Derzeit ist im Bitcoin-Netzwerk ein Client mit dem Titel User-Activated Soft Fork (UASF) BIP-444 aufgeführt. Damit scheint das Knots-Lager in der Bitcoin Community die Möglichkeit, einer Soft-Fork auszuloten und diese zu testen.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Bitcoin Knots läuft mit einer experimentellen Version (z. B. 29.2 UASF BIP-444), die auf forkmonitor.info sichtbar ist.
  • BIP-444 ist ein temporärer Soft Fork-Vorschlag, der OP_RETURN auf 83 Bytes beschränkt, um Spam, NFTs und illegale Daten (z. B. CSAM) zu bekämpfen.
  • Der Konflikt teilt die Community in Core (für mehr Flexibilität bei Daten) vs. Knots (für strenge Filter und Bitcoin als reines Geld).
  • Ein Chain-Split ist möglich, aber unwahrscheinlich, da keine Aktivierungsparameter festgelegt sind und Knots derzeit unterlegen ist
  • Derzeit deutet nichts auf die unmittelbare Aktivierung der UASF hin.

Neuer FUD-Herd droht

Als wäre der aktuelle Bärenmarkt (siehe unsere Bitcoin Prognose) nicht genug, könnte der Konflikt zwischen Core und Knots bald zu massivem FUD führen. Laut den aktuellen Daten auf forkmonitor.info läuft der Client „Bitcoin Knots 29.2 UASF BIP444“ als Teil des Bitcoin-Netzwerks. Der Client scheint bislang noch keine eigenen Konsensregeln zu definieren, die diesen Client von anderen Bitcoin-Clients unterscheiden würden. Mit anderen Worten befindet sich der Client in einer Experimentations- oder Vorbereitungsphase.

Sollte das Knots-Lager tatsächlich die Einführung einer User-Activated Soft Fork (UASF) hin, hat dies großes Potential, einen neuen Civil War bei Bitcoin auszulösen. Bei dem konkurriende Versionen in einem Hashwar um die Vorherrschaft der Bitcoin Blockchain buhlen. Derzeit ist die Bitcoin-Community in konkurrierende Lager gespalten, die man nach Node-Zugehörigkeit als Core vs. Knots charakterisieren könnte. Hebt man den Aspekt ihrer Bitcoin-Philosophie hervor, könnte man den Konflikt auch als Spammer/Builder vs Filter bezeichnen.

Was zeigt der Fork Monitor?

Fork Monitor, eine Plattform, die von BitMEX Research betrieben wird, verfolgt den Status verschiedener Bitcoin-Clients und Nodes im Netzwerk. 

Unter den aufgeführten Knoten ist „Bitcoin Knots 29.2 UASF BIP444“ aktiv und online, neben anderen Versionen wie Bitcoin Core 30.99, Bitcoin Core 24.1 und Libre Relay 30.0. Dies deutet darauf hin, dass der UASF BIP444-Client bereits im Netzwerk integriert ist, jedoch ohne sofortige Durchsetzung neuer Regeln.

Derzeit sind Knots-Nodes, die eher dazu geneigt sind die UASF zu unterstützung, eindeutig in der Unterzahl. Nur etwa ein Viertel aller Nodes setzt auf Knots. Bei beiden Seiten gibt es Behauptungen, dass die Zahlen der Nodes aufgebläht sind. Jedoch ist Knots im Konflikt noch immer eine eindeutige Minderheit, was wichtig für die Implikationen der UASF ist.

Das ist UASF BIP-444

Der „Bitcoin Knots 29.2 UASF BIP444“-Client basiert auf einer angepassten Version von Bitcoin Core, die speziell für die Implementierung von BIP-444 entwickelt wurde. BIP-444 steht dabei für das 444. Bitcoin Improvement Proposal. Es handelt sich also um einen Vorschlag zur Verbesserung von Bitcoin, der die Speicherung von Daten im Blockchain-Netzwerk regulieren soll.

Es geht hier konkret um die Einschränkung großer OP_RETURN-Transaktionen, die seit Bitcoin Core v30 erlaubt sind. Die Änderungen soll dazu dienen, Blockchain-Bloat durch große nicht-monetäre Daten einzuschränken. Diese sind für Bitcoin-Anwendungen wie NFTs oder Ordinals essentiell und sind daher einigen Bitcoin Puristen, die Bitcoin gerne ausschließlich für monetäre Transaktionen bewahren wollen, ein Dorn im Auge.

Eine User-Activated Soft Fork (UASF) unterscheidet sich von traditionellen Upgrades dadurch, dass er von den Benutzern und Node-Betreibern initiiert wird, anstatt auf Miner-Zustimmung zu warten. Dies macht den Prozess potenziell kontrovers, da er eine Änderung ohne breiten Konsens erzwingen könnte. 

Chain-Split droht bei Aktivierung

Sollte der UASF aktiviert werden, könnten Nodes, die den neuen Regeln folgen, Blöcke ablehnen, die nicht konform sind. Dadurch kann ein Chain-Split entstehen zwei parallele Blockchains mit unterschiedlichen Regeln. Wobei die Chain mit der geringeren Hashpower als Bitcoin Alternative gilt. Knots ist dabei definitiv die Minderheit und es ist die Frage, ob und welche Miner dazu bereit wären, die Fork auch bei voraussichtlichen finanziellen Verlusten mitzutragen.

Bisher scheint die Fork noch keine Aktivierungsparameter (z. B. Blockhöhe oder Zeitstempel) festgelegt zu haben, worauf beispielsweise Bitmex Research hinweist. Das bedeutet derzeit zumindest, dass der Client derzeit im Testmodus läuft und keine Blöcke ablehnt.

Derzeit hat Knots wahrscheinlich nicht die Resourcen, um den Chain-Split durchzusetzen und einen möglichen Hash-War zu gewinnen. Mit größerer Wahrscheinlichkeit sehen wir lediglich eine Test- und Experimentierphase. Einen erneuten Bitcoin Civil War wie in 2017 sehen wir derzeit nicht wirklich drohen. Das Bitcoin-Knots-Lager dürfte sich derzeit zu sehr bewusst sein, dass es unterlegen ist. Da der neuen Chain eine Marginalisierung droht, bei der nur wenige Anleger dazu geneigt sein werden, in die neue Kryptowährung zu investieren, ist das finanzielle Risiko derzeit zu groß.

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Michael Sprick
Krypto Journalist

Michael Sprick ist ein freiberuflicher Journalist und Content Writer mit Schwerpunkt Blockchain und Web3 und wohnt in Barcelona. In der Vergangenheit hat er u.a. für btc-echo.de und für die BSV Blockchain Association gearbeitet. Mehr lesen

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