In diesem Beitrag
Figure hat sich in kurzer Zeit von einem experimentellen Krypto-nahen Kreditgeber zu einem ernstzunehmenden Player im US-Finanzmarkt entwickelt. Das Unternehmen nutzt Blockchain-Technologie nicht als Marketing-Story, sondern als operatives Rückgrat, um Reibungsverluste im Kreditprozess zu entfernen. Genau dieser Ansatz sorgt aktuell für steigende Aufmerksamkeit am Markt. In den letzten Wochen legte die Aktie deutlich zu, nachdem Figure nach dem Börsengang im September 2025 erstmals breiter investierbar wurde.
Das Wichtigste in Kürze:
- Figure nutzt Blockchain nicht als Zusatz, sondern als Kerninfrastruktur für Kredite und Kapitalmärkte.
- Durch stark reduzierte Kosten werden kleinere Kreditvolumina erstmals wirtschaftlich attraktiv.
- Das Geschäft teilt sich in Direktkredite, Partnerlösungen und den Marktplatz Figure Connect.
- Figure Connect könnte sich zu einer zentralen Plattform für tokenisierte Kredite entwickeln.
- Das Wachstumspotenzial ist hoch, das Risiko bei ausbleibender Skalierung jedoch real.
Der Kern des Modells liegt im digitalen End-to-End-Kreditprozess. Figure startete als direkter Anbieter von HELOCs, also Kreditlinien auf Immobilienbasis, und ist inzwischen der größte Non-Bank-Originator in diesem Segment. Der adressierbare Markt ist groß, das ausstehende Volumen liegt bei über 420 Milliarden US-Dollar.
Figure Technologies ist eine der am schnellsten wachsenden Firmen in der kryptoaffinen Welt, Quelle: https://research.artemisanalytics.com/p/figure-figr-fundamental-deep-dive
Anders als klassische Banken setzt Figure auf eine vollständig digitale Abwicklung. Antrag, Prüfung, Genehmigung und Abschluss laufen über ein eigenes Loan Origination System, das nativ auf der Provenance Blockchain aufsetzt. Jeder Kredit wird dabei als unveränderbarer Datensatz on-chain erfasst.
Schneller, einfacher, günstiger
Das reduziert manuelle Abstimmungen, verkürzt Durchlaufzeiten und senkt Kosten drastisch. Während Banken für einen HELOC oft 30 bis 45 Tage benötigen, sind es bei Figure häufig nur wenige Tage. Gleichzeitig sinken die Fixkosten pro Kredit von rund 11.000 bis 12.000 US-Dollar auf etwa 1.000 US-Dollar. Dadurch werden kleinere Kreditvolumina wirtschaftlich tragfähig, die für traditionelle Anbieter strukturell unattraktiv sind. Genau hier entsteht zusätzlicher Markt, statt nur bestehendes Volumen zu verdrängen.
Ab 2020 öffnete Figure seine Infrastruktur für externe Partner. Neben dem eigenen Direktgeschäft entstand ein B2B2C-Modell, bei dem Banken, Fintechs und Kreditgenossenschaften die Technologie unter eigener Marke nutzen können. Figure stellt dabei System, Underwriting, Compliance und Servicing, während die Partner den Kundenzugang behalten. Die Erlöse entstehen über volumenabhängige Technologie- und Plattformgebühren. Mit zunehmender Integration übernehmen Partner immer mehr Prozesse selbst, was die Skalierbarkeit weiter erhöht.
B2B2C: Expansion durch bereitstellung der Technologie, Quelle: https://research.artemisanalytics.com/p/figure-figr-fundamental-deep-dive
Ergänzt wird dieses Modell durch Figure Connect, einen blockchain-nativen Marktplatz für die Distribution von Krediten an institutionelle Investoren. Statt individueller Einzeldeals setzt Figure hier auf standardisierte Strukturen über „Democratized Prime“.
Einheitliche Kriterien für Underwriting, Dokumentation und Datenformate sorgen dafür, dass Kredite programmatisch handelbar werden. Die Blockchain dient als Abwicklungs- und Besitzregister, die Settlement-Ebene läuft über YLDS, einen regulierten, verzinslichen Token. Seit dem Start Mitte 2024 wurden über Connect bereits rund 3 Milliarden US-Dollar an Volumen abgewickelt.
Blockchain in der Realwirtschaft
Der strategische Schritt vom reinen Kreditgeber hin zu einer Plattform für tokenisierte Real-World-Assets eröffnet neue Margenprofile. Während das klassische Kreditgeschäft kapitalintensiv ist, wächst der Marktplatz mit deutlich höherem Anteil wiederkehrender Technologieerlöse. Bis 2030 hält das Research Center von Artemis jährliche Marktplatzvolumina von rund 9 Milliarden US-Dollar für realistisch, mit möglichen Umsätzen von über 300 Millionen US-Dollar allein aus diesem Segment.
Then there's @Figure.
They put over $10 billion in home equity lines of credit on-chain. Not a promise. Not a roadmap. Done.
HELOCs work because underwriting is standardized – credit score, debt-to-income, loan-to-value. Cash flows are predictable. Servicing is automated.… pic.twitter.com/R3PYJJKVZM
— Udit Bhansali (@PoppyPancho) January 7, 2026
Auch operativ steht Figure solide da. Die jährliche Kreditvergabe liegt aktuell bei rund 12 Milliarden US-Dollar, die Kreditqualität bleibt hoch, mit einem durchschnittlichen FICO-Score von etwa 754. Die Penetration des Gesamtmarktes liegt weiterhin deutlich unter 1 Prozent. Wachstum entsteht daher primär durch Effizienz, Partnerausbau und die Erschließung kleinerer Kreditgrößen, nicht durch aggressivere Risikomodelle.
Auf Bewertungsebene wird Figure im Base-Case mit einem Kursziel von 116 US-Dollar bis 2030 gesehen. Das entspräche einem jährlichen internen Zinsfuß von rund 20 Prozent. Gleichzeitig bleibt das Risiko klar benannt. Scheitert die Skalierung des Plattformmodells oder stockt die Marktplatzadoption, droht spürbarer Abwärtsdruck. Die Investmentthese steht und fällt mit der Fähigkeit, Volumen, Standardisierung und Liquidität gleichzeitig auszubauen.
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