Ethereum und Solana stehen seit Jahren im direkten Wettbewerb um technologische Führerschaft im Krypto-Sektor. Während Solana mit Geschwindigkeit und geringen Gebühren punktet, behauptet sich Ethereum durch sein gewachsenes Ökosystem, breite Entwicklerbasis und institutionelle Akzeptanz. Trotz der Kritik bleibt Ethereum nach Marktkapitalisierung klar vor Solana positioniert, was die anhaltende Dominanz unterstreicht.

Vitalik Buterin sieht nun in Low-Risk DeFi den potenziellen „Google-Moment“ für Ethereum, der langfristig ökonomische Stabilität sichern soll. Doch genau hier setzt ein führender Solana-Entwickler mit deutlicher Kritik an – er hält Buterins Vision für technisch wie ökonomisch unzureichend. Ethereum vs. Solana:

Das Wichtigste im Überblick:

  • Vitalik Buterin sieht Low-Risk DeFi als möglichen „Google-Moment“ für Ethereum.
  • Bisherige Einnahmetreiber wie NFTs oder Memecoins gelten als instabil und kurzfristig.
  • Low-Risk DeFi mit Sparen, Krediten und Zahlungen soll nachhaltige Nutzung sichern.
  • Buterin vergleicht die Rolle von DeFi mit Googles dominierendem Suchgeschäft.
  • Solana-Entwickler Mert kritisiert: Ethereum L1 könne keine Massenadoption ermöglichen.
  • Er verweist auf Solanas Modell: teure Transaktionen subventionieren günstige Zahlungen.
  • Zudem warnt Mert vor Konkurrenz durch Stripe, Tether, Circle und schwache Nutzererfahrung.

Ethereum vor seinem „Google-Moment“

Vitalik Buterin ist der Mitgründer von Ethereum. Dieser zeichnet in seinem Blogbeitrag ein klares Bild davon, wo die Plattform aktuell steht – und wohin sie sich bewegen könnte. Seine zentrale These: sogenanntes „Low-Risk DeFi“ könnte für Ethereum das werden, was die Suchmaschine für Google war – die entscheidende Anwendung, die nicht nur Nutzer überzeugt, sondern auch die nachhaltige ökonomische Basis schafft.

Er kritisiert, dass die bisherigen großen Einnahmetreiber im Ethereum-Ökosystem – NFTs, Memecoins oder hochriskante DeFi-Konstrukte – zwar kurzfristig viel Aufmerksamkeit und Gebühren generierten, aber kein stabiles Fundament für eine Wirtschaft von Hunderten Milliarden US-Dollar bilden. Parallel existieren zwar wertvolle Projekte wie ENS, Lens oder Privacy-Protokolle, doch deren wirtschaftlicher Beitrag sei bislang zu gering. Die große Lücke zwischen kultureller Bedeutung und ökonomischer Tragfähigkeit erzeugte jahrelang Spannungen in der Community.

Genau hier setzt Buterin an: Low-Risk DeFi, also sichere und gut verstandene Anwendungen wie Zahlungen, Sparen, voll besicherte Kredite oder der Handel mit synthetischen Assets, könne diese Lücke schließen. Diese Finanzinstrumente seien nicht nur nützlich für Millionen Menschen weltweit, sondern auch kulturell kongruent mit Ethereums Zielen: Dezentralität, globale Zugänglichkeit und Transparenz.

Der „Google-Moment“ entsteht durch den Vergleich: Google ist für viele Felder bekannt, verdient aber fast ausschließlich mit Werbung. Ethereum hat ebenfalls viele spannende Experimente, aber Low-Risk DeFi könnte die stabile Einnahmequelle sein, die das gesamte Ökosystem trägt.

Buterin ist überzeugt: Mit der Reifung der Protokolle, sinkendem Risiko und wachsender Nachfrage nach sicheren, globalen Finanzalternativen könnte Low-Risk DeFi Ethereum in die nächste Entwicklungsphase führen – nachhaltig, dezentral und mit großem gesellschaftlichem Nutzen.

Solana-Entwickler widerspricht Buterins DeFi-Vision

Während Vitalik Buterin Low-Risk DeFi als „Google-Moment“ für Ethereum beschreibt, sieht Mert, Gründer von Helius und führender Solana-Entwickler, diesen Ansatz als grundlegend falsch an. Seine Kritik setzt an mehreren Punkten an – sowohl bei der technischen Umsetzung als auch bei den ökonomischen Annahmen.

Zunächst argumentiert er, dass Ethereum auf Layer 1 niemals Millionen von Menschen in ärmeren Regionen erreichen könne. Die Gebühren seien schlicht zu hoch. Buterins Vorstellung, Zahlungen und Sparprodukte direkt auf L1 zu etablieren, ignoriert laut Mert die Realität: Menschen in Schwellenländern könnten keine Transaktionen mit Dollar-Gebühren tragen. Stattdessen funktioniere es andersherum – so wie bei Solana. Dort würden besonders gebührenintensive Transaktionen, etwa im Bereich MEV-Auktionen, so viel Einnahmen generieren, dass Zahlungen querfinanziert und nahezu kostenlos abgewickelt werden könnten. In diesem Modell seien „Payments“ ein Verlustgeschäft, das durch andere hochprofitable Anwendungen subventioniert wird.

Darüber hinaus sieht Mert ein massives Konkurrenzproblem. Selbst wenn Ethereum die Kosten senken könnte, stünde es im Wettbewerb mit globalen Playern wie Stripe, Tether oder Circle, die bereits stark auf den Zahlungsverkehr spezialisiert sind. Buterins Ansatz vernachlässige diesen Faktor.

Ein dritter Kritikpunkt betrifft die Nutzererfahrung. DeFi müsse nahtlos zusammen funktionieren. Wenn Kredit- und Sparmärkte auf Ethereum L1 isoliert bleiben, während Zahlungen und Handel auf anderen Chains stattfinden, entstehe ein fragmentiertes Ökosystem. Nutzer würden eine solche Verschlechterung der User Experience nicht akzeptieren, gerade weil die Ansprüche an Krypto-Produkte kontinuierlich steigen.

Merts Fazit: Anstatt L1 mit Low-Risk DeFi zur Haupteinnahmequelle zu machen, sei es sinnvoller, über differenzierte Fee-Märkte Experimente zu subventionieren. So ließe sich Sicherheit finanzieren, ohne die Skalierbarkeit und Nutzerfreundlichkeit zu opfern.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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