Lange Zeit galt im Kryptomarkt die Annahme, dass der größte Teil des Wertes vor allem bei den Basis-Blockchains, also den Layer-1-Netzwerken, entsteht. Die Idee dahinter war: Wer die Infrastruktur kontrolliert, sammelt auch den größten wirtschaftlichen Nutzen ein. Dieses Bild beginnt sich jedoch spürbar zu verändern. Denn Ethereum und Co. konnten eben nicht immer vom Wachstum der Anwendungen profitieren.

Inzwischen sehen wir immer deutlicher, dass Anwendungen, also Apps, Protokolle und Plattformen, die auf diesen Blockchains aufbauen, selbst echte Umsätze generieren und eigene Geschäftsmodelle entwickeln.

Diese Einnahmen fließen zunehmend nicht nur an die Miner oder Validatoren der Basisschicht, sondern kommen direkt den jeweiligen Token-Ökosystemen der Anwendungen zugute. Damit entsteht Wertschöpfung nicht mehr nur „unten“ in der Infrastruktur, sondern „oben“ in den Produkten. Der Kryptomarkt beginnt sich strukturell den klassischen Tech-Märkten anzunähern, in denen erfolgreiche Anwendungen oft mehr wert sind als die reine technische Basis.

Denn viele dieser Applikationen nutzen ihre Umsätze, um beispielsweise via Token-Buybacks Wert für alle Halter zu kreieren. Doch wer in 2026 den Krypto-Trend „Apps statt Layer-1“ spielen möchte, hat die Qual der Wahl.

Die folgenden fünf Protokolle scheinen hier besonders spannend. Gerade für die Suche nach den besten Kryptowährungen 2026 lohnt sich der Blick auf diese umsatzstarken Anwendungen.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Der Kryptomarkt verlagert Wertschöpfung zunehmend von Layer-1-Blockchains hin zu profitablen Anwendungen.
  • Apps generieren eigene Umsätze, Buybacks und nachhaltige Cashflows unabhängig von Basisschichten.
  • Phantom beweist, dass Wallets heute hochprofitable Finanzplattformen statt reiner Tools sind.
  • Hyperliquid dominiert Perps und wandelt Handelsvolumen direkt in Token-Rückkäufe um.
  • EigenLayer monetarisiert Ethereum-Sicherheit und erweitert sie auf verifizierbare Off-Chain-Berechnung.
  • Tether profitiert strukturell vom Stablecoin-Boom und erzielt Milliarden durch Treasury-Zinsen.
  • Polymarket monetarisiert Aufmerksamkeit, Unsicherheit und Ereignisse mit starker narrativer Marktdynamik.

Phantom

Phantom ist heute die führende Krypto Wallet im Solana-Ökosystem und wird von rund 15 Millionen monatlich aktiven Nutzern verwendet. Mit geschätzt etwa 40 Prozent Marktanteil bei Solana-Wallets ist Phantom für viele Nutzer der erste Berührungspunkt mit DeFi, NFTs, Perps und Zahlungen. Genau darin liegt die strategische Position: Phantom kontrolliert die Stelle, an der Nutzer ihre Absicht formulieren, etwas zu tauschen, zu handeln oder zu übertragen. Dadurch sitzt die Wallet vor den eigentlichen Protokollen und kann Nutzerflüsse bündeln und monetarisieren, bevor der Wert bei DEXs oder anderen Anwendungen ankommt.

Ein wichtiger Beleg für diesen Wandel ist der Start von Phantom Perps, der innerhalb weniger Wochen im Sommer 2025 über eine Milliarde US-Dollar Handelsvolumen erreichte. Damit entwickelt sich die Wallet von einer reinen Oberfläche zu einer aktiven Finanzplattform. Die Series-C-Finanzierungsrunde über 150 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von rund 3 Milliarden US-Dollar im Januar 2025 unterstreicht, dass Investoren dieses neue Geschäftsmodell ernst nehmen.

Phantom zählt inzwischen zu den umsatzstärksten Anwendungen im gesamten Solana-Ökosystem. Laut einem SolanaFloor-Report erzielten Solana-Apps 2025 insgesamt 2,38 Milliarden US-Dollar Umsatz, wobei Phantom mit rund 336 Millionen US-Dollar auf Platz drei der umsatzstärksten Anwendungen landete. Damit liegt Phantom noch vor vielen klassischen DeFi-Protokollen und zeigt, dass Wallets längst nicht mehr nur technische Werkzeuge sind, sondern eigenständige Plattformen mit relevanten Erlösmodellen und hoher Nutzerbindung.

