Bitcoin hat die 200-Tage-Linie zurückerobert und steht kurz vor einem sogenannten Golden Cross – einem Signal, das viele Marktteilnehmer als Bestätigung eines neuen Aufwärtstrends werten. Der Kurs notiert aktuell bei rund 80.000 US-Dollar, nachdem er im Wochenverlauf über 81.000 US-Dollar erreichte. Zwischen kräftigen ETF-Zuflüssen und einer möglicherweise bevorstehenden Zinserhöhung entscheidet sich, ob die Marke von 100.000 US-Dollar bis Ende 2026 wieder in Reichweite kommt.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Bitcoin notiert bei rund 80.000 US-Dollar, nach einem Anstieg von knapp 63.000 auf über 81.000 US-Dollar innerhalb von zwei Wochen – der stärkste August seit 2017.
  • Die 200-Tage-Linie wurde erstmals seit neun Monaten überwunden, ein Golden Cross zeichnet sich ab, ist aber noch nicht bestätigt.
  • US-Spot-Bitcoin-ETFs sammelten an acht Handelstagen in Folge 2,8 Milliarden US-Dollar ein – die längste Zuflussserie seit April.
  • 21Shares hält an einem Basisszenario von 100.000 US-Dollar bis Jahresende fest, macht dies aber von sinkenden Zinsen abhängig.
  • Der Terminmarkt preist aktuell eher eine Zinserhöhung im September ein als eine Senkung – ein zentrales Risiko für das Kursziel.

Bitcoin bei 80.000 Dollar: Rally, Widerstände und Unterstützungen

Der Bitcoin-Kurs hat zwei außergewöhnliche Wochen hinter sich. Vom 14. August bei knapp 63.000 US-Dollar ging es zunächst auf über 79.000 US-Dollar, ehe am 28. August die Marke von 81.000 US-Dollar fiel. Für den August steht damit ein Plus von rund 23 Prozent zu Buche – der stärkste Monat seit August 2017.

Charttechnisch ist das nächste Etappenziel das Mai-Hoch bei 82.814 US-Dollar, an dem den Käufern zuletzt die Puste ausging. Nach unten hat sich die Lage entspannt: Die 200-Tage-Linie im Bereich von rund 69.000 US-Dollar ist vom Widerstand zur ersten Auffanglinie geworden. Darunter gilt die Marke von 58.000 US-Dollar als Verteidigungslinie, während die aggregierte Kostenbasis aller Anleger bei 54.000 US-Dollar liegt – eine Schwelle, die der Kurs im gesamten Abschwung nicht unterschritten hat.

Parallel dazu hält die Nachfrage über US-Spot-Bitcoin-ETFs an: Acht Handelstage in Folge flossen ihnen zusammen 2,8 Milliarden US-Dollar zu, die längste Serie seit April. Eine ausführlichere Einordnung der 80.000-Dollar-Marke zeigt, wie stark dieses Zwischenniveau bereits verteidigt wurde.

Golden Cross und technische Signale: Was muss für 100.000 Dollar passieren?

Für die 100.000-Dollar-These liefert das Chartbild einen wichtigen Baustein. Die 50-Tage-Linie bei 64.518 US-Dollar hat sich der 200-Tage-Linie im Bereich um 69.000 US-Dollar deutlich angenähert und beginnt nach oben zu drehen. Kreuzt sie die längere Linie von unten, entsteht ein Golden Cross – ein Signal, das viele Anleger als Bestätigung eines neuen Aufwärtstrends lesen.

Bislang ist dieses Kreuz aber nicht vollzogen. Bitcoin hat die 200-Tage-Linie, die vielen Marktteilnehmern als Trennlinie zwischen Bullen- und Bärenmarkt gilt, erstmals seit neun Monaten zurückerobert. Das reicht als Signal noch nicht aus, entscheidend wird die Stellung der beiden Durchschnitte zueinander in den kommenden Wochen.

Ein Teil der Rally ist ohnehin technischer Natur: Nach Daten des Derivate-Anbieters CoinGlass mussten bis Freitag mehr als vier Milliarden US-Dollar an bärischen Positionen liquidiert werden. Alex Kuptsikevich, Chefmarktanalyst bei FxPro, führt den Kursschub maßgeblich auf diese Welle von Short-Eindeckungen nach wochenlang extrem engem Handel zurück – nicht zwingend auf neue, nachhaltige Nachfrage.

