Hyperliquid hat die Marke von zehn Milliarden Dollar Open Interest geknackt und ist damit zur drittgrößten Perpetual-Futures-Börse der Welt aufgestiegen – angetrieben nicht mehr allein von Krypto-Paaren, sondern zunehmend von Aktien-, Rohstoff- und Pre-IPO-Kontrakten.
Das Wichtigste im Überblick:
- Hyperliquid erreicht 10 Milliarden Dollar Open Interest und wird drittgrößte Perpetual-Börse.
- Das HIP-3-Protokoll ermöglicht den erfolgreichen Handel von Aktien-, Rohstoff- und Pre-IPO-Kontrakten.
- Die NYSE-Mutter ICE fordert wegen Hyperliquid eine Regulierung von Onchain-Derivaten.
Wie Hyperliquid die $10-Milliarden-Marke erreichte
Den entscheidenden Wachstumsschub liefert das HIP-3-Protokoll (Hyperliquid Improvement Proposal-3), das es externen Entwicklern erlaubt, eigene Perpetual-Märkte auf der Plattform zu deployen – also eigenständige, endlos laufende Terminkontrakte ohne Verfallsdatum. Laut einem aktuellen Bericht des Digital-Asset-Infrastrukturanbieters Talos entfallen rund vier Milliarden Dollar des gesamten Open Interest auf diese HIP-3-Märkte.
Besonders aktiv gehandelt werden Kontrakte auf Öl, den Nasdaq 100 und einzelne Technologieaktien. Allein das SpaceX-Pre-IPO-Produkt zog am vergangenen Freitag mehr als 250 Millionen Dollar Open Interest an – kurz vor dem erwarteten Börsengang des Unternehmens. Knapp die Hälfte des S&P-500-Perpetual-Volumens und mehr als 60 Prozent des Öl-Volumens wurden dabei außerhalb der regulären US-Handelszeiten umgesetzt.
Beim Thema Gebühren ordnet sich Hyperliquid ebenfalls weit oben ein: DefiLlama-Daten zufolge generierte die Plattform in der vergangenen Woche mehr als 15,6 Millionen Dollar an Protokollgebühren – Rang drei hinter den Stablecoin-Emittenten Tether und Circle. Eine frühere Analyse hatte bereits auf das ungewöhnliche Wachstumstempo hingewiesen, das Hyperliquid von anderen dezentralen Handelplattformen abhebt.
NYSE-Mutter ICE drängt Regulatoren zum Handeln
Jeffrey Sprecher, CEO der Intercontinental Exchange – Muttergesellschaft der New York Stock Exchange – forderte am 27. Mai öffentlich eine regulatorische Gleichstellung für 24/7-Onchain-Derivate. Sein Argument:
„prohibiting us from doing this when it’s already happening“ – Jeffrey Sprecher, CEO Intercontinental Exchange
Sprecher hatte sich zuvor mit dem Hyperliquid-Team ausgetauscht und die Plattform als Beleg dafür genannt, dass rund um die Uhr handelbarer Derivatehandel auf der Blockchain bereits Realität ist. Dass ein traditioneller Börsenbetreiber dieser Größe explizit auf ein DeFi-Protokoll verweist, um Regulatoren unter Druck zu setzen, ist ein ungewöhnlicher Schritt – und zeigt, wie ernst das Thema in klassischen Finanzkreisen genommen wird.
Strukturwandel: Von der Krypto-Plattform zum Makro-Handelsplatz
Hyperliquid hat sich innerhalb kurzer Zeit von einer reinen Krypto-Derivateplattform zu einem Handelsplatz für globale Makro-Exposure entwickelt. Aktien- und Rohstoffkontrakte machen inzwischen rund 31 Prozent des Gesamtvolumens aus; 23 der 30 meistgehandelten HIP-3-Märkte sind Nicht-Krypto-Produkte. Rohöl ist zum volumenstärksten Einzelmarkt der Plattform geworden.
Dieser Wandel ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Infrastrukturentscheidung: Hyperliquid betreibt eine eigene Layer-1-Blockchain (eine eigenständige Basisschicht mit eigener Konsenslogik), die auf Handelsdurchsatz optimiert ist, und nutzt USDC als einheitliche Sicherheitsleistung für alle Märkte. Analysten sehen in diesem Setup die Grundlage für weiteres strukturelles Wachstum.
Was als Nächstes zu beobachten ist
Drei wesentliche Punkte bestimmen nun, wie die Geschichte weitergeht. Zum einen bleibt abzuwarten, ob die US-Behörden CFTC und SEC auf den Druck von ICE beziehungsweise NYSE reagieren und einen regulatorischen Rahmen für 24/7-Onchain-Derivate schaffen.
Zum anderen wird die Entwicklung des HIP-3-Open-Interest entscheidend sein, wobei Analysten unter bullischen Bedingungen einen Anstieg auf vier Milliarden Dollar allein für dieses Segment für realistisch halten. Schließlich steht die Frage im Raum, ob weitere traditionelle Finanzinstitutionen dem Beispiel von ICE folgen und Hyperliquid als Referenzpunkt für eigene Produktentwicklungen nutzen.
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