Phantom

Die Daten von DefiLlama zeigen eindrucksvoll, wie profitabel Phantom inzwischen arbeitet. Im Jahr 2025 erwirtschaftete die Wallet in einzelnen Quartalen sehr hohe Umsätze, allen voran im ersten Quartal mit rund 173,9 Millionen US-Dollar. Auch in Q2 (51,3 Mio.), Q3 (63,1 Mio.) und Q4 (37,6 Mio.) blieben die Einnahmen auf hohem Niveau. Auffällig ist, dass bei Phantom praktisch keine direkten Umsatzkosten anfallen, sodass der Bruttogewinn nahezu identisch mit dem Umsatz ist. Das bedeutet: Ein sehr großer Teil der Einnahmen bleibt als Gewinn im Unternehmen.

Hyperliquid

Hyperliquid hat sich als das dominierende Perps-Protokoll im Kryptomarkt etabliert und zeigt, warum Perpetual Futures derzeit die profitabelste Produktkategorie in der Branche sind. Anders als viele Wettbewerber betreibt Hyperliquid eine eigene, speziell dafür entwickelte Blockchain, auf der Liquidität, Orderbuch, Ausführung und Abwicklung vollständig integriert sind. Dadurch werden Reibungsverluste, fragmentiertes Routing und klassisches MEV weitgehend vermieden, was zu einer sehr hohen Effizienz und stabilen Margen führt. Die Daten von DefiLlama zeigen über das Jahr 2025 hinweg konstant hohe Gebühren- und Umsatzerlöse, mit Spitzenwerten im Spätsommer und Herbst.

hyperliquid

Gleichzeitig führte das Projekt den Markt bei Token-Rückkäufen an, sodass direkt diese Erträge in den Wert des Ökosystems zurückfließen.

Die These des Analysten für Hyperliquid beschreibt einen sich selbst verstärkenden Boom bei Hyperliquid. Neue HIP-3-Erweiterungen sorgen für mehr Funktionen und bessere Handelsbedingungen, was die Aktivität der Trader erhöht. Mehr Handelsvolumen bedeutet automatisch mehr Gebühreneinnahmen für das Protokoll. Diese zusätzlichen Einnahmen werden wiederum für höhere Token-Rückkäufe verwendet, was das Angebot verknappt und den ökonomischen Wert des Systems stärkt.

EigenLayer

EigenLayer steht derweil für einen fundamentalen Wandel in der Nutzung von Ethereum-Sicherheit. Klassisch sichern Validatoren die Blockchain und erhalten dafür Belohnungen. EigenLayer ermöglicht es nun, diese Sicherheit weiterzuvermieten an externe Dienstleistungen – sogenannte Active Validation Services (AVSs). Projekte können so ohne eigenen Validator direkt die hohe ökonomische Sicherheit von Ethereum nutzen und dafür Gebühren zahlen, die an EigenLayer zurückfließen.

Mit der Einführung von EigenCloud (inklusive EigenAI und EigenCompute) erweitert EigenLayer diesen Ansatz auf verifizierbare Off-Chain-Berechnung. Anwendungen, die große Rechenaufgaben oder KI-Workloads auslagern möchten, können über EigenCloud vertrauenswürdig und skalierbar rechnen lassen – wiederum gestützt auf die ökonomische Sicherheit des Netzwerks. So verbindet EigenLayer nicht nur Blockchain-Sicherheit mit neuen Dienstleistungsmodellen, sondern adressiert auch die wachsende Nachfrage nach off-chain Rechenleistung und verifizierbaren Ergebnissen in DeFi, AI und Web3. Dieser Ausbau stärkt die Thesis, dass Sicherheit ein Garant für Erträge im Ethereum-Stack werden kann.

