Der 24. November sollte eigentlich ein wichtiger Tag für den XRP sein. Während in den sozialen Netzwerken schon seit Wochen fieberhaft spekuliert wurde, ob XRP mit dem Start der ersten großen börsengehandelten Fonds tatsächlich den Sprung in eine neue Liga schafft, blieb die Realität am Montag aber überraschend unspektakulär.

Dass diese Nachricht überhaupt Realität wurde, ist eigentlich bemerkenswert genug. Gleich zwei Schwergewichte der Wall Street – Franklin Templeton und Grayscale – brachten ihre XRP-Produkte an den Start. Für viele Beobachter ist das weit mehr als ein Meilenstein. Es ist ein Signal dafür, dass XRP endgültig dort angekommen ist, wo lange nur Bitcoin und, mit etwas Abstand, Ethereum standen, im regulierten Kern der internationalen Finanzwelt.

Doch während Fondsmanager und Analysten diesen Schritt feiern, zeigte der Kurs selbst kaum Freude. Teilweise driftete XRP sogar leicht nach unten, obwohl die Erwartungen an diesen Tag kaum höher hätten sein können.

Ein Tag, der den Markt eigentlich wachrütteln müsste

Der Ablauf des Tages war eigentlich eine kleine Zäsur für die Branche. Franklin Templeton präsentierte seinen „Franklin XRP ETF“ (XRPZ), Grayscale wandelte den bereits bekannten XRP-Trust in einen Spot-ETF um. Diese beiden Produkte sind keine Testläufe und auch nicht irgendein Nischenangebot für spekulative Daytrader. Es handelt sich um vollwertige Investmentvehikel für institutionelle Kunden, Fonds, Banken und Versicherungen. Also genau jene Zielgruppen, die früher große Bögen um Kryptowährungen machten.

David Mann von Franklin Templeton sagte kurz vor dem Start, XRP habe „eine fundamentale Rolle im globalen Abwicklungssystem“. Das ist kein normaler Werbeslogan, sondern ein Satz, der zwischen den Zeilen erkennen lässt, wie sehr sich die Einschätzung in den Chefetagen großer Vermögensverwalter verschoben hat.

Dafür gibt es Gründe. Ripple hat seinen jahrelangen Konflikt mit der US-Börsenaufsicht SEC beigelegt. Dieser Streit war ein zähes Kapitel in der Geschichte der Kryptowährung. Über Jahre hing die Unsicherheit wie ein grauer Nebel über dem Projekt. Ein Nebel, der Investoren vorsichtig machte und institutionelles Geld fernhielt. Seit einigen Monaten ist dieser Nebel gelichtet. Und genau das nutzten die Anbieter, um ihre Produkte nun offiziell zu starten.

Nicht nur XRP: Die Tür zu ETF-Märkten öffnet sich weiter

Parallel zum XRP-Start genehmigte die New Yorker Börse auch neue Produkte rund um Dogecoin und später Chainlink. Der Dogecoin-ETF von Grayscale (GDOG) hat bereits die letzte Hürde genommen, und ein Chainlink-Produkt (GLNK) soll laut Analyst Eric Balchunas innerhalb einer Woche folgen.

Dass ETF-Anträge inzwischen nicht mehr einzeln und mit großem Abstand voneinander genehmigt werden, sondern fast im „Gruppenpaket“, zeigt eine deutliche Tendenz. Die Regulierungsbehörden sehen digitale Vermögenswerte mittlerweile als vollständig integrierbaren Teil der Finanzmärkte.

Auch andere Anbieter wie Bitwise, 21Shares, CoinShares und WisdomTree arbeiten längst an ihren eigenen XRP-Fonds. Teilweise sind sie schon gestartet. Canary Capital legte mit XRPC sogar den ersten XRP-Spot-ETF in den USA vor und verzeichnete am ersten Handelstag Zuflüsse von über 250 Millionen Dollar, ein erstaunlich kräftiger Auftakt. Es passiert also gerade etwas, das vor zwei Jahren noch wie ein unrealistisches Szenario klang.

