Die neue Woche startet mit vielen offenen Fragen. Bitcoin kommt nicht vom Fleck, die Stimmung bleibt angespannt. Seit mehreren Tagen pendelt der Kurs in einer engen Spanne. Auf der Unterseite hält sich der Bereich um 87.300 bis 88.000 US-Dollar, auf der Oberseite scheitert Bitcoin immer wieder nahe 94.000 US-Dollar. Diese Marken wurden in kurzer Zeit mehrfach getestet. Ein klarer Bruch blieb bislang aus. Der Markt steckt fest, Bewegung entsteht meist nur durch kurze Abverkäufe, gefolgt von kleinen Erholungen. Für aktive Trader liefert diese Struktur Chancen, für den Gesamtmarkt bedeutet sie vor allem Stillstand.

Die Schwäche kommt nicht aus dem Nichts. In den vergangenen Wochen dominierten Abflüsse aus Bitcoin-ETFs. Parallel dazu nahm der Druck von der Makroseite zu, die Bitcoin Prognose wird düsterer. An den Aktienmärkten war zuletzt eine deutliche Rotation zu sehen. Technologie und KI-Werte gaben nach, während klassische Defensive zulegen konnten. Risikoarme Assets wurden bevorzugt, Risikoanlagen verkauft. Krypto blieb davon nicht verschont. Solange dieses Umfeld anhält, fehlt dem Markt der nötige Impuls für einen nachhaltigen Anstieg.

Makrolage könnte Schwung bringen

Nun könnten die anstehenden Wirtschaftsdaten für neue Bewegung sorgen. Bereits zu Wochenbeginn liefert der Index zum Vertrauen der US-Hausbauer erste Hinweise auf die Stimmung im Immobiliensektor. Am Dienstag folgt der Blick auf den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote wird mit 4,5 Prozent erwartet, nach zuvor 4,4 Prozent. Zusätzlich stehen Einzelhandelsumsätze auf dem Plan, ein wichtiger Gradmesser für die Konsumlaune.

Zur Wochenmitte melden sich mehrere Mitglieder der US-Notenbank zu Wort. Noch entscheidender wird der Donnerstag. Dann werden die neuen Verbraucherpreisdaten veröffentlicht. Die Inflation wird bei rund 3 Prozent erwartet. Jede Abweichung nach oben oder unten kann die Zinserwartungen verschieben. Am Freitag folgen die Daten zu den bestehenden Hausverkäufen. Zusammengenommen ergibt sich eine Woche mit hoher Informationsdichte, die das aktuelle Patt am Markt auflösen könnte.

Internationale Entwicklungen

Auch international bleibt es spannend. Sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Bank of England treffen Zinsentscheidungen. Beide Institute dürften ihre Leitzinsen vorerst unverändert lassen. Überraschungen sind zwar nicht das Basisszenario, würden aber sofort auf die globalen Märkte durchschlagen.

All das geschieht vor dem Hintergrund der US-Notenbanksitzung vor wenigen Tagen, bei der eine Zinssenkung um 25 Basispunkte beschlossen wurde. Für Januar liegt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Senkung aktuell nur bei rund 24 Prozent, es ist eher mit einem stabilen Zinssatz zu rechnen. Viele Marktteilnehmer hoffen dennoch auf mehrere Senkungsschritte im Jahr 2026. Ob es dazu kommt, hängt stark von den nun anstehenden Daten ab, zumal frühere Berechnungen durch Verzögerungen infolge des Regierungsstillstands auf älteren Zahlen basierten.

Wie endet das Krypto-Jahr 2026?

Zum Jahresende kommt ein weiterer Faktor hinzu. Viele Fonds und größere Marktteilnehmer passen ihre Bücher an. Steueroptimierung, Gewinnmitnahmen und Rebalancing sorgen regelmäßig für zusätzlichen Verkaufsdruck. Dieses Muster ist bekannt und verschwindet meist erst mit dem Jahreswechsel. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad hoch, was die Zurückhaltung verstärkt.

Die gedrückte Stimmung zeigt sich auch bei prominenten Marktbeobachtern. Selbst überzeugte Bitcoin-Befürworter greifen aktuell zu ironischen Gesten. Michael Saylor erinnerte mit einem Meme an die Zeit des letzten Krypto-Winters, als Bitcoin auf rund 15.600 US-Dollar gefallen war. Schon damals hatte er öffentlich Durchhaltewillen demonstriert, obwohl der Kurs unter dem Durchschnittspreis seines Unternehmens gelegen hatte. Auch diesmal wirkt der Tonfall bewusst selbstkritisch. Das passt zur allgemeinen Verfassung des Marktes.

https://twitter.com/saylor/status/1999926706799620373

Psychologisch fühlt sich die Lage für viele schwer an. Obwohl Bitcoin deutlich höher notiert als an den Tiefpunkten früherer Zyklen, erinnert die Stimmung an deren dunkelste Phasen. Genau das könnte ein konstruktives Signal sein. Historisch entstanden wichtige Böden häufig dann, wenn Hoffnung Mangelware war. Mehrere Marktbeobachter wie Tom Lee oder Analysten großer Investmenthäuser gehen weiterhin von einem langen Zyklus aus, der sich über 2026 hinausziehen könnte. Klassische Überhitzungsanzeichen blieben bislang aus, eine breite Euphorie war in diesem Zyklus nicht zu beobachten.

Technisch bleibt die Struktur stabil. Die offenen CME-Gaps liegen aktuell auf der Oberseite. Auf der Unterseite wurden sie bereits geschlossen. Der Bereich um 87.000 US-Dollar dient weiterhin als Haltezone. Kurze Sprünge über 90.000 US-Dollar gelangen zuletzt mehrfach, auch der Anstieg auf 94.000 am Freitag hatte gezeigt, wie schnell Bewegung entstehen kann. Noch fehlt jedoch die Anschlussdynamik für eine Altcoin Season.

 

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Stefan Haas
Stefan Haas

Nach dem Maschinenbaustudium war Stefan mehrere Jahre als leitender Angestellter tätig, bevor er 2020 in die Selbstständigkeit wechselte. Erste Berührungspunkte mit Bitcoin hatte er bereits 2016 – damals noch im kurzfristigen Trading. Später baute und betrieb er ein eigenes Mining... Mehr lesen

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