Tom Lee gilt als einer der bekanntesten Wall-Street-Strategen mit Fokus auf den Kryptomarkt und agiert als Chairman der größten Ethereum-Treasury weltweit. Trotz einer massiven Marktkorrektur, Ethereum verlor innerhalb von drei Monaten rund ein Drittel seines Werts, hält Lee an seiner bullischen Grundhaltung fest.

Zwar passte er sein Bitcoin-Kursziel nach unten an, dennoch unterstreicht er seine Überzeugung durch konsequentes Akkumulieren von ETH. So kaufte sein Unternehmen zuletzt erneut Ethereum im Wert von rund 70 Millionen US-Dollar, um die langfristige Position weiter auszubauen.

Das Wichtigste im Überblick:

  • BitMine kaufte 23.773 ETH für 70 Millionen US-Dollar.
  • BitMine strebt fünf Prozent des gesamten Ethereum-Bestands langfristig an.
  • Unternehmen hält trotz Buchverlusten an langfristiger Ethereum-Strategie fest.
  • Fokus liegt auf Staking-Einnahmen und dezentraler Infrastruktur statt Absicherung.
  • Tom Lee erwartet Bitcoin weiterhin über 100.000 US-Dollar dieses Jahr.
  • Flash-Crash löschte Millionen Konten und zerstörte ein Drittel Market Maker.

BitMine setzt auf Ethereum-Dominanz

BitMine Immersion Technologies hat in den vergangenen Tagen erneut ein deutliches Zeichen im Kryptomarkt gesetzt und weitere 23.773 Ether im Wert von rund 70 Millionen US-Dollar erworben.

Der Schritt erfolgt inmitten einer schwächeren Marktphase, was die Strategie des Unternehmens unterstreicht, Kursrückgänge konsequent für den Ausbau seiner Position zu nutzen. BitMine verfolgt seit Längerem das ambitionierte Ziel, rund fünf Prozent des gesamten ETH-Bestands zu kontrollieren und gehört mit einem Bestand von über zehn Milliarden US-Dollar mittlerweile zum mit Abstand größten Ethereum-Treasury im Markt.

eth

Die jüngsten Käufe sind nicht nur rein taktischer Natur, sondern wirken als Signal an den institutionellen Sektor, dass BitMine trotz zwischenzeitlicher Buchverluste an seiner langfristigen Überzeugung festhält. Diese Haltung folgt der Annahme, dass Ethereum in den kommenden Jahren eine zentrale monetäre Rolle im Web3 einnimmt, jenseits spekulativer Preisbewegungen.

Tom Lee bleibt bullisch trotz Markt-Schock

In einem aktuellen CNBC-Interview zeigte sich Tom Lee weiterhin optimistisch, dass Bitcoin bis zum Jahresende über 100.000 US-Dollar notieren könnte. Er räumte ein, dass frühere Kursziele von 100.000 bis 150.000 US-Dollar ambitioniert wirkten, hält die sechsstellige Marke jedoch weiterhin für realistisch, trotz der massiven Korrektur der letzten Wochen. Der jüngste Rückschlag habe das Sentiment zwar stark belastet, verändere aber aus seiner Sicht nichts am strukturellen Aufwärtstrend der Anlageklasse. Nur für 2025 müsse das Kursziel leicht nach unten korrigiert werden.

Besonders ausführlich beschrieb Lee den Flash-Crash vom 10. Oktober, den er als beispiellosen „Armageddon-Moment“ bezeichnete. Ein technischer Fehler löste demnach eine automatische Liquidationskaskade aus, bei der eine enorme Menge an Fremdkapital in den Marktmechanismus zurückschlug. In Folge gingen fast zwei Millionen Konten auf Null, während ein Drittel der Market Maker über Nacht verschwand. Dies sei ein Ereignis, das es in der 15-jährigen Historie von Bitcoin so nie gegeben habe.

Dass dies überhaupt möglich war, führt Lee auf den hohen Leverage-Anteil zurück, der zuvor die Rallye über 120.000 US-Dollar befeuerte.

Trotz des dramatischen Schadens sieht Lee die aktuelle Phase als fortgeschrittenen Bodenbildungsprozess. Historisch habe es nach ähnlichen Kapitulationen etwa acht Wochen gedauert, bis größere Kapitalströme wieder zurückkamen. Allerdings macht Lee eine wichtige Einschränkung: Krypto führt den Markt momentan nicht. Stattdessen erwarte er, dass künstliche Intelligenz der dominante Treiber von Kapitalströmen wird, während digitale Assets kurzfristig hinterherlaufen.

Für Anleger ergibt sich daraus ein nüchternes Bild: Fundamental bullisch, taktisch defensiv. Bitcoin könne sein Jahresziel noch erreichen. Doch der Markt bewege sich in einem Umfeld, das durch extreme Hebel, strukturelle Verluste und eine neue Führungsrolle von AI geprägt ist. Insoweit bleibe Vorsicht geboten.

Federal Reserve als Kurstreiber? 

Tom Lee argumentiert derweil, dass die US-Notenbank in den kommenden Monaten zum entscheidenden Kurstreiber für Risikoanlagen wird. Nach einem volatilen November, in dem der S&P 500 zeitweise sechs Prozent im Minus lag, wertet er den minimalen Monatsgewinn von 0,2 Prozent als Anzeichen struktureller Stärke. Lee verweist auf mehrere Rückenwinde, die Richtung Jahresende einsetzen könnten: das nahe Ende des quantitativen Straffungsprogramms (QT) sowie eine mögliche Zinssenkung im Dezember. Beides würde die Liquidität verbessern, Risikoappetit erhöhen und Kapital aus sicheren Häfen zurück in den Markt drücken.

Aus seiner Sicht wird die Geldpolitik damit zum größten kurzfristigen Katalysator für Aktien und Kryptowährungen. Historisch haben starke Leverage-Märkte, wie der Kryptosektor, besonders sensibel auf geldpolitische Lockerungen reagiert. Denn hier können sich verbesserte Finanzierungskonditionen sofort in Kaufdruck übersetzen.

Historisch führten Fed-Lockerungen zu deutlichen Aufwärtsbewegungen in Ethereum und Bitcoin. Das mache Tom Lee stark bullisch für 2026.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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