Bitcoin hat sich heute etwas von den jüngsten Tiefs gelöst und notiert wieder über 64.000 US-Dollar. Zwischenzeitlich stieg BTC sogar erneut über die Marke von 65.000 US-Dollar, was kurzfristig für etwas Entlastung sorgt. Dennoch bleibt die Ausgangslage angeschlagen: Der Bärenmarkt ist weiter intakt, Bitcoin handelt rund 50 Prozent unter dem Allzeithoch und auch der übergeordnete Abwärtstrend ist noch nicht gebrochen.
Auf Wochensicht bewegt sich der Kurs eher seitwärts, hält sich aber oberhalb der wichtigen Tiefzone um 60.000 US-Dollar. Doch welcher Support entscheidet jetzt?
Das Wichtigste im Überblick:
- Bitcoin erholt sich kurzfristig, doch der übergeordnete Bärenmarkt bleibt intakt.
- Der 200-Wochen-Durchschnitt wird jetzt zur entscheidenden Support-Zone für BTC.
- Sinkendes Open Interest deutet auf einen gesunden Leverage-Reset hin.
- MVRV-Bänder zeigen, dass finale Kapitulation noch ausstehen könnte.
Bitcoin am 200-Wochen-Durchschnitt: Darum ist dieser Support jetzt entscheidend
Ein zentraler Bereich, auf den viele Marktteilnehmer aktuell blicken, ist der 200-Wochen-Durchschnitt. Dieser gleitende Durchschnitt gilt bei Bitcoin traditionell als eine der wichtigsten langfristigen Trendlinien. In früheren Bärenmärkten diente diese Zone mehrfach als übergeordnete Unterstützung, von der aus Bitcoin anschließend neue Aufwärtszyklen starten konnte. Genau deshalb bekommt der aktuelle Test dieser Region eine hohe Bedeutung.
The 200-Week MA is the core indicator for #Bitcoin, and it's important for the markets to sustain on this level.
In previous bear markets, these levels have signaled a broad market bottom.
In 2013, 2015, 2018, and 2020, Bitcoin's price found support on this indicator and began… pic.twitter.com/MMdJb7vso1
— MN Fund (@MNFund_) June 22, 2026
Historisch zeigte sich, dass Bitcoin in den Jahren 2013, 2015, 2018 und 2020 in der Nähe des 200-Wochen-Durchschnitts wichtigen Halt fand. Dort traf langfristige Nachfrage auf überverkaufte Marktbedingungen. Für Anleger war dies häufig ein Bereich, in dem Panikverkäufe nachließen und die Akkumulation stärker wurde. Der einzige größere Ausreißer war 2022. Damals fiel Bitcoin im Zuge der FTX-Pleite deutlich unter diesen Durchschnitt, weil der Markt durch den Kollaps einer großen Kryptobörse zusätzlich belastet wurde.
Aktuell bleibt die Frage, ob sich ein ähnlicher Bruch wiederholen könnte. Der Markt hatte zuletzt offenbar Stressszenarien eingepreist, unter anderem rund um Produkte aus dem Umfeld von Michael Saylor. Da sich STRC laut dem gezeigten Beitrag jedoch wieder auf über 90 US-Dollar erholt hat, nimmt dieser spezifische Belastungsfaktor etwas ab.
Damit rückt der 200-Wochen-Durchschnitt noch stärker als technische Entscheidungszone in den Fokus. Solange Bitcoin diesen Bereich verteidigt, bleibt eine Bodenbildung möglich. Ein klarer Verlust dieser Unterstützung würde hingegen das Risiko erhöhen, dass der Bärenmarkt noch eine weitere Abwärtswelle ausbildet.
Derivatemarkt kühlt ab: Warum der Leverage-Reset Bitcoin entlasten könnte
Neben der wichtigen Unterstützung am 200-Wochen-Durchschnitt liefert auch der Derivatemarkt derzeit ein relevantes Signal. Laut der gezeigten CryptoQuant-Analyse ist der Bitcoin-Kurs im Juni zwar deutlich gefallen, das Open Interest am Futures-Markt ist jedoch noch stärker zurückgegangen. Genau diese Kombination ist wichtig, weil sie weniger auf eine aggressive neue Short-Welle hindeutet, sondern eher auf den Abbau bestehender gehebelter Positionen.
