Cronos hat am Sonntag die komplette Blockproduktion eingestellt, nachdem ein Angreifer das Lending-Protokoll Tectonic attackiert hatte. Schätzungen zur Schadenshöhe liegen zwischen rund 66 und etwa 75 Millionen US-Dollar. Crypto.com erklärte zugleich, dass die eigene App und Börse von dem Vorfall nicht betroffen waren.
Das Wichtigste im Überblick
- Cronos stoppte am 30. August die gesamte Blockchain, nachdem Tectonic angegriffen wurde.
- Schätzungen zur Schadenssumme liegen bei rund 66 bis 75 Millionen US-Dollar.
- Rund 60 Millionen US-Dollar blieben auf Cronos, während etwa 6 Millionen US-Dollar vor dem Stopp Ethereum erreichten.
- Crypto.com erklärte, dass App und Börse normal weiterliefen; ein Postmortem wurde angekündigt.
Cronos stoppt Blockproduktion nach Tectonic-Exploit
Tectonic war das größte Lending-Protokoll auf Cronos, als es angegriffen wurde. Cronos Network erklärte, den Exploit identifiziert und daraufhin die Blockproduktion angehalten zu haben.
Die Angaben zur Schadenshöhe unterscheiden sich je nach Analyse. Der On-Chain-Researcher Weilin Li bezifferte den Drain zunächst auf rund 66 Millionen US-Dollar; später wurde eine Größenordnung von etwa 75 Millionen US-Dollar genannt. Von dieser Summe erreichten laut Li nur rund 6 Millionen US-Dollar Ethereum, bevor die Chain angehalten wurde. Etwa 60 Millionen US-Dollar, rund 91 Prozent der Beute, verblieben auf Cronos.
Crypto.com hat Cronos als Ethereum-kompatible Chain aufgebaut und gibt den CRO-Token aus, der das Netzwerk absichert. Tectonic ist jedoch kein Produkt der Börse: Das Protokoll startete im Dezember 2021 aus dem Cronos-Labs-Inkubator und operiert unabhängig. Die Aussage von Crypto.com betrifft damit App und Börse, nicht unmittelbar die Einlagen bei Tectonic. Eine Zusage zur Rückzahlung für Tectonic-Einleger lag zunächst nicht vor.

Was der Vorfall für Cronos und Tectonic bedeutet
Tectonic war kein Nischenprodukt. Nach Daten von DefiLlama hielt das Protokoll rund 121,6 Millionen US-Dollar und damit etwa 46 Prozent des gesamten DeFi-Werts auf Cronos. Der nächstgrößte Lending-Anbieter auf der Chain kam demnach nur auf rund 30.000 US-Dollar. Damit hatte Tectonic eine zentrale Rolle im Lending-Markt des Netzwerks.
Weilin Li beschrieb den Angriff als Pump-and-Borrow-Angriff im Stil des früheren Mango-Markets-Falls. Der Governance-Token TONIC verfügt bei Tectonic über einen Collateral-Faktor von 20 Prozent und weist laut Li eine geringe Liquidität auf. Nach seiner Einschätzung ermöglichte diese Kombination, den Preis des Tokens zu erhöhen und die überbewertete Sicherheit für umfangreiche Kredite einzusetzen.
Crypto.com und Cronos reagieren auf den Sicherheitsvorfall
Cronos Network teilte mit, den Exploit entdeckt und die Blockproduktion angehalten zu haben. Tectonic warnte seine Nutzer, die Plattform bis zum Abschluss der Untersuchung nicht zu nutzen.
Crypto.com-CEO Kris Marszalek erklärte, dass App und Börse des Unternehmens normal weiterliefen und nicht kompromittiert worden seien. Er kündigte ein vollständiges Postmortem nach Abschluss der Untersuchung an. Ein Zeitpunkt dafür wurde nicht genannt.

Marktreaktion: CRO bleibt zunächst stabil
Trotz des Exploits blieb der Kurs des CRO-Tokens zunächst weitgehend unbeeinträchtigt und stieg um knapp 5 Prozent. Dass ein großer Teil der geschätzten Mittel vor dem Stopp nicht von Cronos transferiert wurde, fiel mit dieser Kursentwicklung zusammen.
Welche Fragen jetzt offen sind
Im Zentrum steht nun das angekündigte Postmortem von Cronos und den beteiligten Teams. Es soll weitere Klarheit über Ursache und tatsächliche Schadenshöhe schaffen. Offen bleibt außerdem, wann die Blockproduktion wieder regulär aufgenommen wird und wie mit den rund 60 Millionen US-Dollar verfahren wird, die weiterhin auf der Chain verblieben.
Für Tectonic-Einleger bleibt insbesondere die Frage nach einer möglichen Entschädigung offen. Weder Cronos noch Tectonic hatten hierzu zunächst eine offizielle Zusage veröffentlicht.
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