Warum der Kurs trotzdem nicht springt

Der wohl meistdiskutierte Punkt unter Anlegern war jedoch die Frage: Warum bleibt der Kurs so träge? Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich: Große Namen steigen ein, regulatorische Hindernisse sind verschwunden, mehrere ETFs starten gleichzeitig, und dennoch wirkt der Chart enttäuschend vorsichtig.

Die Erklärung ist eine Mischung aus Marktpsychologie, Timing und technischer Realität. In den Tagen vor dem ETF-Start war der XRP-Kurs bereits gestiegen. Nicht dramatisch, aber ausreichend, damit kurzfristige Händler Gewinne realisieren. „Sell the news“ — ein altbekanntes Muster in der Kryptoszene — zeigte sich erneut. Sobald das Ereignis eintritt, für das viele spekuliert hatten, schließen Daytrader ihre Positionen.

Das heißt nicht, dass die Nachricht irrelevant wäre. Sie braucht nur etwas länger, um bei den großen Playern anzukommen.

Das Marktumfeld bremst die Euphorie

Dazu kommt die allgemeine Lage am Kryptomarkt. Seit Wochen kämpft der gesamte Sektor mit schwankenden Kursen. Die Stimmung ist angespannt, Bitcoin und Ethereum finden ebenfalls keinen klaren Trend, und XRP ist weiterhin eng mit den großen Coins korreliert.

Die Volatilität bleibt hoch. Rund 71 Prozent annualisiert. In einem solchen Marktumfeld lassen sich sofortige Rallyes nur schwer durchsetzen, selbst wenn die Nachrichtenlage eigentlich positiv ist.

Und doch: Im Hintergrund formt sich ein größerer Trend

Mehrere Experten sehen Parallelen zur Entwicklung der Bitcoin-ETFs Anfang 2024. Damals blieb der Kurs der Kryptowährung in den ersten Tagen ebenfalls erstaunlich neutral. Doch nur wenige Wochen später flossen Milliarden in die neuen Produkte.

Warum, weil institutionelle Anleger anders agieren. Sie springen nicht impulsiv auf eine Nachricht. Sie prüfen, sie vergleichen, sie warten auf Liquidität, auf Volumen, auf Signale anderer Marktteilnehmer. Und dann investieren sie in Tranchen, langsam, aber verlässlich.

Sollte XRP einen ähnlichen Prozess durchlaufen, könnten die Zuflüsse zwischen 2025 und 2026 in den zweistelligen Milliardenbereich gehen.

Die kommenden Wochen: Wichtiger als der Starttag selbst

Während sich auf Social Media viele Anleger über die verhaltene Kursreaktion wundern, richten Analysten den Blick eher auf die nächsten Schritte. Entscheidend wird sein,

  • wie viel Kapital tatsächlich in die neuen ETFs fließt,
  • ob US-Großbanken oder internationale Vermögensverwalter Positionen aufbauen,
  • ob XRP sich vom zunehmend schwächelnden Kryptomarkt lösen kann,
  • und wie sich die Regulierung in Europa und Asien weiterentwickelt.

 

Die Grundlage für institutionelle Beteiligung ist jetzt da. Die Frage ist nur, wann sie in vollem Umfang genutzt wird.

 

 

 

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Thomas Pentzek

Thomas Pentzek gehört seit mehr als einem Jahrzehnt zu den deutschsprachigen Autoren, die sich tiefgehend mit Kryptowährungen, Blockchain-Technologien und digitalen Finanzsystemen auseinandersetzen. Dank seiner umfangreichen Erfahrung gelingt es ihm, selbst anspruchsvolle Inhalte so aufzubereiten, dass sie für Leser nachvollziehbar und... Mehr lesen

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