Bitcoin Derivatives Market Cools Down After June Correction
“BTC price is down, but Open Interest is down even more. This suggests the futures market has gone through a meaningful leverage reset.” – By @Woo_Minkyu pic.twitter.com/UxzqPYxcAf
— CryptoQuant.com (@cryptoquant_com) June 22, 2026
Konkret lag das gesamte Bitcoin Open Interest am 1. Juni noch bei rund 26 Milliarden US-Dollar. Bis zum 21. Juni fiel dieser Wert auf etwa 20,9 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von rund 19,5 Prozent. Der Bitcoin-Preis verlor im gleichen Zeitraum dagegen „nur“ rund 11,4 Prozent. Damit schrumpfte die spekulative Positionierung stärker als der Spotpreis selbst. Aus Marktsicht spricht das für eine Bereinigung: Futures-Positionen wurden geschlossen, reduziert oder liquidiert.
Besonders relevant ist der Vergleich zur Alternative. Würde Bitcoin fallen, während das Open Interest gleichzeitig steigt, wäre dies ein Warnsignal für einen überfüllten Derivatemarkt mit neu aufgebautem Leverage. Genau das scheint aktuell jedoch nicht der Fall zu sein. Auch nach dem zwischenzeitlichen Rebound Mitte Juni kühlte sich das Open Interest erneut ab und liegt laut Grafik bei rund 20,9 Milliarden US-Dollar.
Für Bitcoin bedeutet das keine automatische Trendwende. Der Bärenmarkt bleibt intakt, der Abwärtstrend ist nicht gebrochen. Dennoch verbessert ein solcher Leverage-Reset die Marktstruktur. Weniger überhitzte Futures-Positionen senken das Risiko weiterer Kaskaden-Liquidationen. Damit könnte Bitcoin stabiler in die nächste Entscheidungsphase gehen.
MVRV-Bänder: Bitcoin-Boden ist noch nicht drin
Ein weiterer wichtiger On-Chain-Indikator sind die MVRV Pricing Bands von Glassnode. Sie setzen den aktuellen Bitcoin-Kurs ins Verhältnis zum sogenannten Realized Price. Dieser zeigt vereinfacht, zu welchem durchschnittlichen Preis die bestehenden BTC zuletzt bewegt wurden. Daraus entstehen mehrere Bewertungszonen: Das grüne Band entspricht dem einfachen Realized Price, das blaue Band liegt bei 0,8 des Realized Price. Historisch sind diese unteren Bänder besonders relevant, weil sie anzeigen, wann Bitcoin stark unterbewertet wirkt und viele Marktteilnehmer bereits auf Verlusten sitzen.
Im letzten Bärenmarkt war genau diese Zone entscheidend. Während der Bodenbildung 2022 fiel Bitcoin nicht nur unter das grüne Band, sondern bewegte sich zeitweise zwischen dem grünen und blauen Bereich. Das bedeutete: Der Markt war bereits stark bereinigt, schwache Hände hatten weitgehend kapituliert und langfristige Käufer sammelten günstiger ein. Solche Phasen entstehen meist nicht durch normale Korrekturen, sondern durch echten Stress, Liquidationen und eine breite Risikoaversion.
Aktuell zeigt das Bild jedoch etwas anderes. Bitcoin ist zwar deutlich gefallen und handelt klar unter den oberen Bewertungsbändern, aber der Kurs liegt noch oberhalb der klassischen Boden-Zone zwischen Grün und Blau. Damit fehlt aus Sicht dieses Indikators bisher die finale Kapitulation, die frühere Bärenmärkte oft begleitet hat.
Sollte sich der Abwärtsdruck erneut verstärken, könnte ein tieferer Rücksetzer in Richtung Realized-Price-Bereich noch möglich sein. Erst dort würde Bitcoin historisch eher in jene Bewertungszone fallen, die frühere zyklische Böden geprägt hat.
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