Seit Wochen schwelt in Washington ein Streit um Stablecoin-Zinsen, doch nun scheint die Debatte endgültig zu eskalieren. Coinbase hat offen damit gedroht, dem CLARITY Act die Unterstützung zu entziehen, sollte das Gesetz Zins-ähnliche Rewards stärker beschneiden als bislang vorgesehen. Für die Branche geht es dabei nicht nur um ein einzelnes Geschäftsmodell, sondern um die grundsätzliche Frage, wie viel Innovation im US-Finanzsystem künftig noch möglich sein soll. Stablecoin-Zinsen sind dabei zu einem zentralen Symbol dieses Konflikts geworden.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Coinbase droht, Unterstützung für CLARITY Act bei Stablecoin-Reward-Verbot zurückzuziehen.
  • Banken sehen Rewards als Konkurrenz zu Einlagen und warnen vor Abfluss.
  • Entscheidung fällt im Senat beim Markup am 15. Januar 2026.
  • Coinbase beantragt nationale Trust-Banklizenz für regulierte Stablecoin-Rewards innerhalb bestehender Regeln.
  • Bankenlobby will diese regulatorische Hintertür im CLARITY Act ausdrücklich schließen.
  • Stablecoins und Rewards gelten als zentrale Blockadepunkte für das Gesetz.
  • Bei Einigung könnte das Gesetz schnell vorankommen, sonst droht monatelange Verzögerung.

Stablecoin-Zinsen: Coinbase zieht rote Linie

Der Streit um „Stablecoin-Rewards“ wird in Washington zum politischen Sprengstoff. Denn Coinbase erhöht aktuell den Druck auf Senatoren: Sollte der CLARITY Act über reine Transparenz- und Offenlegungspflichten hinausgehen und Stablecoin-Rewards faktisch beschneiden, will die Börse ihre Unterstützung für das Gesetz zurückziehen, heißt es in einem Bloomberg-Bericht.

Brisant ist der Timing-Faktor. Der Senate Banking Committee hat für Donnerstag, 15. Januar 2026, eine Markup-Sitzung zur Digital-Asset-Marktstruktur angekündigt. Genau dort werden mitunter entscheidende Änderungen am Text „eingebaut“. Und genau diese Änderungswünsche kommen vor allem aus dem Bankensektor: Rewards würden wie Einlagen-Zinsen wirken, Deposits aus Banken abziehen und damit Kreditvergabe schwächen. Dies sei ein Punkt, den Bankenverbände seit Monaten als Kernrisiko rahmen.

Coinbase kontert mit Wettbewerbsargumenten: Rewards seien nicht dasselbe wie klassisches Bank-Lending, sondern ein Anreiz, Dollar-Stablecoins in den USA attraktiv zu halten – und damit auch die Dollar-Dominanz im digitalen Zahlungsverkehr zu stützen. Gleichzeitig ist es ein knallhartes Geschäftsmodell: USDC ist für Coinbase eng mit wiederkehrenden Einnahmen verknüpft, weshalb die Plattform hier eine „rote Linie“ zieht.

Der Schritt von Coinbase aus 2025, eine nationale Trust-Banklizenz zu beantragen, ist aus diesem Blickwinkel strategisch hochrelevant. Mit einer solchen Charter würde das Unternehmen regulatorisch näher an eine Bank rücken und könnte Stablecoin-Rewards formal innerhalb des bestehenden Aufsichtsrahmens anbieten.

Genau hier setzt der Widerstand der Bankenlobby an: Sie fürchtet, dass Krypto-Firmen damit eine Hintertür nutzen, um bankähnliche Produkte anzubieten, ohne denselben strengen Regeln wie klassische Institute zu unterliegen. Der CLARITY Act soll diese Lücke schließen und den Wettbewerb neu ordnen.

Entscheidungstage für Krypto-Regulierung

In dieser Woche beginnt in Washington also eine entscheidende Phase für die US-Krypto-Regulierung. Der Bankenausschuss des Senats will am 15. Januar den CLARITY Act in einem sogenannten Markup-Verfahren beraten und über konkrete Änderungen am Gesetzestext abstimmen. Nach monatelangen Verzögerungen, internen Machtkämpfen und starkem Lobbydruck aus der Banken- und Finanzbranche liegt nun erstmals eine überarbeitete Fassung auf dem Tisch. Formell bleibt zwar der Name des bereits im Repräsentantenhaus verabschiedeten Gesetzes bestehen, inhaltlich soll der Text jedoch zur Senatsversion umgebaut werden.

In den kommenden Tagen wird der Entwurf an die Senatoren verteilt, damit sie Änderungsanträge einreichen können. Besonders genau beobachtet werden drei Punkte: die Regeln für Stablecoins und deren Zinsen, der Umgang mit DeFi und Wertpapierhandel sowie mögliche Ethikvorschriften für Politiker mit Krypto-Bezug. Zusätzlich drohen parallele Markup-Sitzungen im Agrarausschuss, was den Prozess weiter verkomplizieren könnte.

Die laufende Woche dürfte für den US-Kryptomarkt richtungsweisend werden. In dieser Phase wird der Gesetzestext nicht nur diskutiert, sondern Zeile für Zeile geändert, ergänzt oder gestrichen. Genau hier entscheidet sich, ob Passagen zu Stablecoins, Rewards und Marktstruktur schärfer oder industriefreundlicher sind. Für Coinbase und andere große Player ist das der kritische Moment, weil Lobbyarbeit jetzt noch konkrete Paragrafen beeinflussen kann.

Davon hängt alles ab 

Fällt das Markup positiv aus, geht der Entwurf in die nächste Stufe des Gesetzgebungsprozesses und kann später dem gesamten Senat zur Abstimmung vorgelegt werden. Ein erfolgreicher Durchlauf würde dem Markt erstmals klarere Spielregeln in Aussicht stellen – und damit Planungssicherheit für Börsen, Emittenten und Investoren schaffen. Scheitert es, droht erneut monatelange Hängepartie.

Das hiesige Statement von Cody Carbone bringt den Kern der aktuellen Debatte auf den Punkt: Stablecoins und deren Rewards sind augenscheinlich die beiden größten Streitpunkte, die aktuell über Tempo oder Stillstand beim CLARITY Act entscheiden. Erst wenn hier ein politischer Kompromiss gefunden wird, kann das Gesetz zügig vorankommen. Der Druck vonseiten Coinbase dürfte jedoch auch von der Bankenlobby beantworten werden. Schnell nachgeben wird hier niemand.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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