XRP hat in nur 6 Tagen rund 30 Prozent zugelegt. Laut Tokentus CEO Oliver Michelmwirkt der Antrieb dahinter erstmal simpel: Die Support-Zone zwischen 1,80 und 2,00 US-Dollar hatte gehalten, von dort aus setzte eine schnelle Erholung ein. Trotzdem bleibt es aus charttechnischer Sicht nur ein Zwischenschritt. Entscheidend bleibt der Bereich zwischen 2,50 und 2,70 US-Dollar. Dort liegt die Hürde, die den Move von „netter Rebound“ zu einer belastbaren Trendbewegung macht. Erst wenn XRP dort sauber durchläuft, entsteht wieder Luft nach oben, inklusive der Chance auf weitere starke Tageskerzen.

Vielversprechender Start in das neue Jahr, Quelle: Interview von “Der Aktionär TV” auf https://www.youtube.com/watch?v=HkLhzmWWbF8

Als zusätzlicher Faktor wird die ETF-Dynamik diskutiert. Bei XRP-Spot-ETFs fällt auf, dass bislang vor allem Zuflüsse dominieren. Das nimmt Angebot aus dem Markt, während Käufer weiter Druck machen. Im Ergebnis kann so eine Rally schneller laufen als bei Coins, die gerade nur „mitgezogen“ werden. Trotzdem bleibt die Kernaussage nüchtern: Solange die Zone 2,50 bis 2,70 US-Dollar nicht fällt, ist der Sprint zwar schön im Chart, aber noch kein Freifahrtschein für eine neue Trendphase.

Parallel dazu bleibt die Bitcoin-Dominanz ein stiller Indikator. Wenn XRP und einzelne große Altcoins Bitcoin zeitweise abhängen, muss Dominanz rechnerisch sinken. Nur passiert das bislang nicht stark genug, um von einem echten Umschalten des Marktes zu sprechen. Es wirkt eher wie ein erstes Aufwärmen im Risiko-Segment, nicht wie eine breite Rotation in die zweite Reihe und zu einer Altcoin Season.

Makro-Woche mit Fed-Fokus, Venezuela wird abgehakt

Der Jahresstart 2026 bringt nicht nur grüne Kerzen, sondern auch einen vollen Datenkalender. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für Dezember kam am 5. Januar mit 47,9 Prozent an, erwartet waren 48,3 Prozent. Unter 50 Prozent bleibt das Bild klar: Abkühlung. Das hilft zwar kurzfristig Risiko-Assets, weil schwächere Konjunktur die Debatte um Zinssenkungen wieder lauter macht. Gleichzeitig entsteht aber auch mehr Unsicherheit, wie stabil Wachstum und Unternehmensgewinne wirklich bleiben.

 

In den nächsten Tagen folgen weitere Bausteine für die Fed: ADP-Daten, JOLTS-Job Openings und am Freitag der große Arbeitsmarktbericht mit NFP und Arbeitslosenquote. Gerade die Arbeitslosenquote war in den vergangenen Monaten eher aufwärts unterwegs. Je nachdem, wie diese Zahlen ausfallen, kann das die Erwartungen an den 28. Januar verschieben. Der Markt preist aktuell weiter ein, dass die Fed Ende Januar eher stillhält, während eine erste Senkung eher Richtung Frühjahr diskutiert wird. Aber solche Wahrscheinlichkeiten kippen schnell, wenn die Datenserie plötzlich klarer wird.

Geopolitik bleibt zwar präsent, wird aber gerade kaum gehandelt. Der US-Einsatz in Venezuela und die Festnahme von Nicolás Maduro hätten über den Ölpreis ein Thema werden können. Bislang blieb die Reaktion überschaubar. Das passt zur aktuellen Marktpsychologie: Viele Schocks werden zunächst registriert, dann aber wieder weggeschoben, solange Liquidität und Trend in den großen Indizes nicht brechen.

Bitcoin in der Range, Ethereum bleibt im Niemandsland

Bitcoin lief zuletzt an die Zone um 95.000 US-Dollar heran, prallte aber wieder ab. Das bestätigt das Bild einer Range. Innerhalb dieser Spanne geht es weniger um große Prognosen, sondern um saubere Markenarbeit: oben Widerstand, unten Rücklaufzonen.

Dazu kommen die oft zitierten CME-Gaps als mögliche Magnetbereiche. Genannt werden vor allem Zonen um 88.200 bis 88.800 US-Dollar sowie ein weiterer Bereich, der je nach Chart-Definition grob zwischen 90.500 und 96.000 US-Dollar liegt. Wenn der Markt keinen frischen Impuls bekommt, ist ein Rücksetzer zum „Aufräumen“ solcher Zonen zumindest plausibel.

Spannend ist der Spagat zwischen Wochen- und Monatsbild. In der Wochenansicht wirkt der Trend noch intakt, inklusive der Hoffnung auf eine Fortsetzung Richtung 140.000 bis 150.000 US-Dollar. In der Monatsansicht steht dagegen das schwache letzte Quartal im Raum. Drei rote Monate hintereinander drücken das Sentiment, auch wenn der Januar bislang freundlich startet. Genau daraus entsteht diese Gabelung, die aktuell alles dominiert: Fortsetzung der Trendbewegung mit höheren Hochs oder nur eine Erholungsrally, die später wieder einknickt.

Coinglass analyse zu Bitcoin

Drei rote Monate zum Jahresende, Quelle: https://www.coinglass.com/today

Ethereum hat sich zwar die 3.000-US-Dollar-Marke zurückgeholt, bleibt aber weiter in einer seit langem bekannten Range. Das macht die Bitcoin Alternative aktuell zäh. Als möglicher Katalysator wird der Clarity Act in den USA genannt, weil ein klareres Regelwerk institutionelles Geld erleichtern könnte. Solange das aber nicht entschieden ist, bleibt Ethereum anfällig für jede Bitcoin-Korrektur.

Unterm Strich wirkt der Jahresstart wie ein Stimmungswechsel in kleinen Dosen: weniger Frust, mehr Risikoappetit, hier und da schnelle Moves bei Altcoins und Memecoins. Eine echte Altcoin Season braucht aber mehr als ein paar grüne Tage. Sie braucht Durchbrüche an den großen Zonen. Genau dort steht der Markt jetzt.

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Stefan Haas
Stefan Haas

Nach dem Maschinenbaustudium war Stefan mehrere Jahre als leitender Angestellter tätig, bevor er 2020 in die Selbstständigkeit wechselte. Erste Berührungspunkte mit Bitcoin hatte er bereits 2016 – damals noch im kurzfristigen Trading. Später baute und betrieb er ein eigenes Mining... Mehr lesen

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