Bull Case: ETF-Nachfrage, Knappheit und das 100.000-Dollar-Ziel von 21Shares

Der Vermögensverwalter 21Shares hält trotz der jüngsten Schwankungen an seinem Basisszenario einer Erholung auf 100.000 US-Dollar bis Ende 2026 fest. Die Begründung ist zyklisch: Der Bereich um 60.000 US-Dollar liegt in jenem Fenster, in dem alle drei bisherigen Bitcoin-Zyklen ihren Tiefpunkt erreichten – rund ein Jahr nach dem jeweiligen Höchststand und zweieinhalb Jahre nach dem Halving. Käufe in diesem Zeitfenster brachten historisch im Schnitt eine Wertsteigerung von rund 130 Prozent bis zum nächsten Halving.

Auch der Vergleich mit früheren Abschwüngen fällt milde aus: Der aktuelle Rückgang von rund 54 Prozent steht gegen Bärenmärkte vergangener Zyklen mit teils mehr als 80 Prozent Verlust. Gestützt wird das Bild von der Nachfrageseite: Im gesamten August sammelten US-Spot-Bitcoin-ETFs über drei Milliarden US-Dollar ein, mehr als in jedem anderen Monat des Jahres – nach einem Frühsommer, in dem dieselben Produkte über zwölf Handelstage rund vier Milliarden US-Dollar verloren hatten.

Hinzu kommt ein makroökonomisches Argument, das den Zusammenhang zwischen US-Anleiherückkäufen und Bitcoin-Liquidität beleuchtet: Da Bitcoin durch den Programmcode auf 21 Millionen Stück begrenzt ist, profitiert es von der Sorge, Washington nehme höhere Inflation zur Schuldenreduzierung in Kauf. Ob dieser Rückenwind ausreicht, hängt auch davon ab, ob institutionelle Kapitalzuflüsse den Zyklus über die reine ETF-Nachfrage hinaus verlängern.

Risiken: Zinsen, geopolitische Bedingungen und fehlendes frisches Kapital

Chefanlagestratege Adrian Fritz von 21Shares knüpft seine Prognose an zwei konkrete Bedingungen: sinkende Zinsen und ein Ende des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Bei Letzterem hat sich zuletzt etwas bewegt, die Einigung über die Straße von Hormus hat den Ölpreis deutlich gedrückt. Die Zinsbedingung dagegen entfernt sich eher: Der Terminmarkt preist derzeit eine Zinserhöhung im September mit 35 Prozent Wahrscheinlichkeit ein, statt der für 100.000 US-Dollar nötigen Senkung.

Auch die Nachfrageseite gibt Anlass zur Vorsicht. Das Analystenteam der Handelsplattform Bitfinex beschreibt die jüngste Bewegung als Squeeze, bei dem die Nachfrage am Spotmarkt zwischen 77.100 und 80.000 US-Dollar lediglich das dort liegende Angebot aufgesogen habe. Offen bleibt, ob nach dem Abarbeiten dieser Zone genug frisches Kapital nachkommt – oder ob der Kurs an der Unterstützung um 69.000 US-Dollar und darunter bei 58.000 US-Dollar erneut getestet wird.

Ausblick: Kann Bitcoin 2026 die 100.000-Dollar-Marke zurückerobern?

Nach Einschätzung von 21Shares bleibt 100.000 US-Dollar bis Ende 2026 das Basisszenario – allerdings ausdrücklich an sinkende Zinsen und eine ruhigere geopolitische Lage geknüpft, nicht an einen Selbstläufer. Kurzfristig entscheidet sich an der 82.814-Dollar-Marke, dem Mai-Hoch, ob aus der Erholung ein tragfähiger Trend wird.

Gelingt der Ausbruch und bestätigt sich das Golden Cross, wäre der Weg zur runden Marke technisch frei. Scheitert Bitcoin dagegen erneut am Widerstand und rutscht unter die Zone um 69.000 US-Dollar zurück, bliebe die 100.000-Dollar-Prognose vorerst das, was sie aktuell ist: ein plausibles, aber noch unbestätigtes Basisszenario.

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Christoph Peterson
Christoph Peterson
Krypto Redakteur

Vor einigen Jahren hat Christoph das Thema Kryptowährungen für sich entdeckt und ist seither leidenschaftlich als Autor und Enthusiast in diesem Bereich aktiv. Sein Interesse gilt vor allem den Themen Kryptowährungen, Blockchain-Technologie und Security Token Offerings (STOs). Als regelmäßiger Autor... Mehr lesen

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