Strategy galt lange als kompromisslosester Bitcoin-Käufer unter den börsennotierten Unternehmen. Doch der anhaltende Bärenmarkt, hohe Verpflichtungen aus der Kapitalstruktur und erstmals offen kommunizierte Bitcoin-Verkäufe sorgten zuletzt für Kritik. Allein Anfang Juli veräußerte das Unternehmen 3.588 BTC für rund 216 Millionen US-Dollar, um Ausschüttungen auf Vorzugsaktien zu finanzieren und die Dollarreserve aufzufüllen.
Nun liefert Michael Saylor jedoch eine überraschende Geschichte, die zeigt, wie aggressiv Strategy weiterhin neue Wege sucht, um seine Bitcoin-Strategie zu finanzieren: Ausgerechnet ChatGPT soll bei der Konstruktion eines Finanzprodukts geholfen haben, über das letztlich Milliarden eingesammelt wurden.
Das Wichtigste im Überblick:
- Strategy geriet durch Bitcoin-Verkäufe zuletzt zunehmend unter öffentlichen Druck.
- Michael Saylor nutzte ChatGPT zur Entwicklung neuer Finanzierungsprodukte für Strategy.
- Über innovative Vorzugsaktien sammelte Strategy rund 15 Milliarden Dollar.
- Strategy bleibt trotz Verkäufen führender institutioneller Bitcoin-Halter weltweit weiterhin.
Michael Saylor: ChatGPT half Strategy beim Milliarden-Finanzierungsmodell
Michael Saylor hat in einem aktuellen Gespräch mit „The Diary of a CEO“ einen bemerkenswerten Einblick in die Finanzierung von Strategy gegeben. Dem Executive Chairman zufolge spielte ChatGPT eine wichtige Rolle bei der Entwicklung jener Vorzugsaktien-Struktur, mit der Strategy inzwischen rund 15 Milliarden US-Dollar eingesammelt haben soll. Saylor beschreibt, dass klassische Wege zur Kapitalaufnahme zunehmend an Grenzen gestoßen seien. Statt lediglich bestehende Finanzprodukte zu kopieren, habe er künstliche Intelligenz genutzt, um eine neue Struktur zu konzipieren.
Im Mittelpunkt stehen dabei die verschiedenen Preferred-Stock-Produkte von Strategy. Diese ermöglichen dem Unternehmen, neues Kapital aufzunehmen, ohne ausschließlich weitere gewöhnliche MSTR-Aktien oder klassische Unternehmensanleihen ausgeben zu müssen. Genau darin liegt für Saylor offenbar der entscheidende Vorteil: Strategy kann unterschiedliche Investorengruppen mit verschiedenen Rendite- und Risikoprofilen adressieren und die eingesammelten Mittel wiederum zur Unterstützung seiner Bitcoin-Strategie verwenden.
Michael Saylor says ChatGPT helped him raise $15B for Strategy's Bitcoin bet
Michael @saylor says he turned to @ChatGPT to design @Strategy's Bitcoin-backed preferred stock after traditional capital-raising routes were exhausted, an instrument lawyers and bankers initially… pic.twitter.com/cveKIA7hh0
— BSCN (@BSCNews) August 6, 2026
Nach Saylors Darstellung seien Banker und Juristen anfangs skeptisch gewesen, weil für Teile der Konstruktion kaum direkte Vorbilder existierten. ChatGPT habe ihm dagegen geholfen, das Problem von Grund auf neu zu denken. Seine grundsätzliche Botschaft geht deshalb deutlich über Bitcoin hinaus. Im KI-Zeitalter gehe es seiner Ansicht nach weniger darum, Aufgaben einfach schneller als Maschinen zu erledigen. Entscheidend sei vielmehr, künstliche Intelligenz für Probleme einzusetzen, für die bislang noch keine etablierte Lösung existiere.
Für Strategy ist diese Innovationsfähigkeit besonders wichtig. Denn das Unternehmen benötigt dauerhaft Zugang zu Kapital, wenn es seine enorme Bitcoin-Position langfristig erhalten oder sogar weiter ausbauen möchte.
Strategy bleibt der dominante institutionelle Bitcoin-Halter
Trotz der zuletzt kontrovers diskutierten Verkäufe ändert sich an der grundsätzlichen Marktstellung von Strategy zunächst wenig. Das Unternehmen bleibt mit großem Abstand der bedeutendste börsennotierte beziehungsweise institutionelle Einzelhalter von Bitcoin. Strategy selbst bezifferte seinen Bestand Anfang August auf rund 842.000 BTC. Damit liegt das Unternehmen sogar vor den Bitcoin-Beständen einzelner großer ETF-Produkte und deutlich vor den öffentlich bekannten Reserven der meisten Staaten oder anderen Unternehmen.
Strategy is leading institutional bitcoin adoption and intends to remain a net buyer of $BTC. pic.twitter.com/41dv63jyML
— Strategy (@Strategy) August 6, 2026
Schon Ende Mai hielt Strategy 843.738 BTC. Anfang Juli waren es nach den ersten größeren Verkäufen noch 843.775 BTC. Die Veräußerungen erfolgten dabei nicht als grundsätzliche Abkehr von Bitcoin, sondern innerhalb eines neuen Kapitalrahmens. Die Erlöse wurden unter anderem zur Finanzierung von Ausschüttungen auf Vorzugsaktien und zur Wiederauffüllung der US-Dollar-Reserve verwendet. Gleichzeitig hatte Strategy Ende Juni ein Monetarisierungsprogramm geschaffen, das weitere begrenzte Bitcoin-Verkäufe zur Sicherung der Liquidität erlaubt.
Genau diese Entwicklung verändert jedoch die Wahrnehmung des Unternehmens. Strategy ist mittlerweile nicht mehr nur ein Unternehmen, das Kapital aufnimmt und damit Bitcoin kauft. Bitcoin selbst wird zunehmend Bestandteil eines komplexen Finanzierungssystems aus gewöhnlichen Aktien, Wandelanleihen, Dollarreserven und mehreren Preferred-Stock-Produkten.
Dennoch bleibt Saylor grundsätzlich offensiv. Strategy erklärte zuletzt ausdrücklich, weiterhin Netto-Käufer von Bitcoin bleiben zu wollen. Damit bleibt das Unternehmen trotz kurzfristiger Verkäufe einer der wichtigsten institutionellen Faktoren für den Bitcoin-Markt. Entscheidend dürfte künftig vor allem sein, ob Saylors immer komplexere Kapitalmarktprodukte weiterhin genügend Nachfrage erzeugen, um neue Bitcoin-Käufe zu finanzieren, ohne größere Teile der bestehenden Reserve monetarisieren zu müssen.
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