnt. Konkret richtet sich die Kritik gegen Bestrebungen, das sogenannte GENIUS-Gesetz nachträglich so auszulegen, dass auch Belohnungen oder Anreize von Plattformen und Drittanbietern im Sekundärmarkt eingeschränkt oder verboten würden.

Nach Darstellung der unterzeichnenden Unternehmen würde ein solcher Schritt einen bereits ausgehandelten politischen Kompromiss aufbrechen. Der GENIUS Act verbiete zwar ausdrücklich, dass Stablecoin-Emittenten selbst Zinsen oder Renditen an Halter auszahlen. Gleichzeitig habe der Gesetzgeber jedoch bewusst Raum gelassen, damit Plattformen, Zahlungsdienstleister oder andere Marktteilnehmer legale Bonus- und Anreizmodelle anbieten können. Diese Trennung sei zentral, um Risiken auf Emittentenebene zu begrenzen, ohne Innovation und Wettbewerb auf Anwendungsebene zu unterdrücken.

Die Blockchain Association warnt, ein Verbot solcher Programme würde Stablecoins im Zahlungsverkehr strukturell benachteiligen. Banken könnten weiterhin Bonusprogramme für Kreditkarten und andere Zahlungsdienste anbieten, obwohl ihr Geschäftsmodell deutlich höhere Bilanz- und Transformationsrisiken trage. Das Ergebnis wären weniger Auswahl für Verbraucher, stärkere Marktkonzentration und geringerer Wettbewerb.

Besonders betont wird der direkte Effekt auf Konsumenten. In einem Umfeld hoher Leitzinsen blieben klassische Giro- und Sparkonten niedrig verzinst. Stablecoin-Belohnungsmodelle ermöglichten es Plattformen, einen Teil des Zinsumfelds an Nutzer weiterzugeben. Deren Abschaffung würde Haushalte zusätzlich belasten.

Scharfe Forderungen an US-Kongress

Insgesamt mahnt die Branche, den bestehenden Rechtsrahmen nicht vor seiner Umsetzung erneut infrage zu stellen. Denn dies könnte regulatorische Unsicherheit schaffen und den parteiübergreifenden Konsens zur Marktstruktur gefährden.

Die Forderung ist klar:

„Aus diesen Gründen fordern wir den Kongress nachdrücklich auf, alle Bemühungen – sei es im Rahmen der Gesetzgebung zur Marktstruktur oder anderweitig – abzulehnen, die darauf abzielen, rechtmäßige Prämien, die von Plattformen oder anderen Dritten im Einklang mit GENIUS angeboten werden, zu beschränken oder zu verbieten. Die Wahrung des vom Kongress geschaffenen Gleichgewichts ist unerlässlich, um die Verbraucher zu schützen, den Wettbewerb zu fördern und sicherzustellen, dass die Gesetzgebung zur Marktstruktur auf einer überparteilichen und dauerhaften Grundlage vorangetrieben werden kann, anstatt zu einem Instrument zur Festigung bestehender Interessen auf Kosten der Innovation zu werden.“

Der bekannte Krypto-Unternehmer Tyler Winklevoss meldet sich in der Debatte um Stablecoin-Regeln mit deutlichen Worten zu Wort. Seiner Einschätzung nach versuchen Teile der Bankenbranche, Plattformen wie Gemini, Coinbase und Kraken daran zu hindern, Stablecoin-Belohnungen anzubieten. Dabei sei diese Frage durch den GENIUS Act bereits klar geregelt.

Winklevoss spricht von dem Versuch, einen politisch abgeschlossenen Kompromiss erneut aufzurollen, zulasten von Innovation, Wettbewerb und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der USA. Aus diesem Grund habe er gemeinsam mit mehr als 125 Unternehmen den offenen Brief unterzeichnet, um den bestehenden Rechtsrahmen zu verteidigen.

Studie stützt Argumente der Krypto-Industrie

Eine von Coinbase in Auftrag gegebene Studie liefert dabei durchaus zusätzliche Munition für jene Krypto-Unternehmen, die sich mit einem offenen Brief an den US-Kongress gegen eine Verschärfung der Stablecoin-Regeln wenden. Die Untersuchung, die von Charles River Associates durchgeführt wurde, stellt zentrale Befürchtungen der Bankenbranche infrage.

Im Kern geht es um den Vorwurf, Stablecoins könnten Einlagen aus dem klassischen Bankensystem abziehen und insbesondere sogenannte „Community Banks“ schwächen.

Die Autoren analysierten monatliche Daten aus dem Zeitraum 2019 bis 2025 und untersuchten, ob das Wachstum von USD-gedeckten Stablecoins messbare negative Effekte auf die Einlagenentwicklung kleiner Banken hatte. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Über sämtliche ökonomisch belastbaren Modelle hinweg zeigt sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen zunehmender Stablecoin-Nutzung und Abflüssen bei Community-Bank-Einlagen. Selbst unter sehr konservativen Annahmen bliebe der potenzielle Effekt überschaubar.

Damit widerspricht die Studie direkt jenen Argumenten, mit denen Teile der Bankenlobby aktuell versuchen, strengere Einschränkungen bei Stablecoin-Anreizprogrammen zu rechtfertigen. Genau vor diesem Hintergrund erhält der offene Brief der Branche zusätzliche Bedeutung. Die Unterzeichner warnen darin, dass unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes etablierte Marktteilnehmer ihre Geschäftsmodelle absichern wollen, zulasten von Wettbewerb und Innovation im Zahlungsverkehr.

Die Studienergebnisse stützen diese Sichtweise. Sie legen nahe, dass Stablecoins bislang keine relevante Gefahr für die Refinanzierung kleiner Banken darstellen und dass strukturelle Faktoren wie Zinspolitik oder demografische Unterschiede eine deutlich größere Rolle spielen.

Für die Absender des offenen Briefs ist dies ein zentrales Argument: Regulatorische Eingriffe, die über den bestehenden GENIUS-Rahmen hinausgehen, erscheinen demnach weniger evidenzbasiert als politisch motiviert.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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