Tether

Tether ist heute nicht nur der größte Stablecoin-Emittent der Welt, sondern auch eines der profitabelsten Unternehmen im gesamten Kryptosektor. Mit einer umlaufenden USDT-Menge von rund 187 Milliarden US-Dollar kontrolliert Tether einen gewaltigen „Float“ – also Kapital, das von Nutzern gehalten wird. Genau hier liegt der Kern des Geschäftsmodells.

tether

Tether investiert einen großen Teil dieser Reserven, vor allem in kurzlaufende US-Staatsanleihen, und kassiert die laufenden Zinseinnahmen. Bei Treasury-Beständen von rund 135 Milliarden US-Dollar entstehen so jährliche Erträge im Bereich von über 10 Milliarden US-Dollar.

Der entscheidende Punkt: Dieses Modell ist strukturell überlegen gegenüber den meisten Krypto-Protokollen. Während viele Anwendungen aktiv um Nutzer, Volumen und Gebühren konkurrieren müssen, profitiert Tether automatisch vom reinen Halten der Liquidität. Damit gilt der Stablecoin-Emittent als eines der profitabelsten Unternehmen der Welt.

Je größer USDT wird und je höher das Zinsniveau, desto höher fallen die Gewinne aus – fast unabhängig von Marktzyklen. Tether ist damit weniger eine klassische Krypto-App als vielmehr eine extrem profitable Finanzinfrastruktur, die vom globalen Bedarf an Stablecoins lebt. Das stützt die These, dass Stablecoin-Emittenten langfristig zu den stärksten Cashflow-Maschinen im Kryptomarkt gehören.

Polymarket

Prediction Markets monetarisieren nicht in erster Linie Kapital, sondern Aufmerksamkeit und Unsicherheit. Liquidität sammelt sich dort, wo Nutzer die Wahrscheinlichkeiten als am verlässlichsten wahrnehmen. Sobald sich dieser Kreislauf aus Nutzung, Datenqualität und Vertrauen etabliert hat, wird es für neue Wettbewerber extrem schwer, relevante Tiefe und Glaubwürdigkeit aufzubauen. Polymarket ist dafür ein gutes Beispiel. Die Plattform wird nicht nur wegen konstanter Aktivität genutzt, sondern zunehmend als globale Referenzquelle für Einschätzungen zu Wahlen, Politik, Wirtschaft und Großereignissen.

Im Gegensatz zu vielen DeFi-Protokollen sind Prediction Markets nicht von TVL abhängig und tragen kein direktes Marktrisiko, da sie keine Long- oder Short-Positionen auf Assets halten müssen. Stattdessen profitieren sie von Ereignissen, Unsicherheit und Volatilität. Besonders attraktiv ist die hohe Gebührenelastizität rund um wichtige Events, wenn das Handelsinteresse explodiert. Gleichzeitig haben die angezeigten Wahrscheinlichkeiten eine starke narrative Wirkung. Dadurch besitzen Prediction Markets eine seltene Eigenschaft: Sie profitieren überproportional von politischer und makroökonomischer Unruhe. Wenn der Markt unsicherer wird, kann Polymarket sogar mehr Umsätze generieren.

Polymarket zeigt zu Beginn des Jahres 2026 erneut eine starke Dynamik. Bereits nach nur 17 Tagen hat die Plattform die Marke von einer Million Followern auf X erreicht und sich damit endgültig als Mainstream-Marke positioniert. Gleichzeitig wurde Polymarket direkt in CoinMarketCap integriert, was die Sichtbarkeit bei Krypto-Anlegern weiter erhöht. Besonders wichtig ist jedoch der Schritt in den klassischen Medienbereich: Partnerschaften mit dem Wall Street Journal und Dow Jones sowie die Rolle als exklusiver Prediction-Market-Partner der Golden Globes zeigen, dass Polymarket zunehmend als seriöse Referenzquelle für Wahrscheinlichkeiten wahrgenommen wird.

Wenn der POLY Airdrop in 2026 kommt, könnte die beliebte Prognoseplattform aufgrund ihrer Wechselwirkungen zu Unsicherheit spannend zur Diversifikation in Krypto-Portfolios werden.


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Daniel Robrecht

Nach seinem Rechtswissenschaften- und Management-Studium entschied sich Daniel für eine Tätigkeit als freiberuflicher Autor und verfasst mittlerweile seit rund 10 Jahren qualitative Publikationen zu diversen Fachthemen. Als Investor sammelte er jahrelang Erfahrung mit Aktien & Kryptowährungen. Neben einem langfristigen Investitionsansatz... Mehr lesen

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