China gab dem digitalen Yuan (e-CNY) zum 1. Januar 2026 ein Upgrade, das weit über kosmetische Regeln hinausgeht: Guthaben in bestimmten, verifizierten Wallets dürfen künftig verzinst werden, allerdings nicht durch die Zentralbank direkt, sondern über Geschäftsbanken, die die Zinsen im Rahmen der geltenden Einlagenzinssätze auszahlen.

Damit verschiebt Peking den e-CNY strategisch von einem „digitalen Bargeld“-Konzept hin zu digitalem Einlagengeld: Wallet-Bestände werden stärker wie Bankeinlagen behandelt, inklusive klarerer Bilanzierung und Aufsicht.

Das Ziel ist offensichtlich: mehr Anreize für Nutzer, die bislang oft bei WeChat Pay und Alipay bleiben, sowie eine schnellere Skalierung der staatlichen Zahlungsinfrastruktur. Statt dezentraler Kryptos setzt China eben auf die eigene CBDC, nun sogar mit Zinsen.

Nun kritisieren Coinbase-CEO Brian Armstrong und andere Vertreter der Krypto-Industrie die diesbezüglichen Diskussionen in den USA: Denn China sei hier den Amerikanern bereits einen wichtigen Schritt voraus.

Das Wichtigste im Überblick:

  • China erlaubt ab 2026 Zinsen auf e-CNY in verifizierten Wallets.
  • Der digitale Yuan entwickelt sich damit von Bargeld zu Einlagengeld.
  • Ziel ist mehr Nutzerakzeptanz und schnellere Skalierung der staatlichen Zahlungsinfrastruktur.
  • Brian Armstrong warnt, die USA könnten im Stablecoin-Wettbewerb strategisch zurückfallen.
  • Banken drängen auf strengere GENIUS-Regeln gegen Rewards auf Stablecoins.
  • Die Krypto-Industrie unterstützt Armstrong und fordert innovationsfreundliche Regulierung.
  • Die Blockchain Association warnt vor Wettbewerbsnachteilen und weniger Verbraucherschutz.

Armstrong warnt vor US-Rückstand

Coinbase-CEO Brian Armstrong nutzt Chinas Schritt, den digitalen Yuan künftig zu verzinsen, als Weckruf für die USA. In seinem Statement argumentiert er, dass Zinsen oder Rewards auf Stablecoins vor allem normalen Nutzern zugutekommen und die Attraktivität digitaler Dollar im globalen Wettbewerb deutlich erhöhen würden. Aus seiner Sicht verfehlt die aktuelle US-Debatte den Kern: Es gehe nicht darum, ob Stablecoins das Kreditgeschäft verändern, sondern darum, ob US-Stablecoins international konkurrenzfähig bleiben.

Armstrong warnt, dass regulatorische Beschränkungen, die Zinszahlungen auf Stablecoins verhindern, die USA strategisch schwächen könnten. Andere Staaten würden genau diese Anreize nutzen, um ihre digitalen Währungen schneller zu verbreiten und Marktanteile zu gewinnen. Belohnungen auf Stablecoins seien vergleichbar mit den Vorteilen des Community-Lendings: Sie verteilen Erträge breiter und machen das System für Endnutzer attraktiver. Sein Appell ist klar: Der Markt sollte sowohl klassische Kreditmodelle als auch verzinste Stablecoins zulassen, statt Innovation aus Vorsicht zu bremsen. Nur so könnten die USA ihre Führungsrolle im digitalen Finanzsystem behaupten.

Im Kern dreht sich der Streit um Zinsen bzw. „Rewards“ auf Stablecoins: Während der GENIUS Act bereits ausdrücklich verbietet, dass Stablecoin-Emittenten dem Halter „interest or yield“ allein fürs Halten zahlen, drängen Banken darauf, das Gesetz so zu schärfen, dass auch indirekte Umgehungen über Börsen, Wallet-Anbieter oder Partnerprogramme ausgeschlossen werden.

Hintergrund ist die Sorge vor Einlagenabfluss: Wenn tokenisierte Dollars ähnlich wie Einlagen verzinst werden, könnten Sparer Guthaben von Bankkonten in Stablecoins verlagern. Genau deshalb lobbyieren Bankverbände.

Krypto-Industrie stellt sich bereit hinter Armstrongs Forderungen

Brian Armstrongs Vorstoß gegen ein Verbot von Zinsen oder Rewards auf Stablecoins erhält inzwischen breite Unterstützung aus der Krypto-Industrie. Jüngst meldet sich mit Joseph Lubin auch ein Ethereum-Mitgründer zu Wort und erinnert daran, was auf dem Spiel steht: Stablecoins ermöglichen es Menschen weltweit, mit nichts weiter als einer Internetverbindung auf den US-Dollar zuzugreifen. Diese Offenheit sei eine der wichtigsten Innovationen des letzten Jahrzehnts im Finanzsystem. Sie nun einzuschränken, indem man Verbrauchern verbietet, ihr Geld produktiv einzusetzen, würde die Attraktivität und den Nutzen dieser Technologie deutlich schwächen.

In der Branche wächst der Konsens: Verbraucherinteressen, Innovationskraft und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der USA müssen im Zentrum der Entscheidung bleiben, was nach Auffassung von Krypto-Experten eben wenig verwunderlich für eine lockere Interpretation des GENIUS Act spricht.

Auch die Blockchain Association hat sich in der Debatte klar positioniert und unterstützt im Kern die Linie von Brian Armstrong. In einem gemeinsamen Brief an den US-Kongress warnt der Verband davor, den GENIUS Act nachträglich so auszulegen, dass Rewards oder Anreize auf Stablecoins faktisch verboten würden. Der ursprüngliche Kompromiss sei bewusst ausgewogen: Emittenten dürfen keine Zinsen zahlen, Plattformen und Drittanbieter aber sehr wohl Anreize für Nutzer schaffen.

Die Association argumentiert, dass ein weitergehendes Verbot Wettbewerb einschränken, Innovation bremsen und Verbrauchern schaden würde. Gerade in einem Umfeld, in dem klassische Bankkonten kaum Zinsen abwerfen, könnten Stablecoin-Rewards helfen, Kaufkraftverluste abzufedern. Studien zeigten zudem keine Belege dafür, dass Stablecoins Banken systematisch Einlagen entziehen. Der Vorstoß der Banken wirke daher eher protektionistisch als risikogetrieben.


Was sind Stablecoins? – alles Wissenswerte 


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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